Alpenpflanzen

Inhalt der Tafel ›Alpenpflanzen‹.

Fig. 1. Rhododendron hirsutum L. (Rauhhaarige Alpenrose), ein aufrechter, ästiger Strauch aus der Familie der Erikazeen, hat elliptische oder ovale, klein gekerbte, am Rande nicht umgerollte, steifhaarig gewimperte, sonst kahle, immergrüne, unterseits rostbraun getüpfelte Blätter und rosenrote, trichterförmige, außen drüsig-harzig punktierte Blüten in endständigen Doldentrauben. Die Alpenrose (Alpenrausch, Schneerose, Alpbalsam, Donnerrose) beginnt in den Ost-, Zentral- und Westalpen unterhalb der Knieholzregion, steigt mit den Gießbächen oft sehr weit herab und erreicht Höhen von 2000 m. Sie bildet vom Juni bis August den schönsten Schmuck der Alpen, die sie oft stunden weit mit einem Rosenteppich überkleidet. In alter Zeit soll sie dem Donnergott heilig gewesen sein.

Fig. 2. Aster alpinus L. (Alpenaster), eine Komposite mit walzenförmigem, knorrigem Wurzelstock, der neben dem Stengel auch sterile Blätterbüschel treibt, hin und her gebogenen, ganzrandigen, unten keil- oder spatelförmigen, oben länglich-lanzettlichen, sitzenden, kurz oder zottig behaarten Blättern und ansehnlichen Blütenköpfen mit blauvioletten Randblüten und gelben Scheibenblüten, blüht vom Juli bis August an Felswänden und auf Triften der Alpen und Voralpen, auch in den Karpathen und Sudeten.

Fig. 3. Primula glutinosa Wulf. (Klebrige Primel, blauer Speik), eine Primulazee mit länglich-lanzettförmigen oder lineal-lanzettförmigen, nach oben gesägten, kahlen, schmierig klebrigen Blättern und auf der nickenden Dolde sitzenden kleinen, violetten, wohlriechenden Blüten mit abstehendem Saum und schwarzbraunen Hüllblättchen. Der Blütenschaft wird 5–10 cm hoch. Diese unter den zahlreichen Arten besonders beliebte Primel wächst in der höchsten Urgebirgsregion der Ost- und Zentralalpen und der Karpathen und blüht im Juli und August.

Fig. 4. Valeriana celtica L. (Alpenbaldrian, Nardenbaldrian, Speiknarden), eine Valerianazee mit nicht verästeltem, wie die ganze Pflanze kahlem, 3–12 cm hohem Stengel, einfachen, ganzrandigen, stumpfen Blättern und rötlichgelben Blüten in pyramidaler Rispe, wächst in den Ost- und Westalpen auf hochgelegenen, steinigen Triften, besonders im Schiefergebirge, und blüht im Juli und August. Die ganze Pflanze, besonders die Wurzel, riecht durchdringend aromatisch und wird seit dem Altertum als Volksarzneimittel (keltische Narde) und Parfüm, im Orient auch zu Bädern benutzt. Namentlich in Steiermark bildet sie einen nicht unwichtigen Ausfuhrartikel.

Fig. 5. Dianthus glacialis L. (Gletschernelke), eine seltene, dichten Rasen bildende Karyophyllazee mit kurzen Stämmchen, lineal-lanzettlichen, verlängerten, kahlen Blättern und rosenroten, seltener weißen, wohlriechenden Blüten, wächst in den Karpathen, den Ost- und Zentralalpen und ist vielleicht nur eine Varietät von D. alpinus, der Alpennelke, deren Wurzel einst gegen die Pestilenz benutzt wurde.

Fig. 6. Salix reticulata L. (Netzaderige Weide), ein kleiner kriechender Strauch mit rundlichen, ganzrandigen, oberseits dunkelgrünen, unten bläulichgrauen, glanzlosen, netzaderigen kahlen Blättern und endständigen Kätzchen, wächst an feuchten, steinigen Orten der Karpathen, der Ost-, Zentral- und Westalpen, auch im hohen Norden und blüht vom Juni bis August.

Fig. 7. Silene acaulis L. (Stengelloses Leimkraut), eine dichte, polsterförmige, grasgrüne Rasen bildende Karyophyllazee mit grundständigen, linealen, ganzrandigen, kurz bewimperten, sonst wie die ganze Pflanze kahlen Blättern und einzeln am Ende der Stämmchen stehenden rosenroten Blüten, wächst auf Felsen und Triften der Kalkalpen, überzieht oft ganze Felsstücke, blüht vom Mai bis Juli und geht nicht selten tief abwärts. Es ist in den Karpathen, in den Ost-, Zentral- u. Westalpen, auch in der arktischen Region verbreitet.

Fig. 8. Ranunculus alpestris L. (Voralpenhahnenfuß), eine Ranunkulazee mit aufrechtem, ein- bis zweiblätterigem oder blattlosem, einfachem, einblütigem und wie die ganze Pflanze kahlem Stengel, grundständigen, gestielten, ungeteilten oder handförmig gelappten oder gespaltenen, etwas runzeligen Blättern, kleineren, linealen oder keiligen Stengelblättern und schneeweißen Blüten, die vom Juli bis August erscheinen, wächst häufig auf Triften und steinigen feuchten Stellen der Alpen und Voralpen, in den Karpathen, im Jura, in den Ost-, Zentral- und Westalpen.

Fig. 9. Astrantia minor L. (Kleiner Talstern, Alpenstern, Astranz, Stränze), eine Umbellifere mit schwachem, 15–25 cm hohem Stengel, bis auf den Grund fingerig geteilten Blättern, lanzettlichen, ungleich eingeschnitten gesägten Lappen, weißen Hüllblättchen mit grünen Spitzen und kleinen, rosa-weißen Blümchen, wächst in höhern Gegenden der Ost-, Zentral- und Westalpen und blüht vom Juni bis August.

Fig. 10. Erica carnea L. (Alpenheidekraut, fleischfarbiges Heidekraut), eine strauchige, liegende, ästige Erikazee, deren 8–30 cm lange, aufrechte oder aufsteigende Äste, wie die ganze Pflanze, kahl sind. Die nadelförmigen, spitzen, abfälligen Blätter stehen zu vieren oder zu mehreren, quirlig, die rosenroten, selten weißen Blüten in endständigen, ährenförmigen, meist einseitswendigen Trauben. Die Blumenkronen sind röhrig-krugförmig, die Staubbeutel purpurschwarz. Es wächst auf Felsen, an Waldrändern und in den Wäldern selbst bis zum Krummholz und überzieht oft ganze Gebiete in den Karpathen, Sudeten, Ost-, Zentral- und Westalpen mit dichtem Rasen. Es blüht im April und Mai.

Fig. 11. Nigritella angustifolia Rieh. (Schmalblätteriges Kohlröschen, Brändli, Kuhbrändli, Schwarzständel, Kammblümle), eine 8–20 cm hohe Orchidee mit handförmig geteilten Knollen, schmal linealischen, fast grasartigen, fein gewimperten, unten gehäuften, oben viel kleinern und zerstreuten Blättern, kurzkegeligen oder eiförmigen, dichtgedrungenen Ähren und dunkelblutroten oder schwarzpurpurnen, bisweilen auch hell karminroten, sehr angenehm nach Vanille duftenden Blüten. Es wächst auf Triften der Alpen und Voralpen zwischen 600 und 1800 m in den Karpathen, im Jura, in den Ost-, Zentral- und Westalpen, auch im Apennin, im Balkan und in den skandinavischen Gebirgen und blüht vom Juni bis August. Das Kohlröschen ist eine Lieblingspflanze der Alpenbewohner und wird in der Blütezeit ganz allgemein von den Burschen am Hute getragen.

Fig. 12. Viola calcarata L. (Langsporniges Veilchen, Bergviola), eine glatte, stark verästelte Pflanze aus der Familie der Violazeen, deren kurze Zweige am Boden liegen, mit gekerbten, eirunden, oben länglich-lanzettlichen Blättern, einblumigen, aufrechten, 8 cm hohen Stengeln und gewöhnlich violetten, sehr selten gelben, langgespornten Blüten, wächst auf Triften höherer Regionen in den Ost-, Zentral- und Westalpen und im Jura und blüht vom Mai bis Juli.

Von den zahlreichen Enzianarten aus der Familie der Gentianazeen, die durch meist blaue Blüten ausgezeichnet sind, bildet Gentiana bavarica L. (bayrischer Enzian, Fig. 13) oft größere Rasen und treibt aufrechte oder aufsteigende, einfache, vielblätterige, einblütige Stämmchen mit verkehrt-eirunden oder fast spateligen Blättern, von denen die untern gedrungen, die obern meist entfernt stehen. Die Blumenkrone ist stieltellerförmig, ziemlich ansehnlich, tief azurblau. Die Pflanze wächst auf den Triften der höhern Kalkalpen und blüht vom Juli bis September. Sie ist in den Ost-, Zentral- und Westalpen verbreitet.

Fig. 14. Gentiana acaulis L. (Stengelloser Enzian, blauer Fingerhut), besitzt einen 5 cm langen, oft aber unmerklichen Stengel, grundständige, ovale, elliptische oder lanzettliche, viel kleinere stengelständige Blätter und 4 cm, auf hohen Gipfeln kaum 2,5 cm lange endständige, keulenförmig-glockige, dunkelazurblaue Blüten mit fünf hellern, dunkelviolett punktierten Streifen im Schlund. Er wächst auf steinigen Triften der Kalkalpen zwischen 630 und 1800 m Höhe, oft ungemein zahlreich, meist in Gruppen vereinigt, und blüht vom Mai bis Juli. Er ist in den Ost-, Zentral- und Westalpen, in den Karpathen, Ardennen und im Jura verbreitet, steigt auch bis zur Ebene herab.

Fig. 15. Dryas octopetala L. (Gemeine Silberwurz, Alpengamander), ein niederliegender, rasenbildender, ästiger Halbstrauch mit immergrünen, länglichen, gekerbt-gesägten, oberseits kahlen, unterseits weißfilzigen, am Rand umgerollten Blättern, mehr oder minder zottigen Blatt-, Blütenstielen und Kelchen, einzeln endständigen weißen Blüten und langem, federartigem, silberglänzendem Fortsatz an den Früchten, wächst auf Felsen und im Felsenschutt der Kalkalpen bei etwa 2000 m Höhe, steigt aber manchmal auch in subalpine Gegenden herab und blüht vom Juni bis August. Findet sich in den Alpen, im Jura und in allen Polarländern.

Fig. 16. Sempervivum arachnoideum L. (Übersponnene Hauswurz, Spinnenwurz, Spinnwebenhauslaub), eine Krassulazee, deren Rosetten aus verkehrteiförmigen oder länglichen, drüsig kurzhaarigen, borstig gewimperten, an der Spitze büschelig gebärteten Blättern mit spinnwebeartigen Haaren bestehen. Die Blüten sind rosenrot mit einem Purpurstreifen auf jedem Blatt. Sie wächst in den Ost-, Zentral- und Westalpen, im Jura und in den Pyrenäen und blüht im Juli und August.

Fig. 17. Eritrichium nanum Schrad. (Zwergvergißmeinnicht), eine Borraginazee mit mehreren aufsteigenden, ästigen, 2,5–5 cm hohen Stengeln, oft kleine, durch die Zottenhaare graue Rasen bildend, an nicht blühenden Ästen gedrängt stehenden, spatelförmigen, borstig gewimperten, langzottigen, an blühenden Ästen verkehrt-eiförmigen, locker stehenden Blättern und azurblauen Blüten im Juli und August, wächst in den Ost-, Zentral- und Westalpen.

Fig. 18. Saxifraga Aizoon Jacq. (Traubenblütiger Steinbrech, Silberminze), eine Saxifragazee mit einer Rosette aus steifen, kahlen, zungenförmigen, knorpelig gesägten und längs des Randes eingedrückt punktierten Blättern, die am Rande mit einer weißen, zuletzt abfallenden Kalkkruste bedeckt sind. Die Blütenstengel sind traubig verästelt, mit kleinen Blättern und weißen, grünlichweißen und rot punktierten Blüten. Er ist auf felsigen Stellen des Kalkgebirges gemein, blüht vom Juni bis August und findet sich in den Karpathen, im Schlesischen, Mährischen, Böhmischen Gebirge, in den Ost-, Zentral- und Westalpen, Vogesen, im Jura und Schwarzwald, auch in Skandinavien, Grönland, Labrador.

Fig. 19. Saxifraga oppositifolia L. (Gegenblätteriger Steinbrech, blaues Steinmoos), mit kriechenden Stämmchen große Polster bildend, aufrechten, dicht beblätterten einblütigen Ästen und spateligen, steif gewimperten, sonst meist kahlen Blättchen, die an der Spitze aus einem Grübchen ein später abfallendes Kalkschüppchen absondern. Die ziemlich großen Blüten sind rosenrot, zuletzt blau und erscheinen im Mai und Juni. Er wächst von Spanien bis Siebenbürgen, im ganzen arktischen Gebiet, in einem großen Teil Asiens und in den Rocky Mountains.

Fig. 20. Gnaphalium Leontopodium L. (Edelweiß), eine Komposite mit weißfilzigem, 8–16 cm hohem Stengel, lineal-lanzettlichen, spinnwebig wolligen, unterseits weißfilzigen Blättern und trugdoldig an der Spitze gehäuften Blütenköpfchen, die von dicht weißwolligen, eine blumenartige Hülle bildenden, strahlenden Blättern gestützt werden. Die gelben Blüten erscheinen im Juli. Es wächst auf den höchsten Alpen, in den Karpathen und im Jura, oft an schwer zugänglichen Stellen und ist eine der beliebtesten Alpenpflanzen, die ehedem in hohem Ansehen stand, jetzt ein gewöhnlicher Handelsartikel geworden ist.

Fig. 21. Linaria alpina Mill. (Alpenleinkraut), eine Skrofulariazee mit liegendem oder mit der Spitze aufsteigendem, einfachem oder ästigem, wie die ganze Pflanze kahlem, bläulich bereiftem Stengel, länglich-linealen, quirlig, oben wechselständigen Blättern und großen azurvioletten Blüten mit orangerotem Gaumen in lockern, kurzen Trauben. Es wächst auf Felsen und im Felsenschutt der Kalkalpen, steigt bis in die Täler hinab und blüht vom Juli bis Herbst. Es findet sich in den Ost-, Zentral- und Westalpen und in den Pyrenäen.

Fig. 22. Soldanella alpina L. (Alpenglöckchen, Troddelblume), eine Primulazee mit grundständigen, rundlichen, ganzrandigen, geschweiften oder seicht gekerbten, lederigen, kahlen Blättern, aufrechten, blattlosen Stengeln und trichterglockenförmigen, aufrechten oder nickenden, etwas klebrigen hellvioletten Blüten in endständigen, 1–10 blutigen Dolden. Das Pflänzchen erscheint im April in moosigen Wäldern und an feuchten, buschigen Stellen in der Berg- und Voralpenregion, auch am schmelzenden Schnee der Triften, auf Kalk und Schiefer in den Sudeten, Ost-, Zentral- und Westalpen, im Schwarzwald und Jura.

Fig. 23. Ranunculus montanus L. (Berghahnenfuß), eine Ranunkulazee mit handförmig geteilten Wurzelblättern, verkehrt-eiförmigen, dreispaltigen, stumpf gezahnten Blättern, ein- oder mehrblütigem Stengel und gelben Blüten, wächst auf Triften der Alpen und Voralpen und blüht vom Juni bis August. Er findet sich in den Karpathen, in den Ost-, Zentral- und Westalpen, im Schwarzwald und Jura.

Fig. 24. Pinus montana Mill. (Knieholzkiefer, Krummholz-, Legkiefer, Latsche), eine formenreiche, strauch-, aber auch baumartige Konifere mit liegendem, knieförmig aufsteigendem Stamm, schwarzgrauer Rinde, kurzen, gepaarten Nadeln und eiförmigen Zapfen, wächst im südlichen und mittlern Europa in jeder rauhen Hochlage, bedeckt in den Alpen zwischen 1400 und 2000 m Höhe weite Flächen und gewährt Schutz gegen Lawinen und Erdfälle. Sie liefert Holz zu Drechslerarbeiten und Schnitzereien und ätherisches Krummholzöl, das als Volksheilmittel benutzt wird.


Alpenpflanzen.
Alpenpflanzen.
Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 1. Leipzig 1905.
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