Braunkohle

›Braunkohlenbergbau‹.

Die planmäßige Gewinnung der Braunkohlen geschieht entweder durch Grubenbau oder durch Tagebau. Beim Grubenbau wird die Kohlenablagerung unterirdisch durch senkrechte Schächte und ein System sich kreuzender wagerechter und geneigter Strecken aufgeschlossen und in Pfeiler zerlegt, die dann von den Feldesgrenzen aus in einzelnen quadratischen Abschnitten (Brüchen oder Plänen) mit der Keilhaue soweit als tunlich hereingewonnen werden, worauf man das Deckgebirge durch Wegnahme (Rauben) der Unterstützungshölzer in die Abbauräume einbrechen und diese so sich wieder ausfüllen läßt (BrucKbau). Beim Tagebau dagegen werden die über der Kohle lagernden Gebirgsmassen in der weiter unten näher beschriebenen Weise abgeräumt und das so freigelegte Flöz unter freiem Himmel verhauen. Seine Vorzüge sind: vollständige Ausbeutung des Kohlenlagers ohne die beim Bruchbau unvermeidlichen starken Abbauverluste, Fortfall des kostspieligen dichten Holzverbaues vieler Strecken und Abbaue, bedeutend größere Hauerleistungen, geringere Gewinnungskosten, leichtere Beaufsichtigung der Arbeiter u.a.m. Manche Werke erzielen überdies aus der Verwertung gewisser Einlagerungen des Abraums willkommenen Nebengewinn: Sand und Kies wird zu Bauzwecken, feiner Quarzsand an Glasfabriken, Lehm an Ziegeleien, Ton an Fabriken besserer Ziegel und Tonwaren abgesetzt oder in eignen Nebenbetrieben zugute gemacht. Hauptbedingung für die Anwendbarkeit des Tagebaues ist: nicht zu große Mächtigkeit des Deckgebirges. Im allgemeinen ist er noch wirtschaftlich vorteilhaft, wenn die Mächtigkeit der Kohle sich zu der des Deckgebirges verhält wie 1:1,5. In jedem Falle sind die Lagerungsverhältnisse eines auszubeutenden Feldes vorerst durch eine größere Zahl von Bohrungen hinreichend klarzustellen.

Aufdeckarbeit. Bei Eröffnung eines Tagebaues ist zunächst das Deckgebirge an geeigneter Stelle zu durchbrechen. Man wählt hierfür meist eine der Feldesgrenzen, hebt den Abraum terrassenförmig heraus und schüttet ihn jenseits auf Halde oder in etwaige, durch frühern Grubenbau entstandene Bodensenkungen hinein. Wertvolle Ackerkrume wird für sich abgehoben und angehäuft, um später über dem abgebauten Felde wieder ausgebreitet zu werden.

Sobald eine genügend große Oberfläche des Flözes entblößt ist, geht man mit einem Einschnitte, der nach und nach verbreitert wird, bis auf dessen Sohle herab.

Umstehendes Bild zeigt einen bereits vollentwickelten ausgedehnten Tagebau. Die Aufdeckarbeit schreitet dem Kohlenabbau immer ein gutes Stück voran. Die Hauptmasse des Abraums wird hier maschinell durch einen großen Trockenbagger (Exkavator) gewonnen. Dieser bewegt sich bei beständigem Umlaufe des Becherwerks (Eimerkette) auf parallel zur Böschung liegenden Schienen von einem zum andern Ende fort; hierbei wird zunächst die Oberkante des Abraums auf die ganze Breite des Tagebaues fortgeschnitten. Indem dann der Bagger seinen Weg umgekehrt und mehrmals hin und her zurücklegt, schneidet er sich immer tiefer ein, bis eine der ursprünglichen parallele Böschung hergestellt ist. Dann müssen die Gleise rückwärts verlegt werden, und die Arbeit beginnt von neuem. Das durch die Eimer losgeschnittene Erdreich wird von diesen oben in untergeschobene Eisenbahnwagen ausgestürzt. Letztere werden alsdann durch eine Lokomotive um den Tagebaukessel herum nach der gegenüberliegenden Abraumhalde (auf dem Bilde nicht sichtbar) gefördert und hier seitlich entleert, während gleichzeitig der Bagger einen auf einem Ausweichegleis bereitstehenden Zug leerer Wagen zugeführt erhält und diese wieder zu füllen beginnt.

Die größte Baggertiefe beträgt 10–12 m (senkrecht gemessen). Ist das Deckgebirge erheblich mächtiger, so sind zwei oder noch mehr Abraumstrossen zu bilden, deren jede von einem besondern Bagger bearbeitet wird, wenn man es nicht vorzieht, die eine oder andre durch Handbetrieb zu verhauen. Obwohl im allgemeinen wesentlich teurer und weniger leistungsfähig als der Baggerbetrieb, ist er doch meist überall da geeigneter, wo Steinlagen, erratische Blöcke, mächtige feste Tonbänke zu entfernen oder sonstige verwertbare Einlagerungen (s. oben) gesondert zu gewinnen sind, ferner beim Wegräumen der untersten, die meist unregelmäßig oder wellig gestaltete Flözoberfläche bedeckenden Schicht (s. Bild). Die durch Handbetrieb abgeräumten Massen werden in Muldenkippwagen gefüllt und zugweise durch Lokomotiven oder Pferde oder einzeln durch die Arbeiter selbst (unter Umständen über quer eingebaute Holzbrücken) nach der Abraumhalde gefahren. Durch das fortgesetzte Anschütten neuer Massen von Sand u. dgl. rückt die Halde immer weiter in den durch den Abbau entstandenen Kessel hinein, diesen so wieder ausfüllend und dem Verhiebe des Kohlenflözes in bestimmtem Abstande folgend.

Die Hereingewinnung der Kohle im Tagebau geschieht allgemein durch Handbetrieb. Die in Norddeutschland zurzeit übliche Abbauweise ist die folgende. Man teilt die in breiter Flucht anstehende, nach Bedarf durch Streckenbetriebe hinreichend entwässerte Kohlenwand in senkrechte Abschnitte von bestimmter Breite und Tiefe, arbeitet in jeden derselben von der Tagebausohle aus eine Nische oder ein kurzes stollenartiges Ort hinein und stellt darüber entweder vorn in der Wand eine Schlitzschurre mit Verschalung oder in der Mitte des Abschnitts eine rolllochartige Trichter- oder Kesselschurre bis zur Flözoberfläche her. Nun wird, am obern Rande der Schurre beginnend, die Kohle hintereinander weggehackt, so daß sie durch jene von selbst in einen untergeschobenen Förderwagen hinabrollt, der, nachdem er gefüllt ist, herausgezogen und sogleich durch einen bereitstehenden leeren Wagen ersetzt wird. Auf diese Weise werden die Schurren bald trichter- oder halbtrichterförmig erweitert bis zu den Grenzen der Abschnitte und letztere allmählich bis zur Wagenhöhe herunterverhauen (s. Bild). Von den dann noch wegzuhackenden Pfeilerresten müssen die Kohlen mit der Schaufel verladen werden. Bei sehr großer Flözmächtigkeit erfolgt der Abbau unter Umständen in mehreren zurückspringenden Strossen.

Im nordwestlichen Böhmen wird das dortige mächtige Flöz, dessen Kohle besonders fest ist, bei Tagebaubetrieb durch auf der Flözsohle nahe beieinander aufgefahrene breite Strecken und Querörter derart unterschrämt, daß nach dem dann folgenden Wegsprengen der vordersten Reihe von Zwischenpfeilern die durch letztere bis dahin gestützte Kohlenwand mit einem Male zusammenbricht und zertrümmert wird.

Die Förderung der gefüllten Wagen geschieht über leichte, auf der Tagebausohle verlegte Feldbahnen durch Förderleute bis zur Anschlagsstelle einer in der Regel vorhandenen maschinellen Förderanlage mit umlaufender Kette oder Drahtseil (s. Bild). Mittels derselben werden die Wagen aus dem Tagebau heraus meist durch eine zweigleisige schiefe Ebene direkt nach der Brikettfabrik oder zur Verladung, oder aber durch eine wagerechte unterirdische Strecke nach einem Schachte geschafft, um hier zutage gehoben zu werden. Dieser dient dann zugleich auch zum Herauspumpen der Tagebauwasser, wozu sonst ein besonderer Schacht erforderlich ist.

Die Aufbereitung der Braunkohlen besteht entweder in einer Sonderung nach Stück und Korngrößen (nebst Auslesen etwaiger Schwefelkiesknollen, Lignite etc.) durch Roste, Siebvorrichtungen etc., wie bei den Trockenseparationen der Steinkohlen (s. Tafel ›Aufbereitung der Steinkohlen‹) behufs vorteilhaften Verkaufs, oder in einer stufenweisen Zerkleinerung durch Stachel-, Brech- und Feinwalzwerke oder Schleudermühlen, verbunden mit einem Absieben von Lignitstückchen und Fremdkörpern, zum Zwecke der nachfolgenden Trocknung und Verpressung (Brikettierung) der hierzu geeigneten Kohlen (s. Preßkohlen).


Braunkohlenbergbau.
Braunkohlenbergbau.
Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 3. Leipzig 1905.
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