Gehäufte Not und Arbeit

[564] Die Thronbesteigung Kaiser Leopolds II., der am 13. März 1790 in Wien eintraf, schien für die Pflege der Musik und der Oper nicht viel Gutes zu versprechen. Der neue Herr galt für keinen besonderen Freund und Kenner der Musik. Jedenfalls hörte unter ihm jener persönliche Zug auf, den Joseph II dem Wiener Musikleben aufgedrückt hatte. Bewußt oder unbewußt führte er auch auf künstlerischem Gebiete eine scharfe Reaktion herbei: die alten Lieblinge der Fürstenhöfe, Ballett und opera seria, kamen wieder in Aufnahme. Es hieß, ein neues Opernhaus solle erbaut werden, dessen Logen gleich auch zum Kartenspiel eingerichtet werden sollten1; Salieri sei aus Unzufriedenheit darüber entschlossen, seinen Abschied zu nehmen, und werde durch Cimarosa ersetzt werden2. Zunächst zeigte Leopold II. überhaupt keine Teilnahme für Oper und Musik: noch im Juli 1790 hatte er weder das Theater besucht noch Konzerte bei sich veranstaltet. Nur seine Gemahlin, die Kaiserin Louise, sah man in der Oper, sie schien auch Verständnis dafür zu haben, aber von der Wiener Musik wenig befriedigt zu sein. Auch die Prinzen erhielten Musikunterricht3. Allmählich trat der Kaiser jedoch aus seiner Zurückhaltung heraus, und gerade die Günstlinge Josephs II bekamen den Umschwung zuerst zu spüren. Am 25. Januar 1791 erhielt Graf Rosenberg seine Entlassung und wurde durch den Grafen Ugarte ersetzt4, dasselbe Schicksal traf die Ferraresi und da Ponte, der die Thronbesteigung des Kaisers noch mit gewohntem Pathos verherrlicht hatte5. Salieri, dem Leopold II besonders ungnädig gesinnt war6, wartete ein weiteres Vorgehen gar nicht ab, sondern zog sich freiwillig von der Leitung der Oper zurück; an seine Stelle tratJoseph Weigl, wie es hieß »um im Schüler den Meister zu ehren7«.[565]

Mozart hatte gewiß nicht zu den Günstlingen der alten Regierung gehört. Er durfte im Amte bleiben. Das war aber auch alles, im übrigen kümmerte man sich noch weniger um ihn als früher und behandelte ihn mitunter mit offener Geringschätzung. Das zeigte sich gleich bei seinem unter Mitwirkung van Swietens unternommenen Versuch, die zweite Kapellmeisterstelle und den Klavierunterricht der Prinzen zu erhalten. Anfang April 1790 lebte er noch der besten Hoffnung, wie seine Worte an Puchberg zeigen8:


Als ich letzthin von Ihnen nach Hause kam, fand ich beyliegendes Billett von B. Swieten. Sie werden so wie ich daraus sehen, daß ich nunmehro mehr Hoffnung habe als allzeit. Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann. Meine gegenwärtigen Umstände sind aber – daß ich, bey allen meinen angenehmen Aussichten, ohne der Hilfe eines biederen Freundes, meine Hoffnung zu meinem ferneren Glücke ganz für verlohren geben muß. Sie werden an mir die Zeit her immer etwas Trauriges bemerket haben – und nur die zuvielen Gefälligkeiten, die Sie mir schon erwiesen haben, hießen mich schweigen: aber nur noch einmal und zum letzten Male, im allernotwendigsten Augenblicke, welcher mein ganzes ferneres Glück entscheidet, rufe ich Sie voll des Zutrauens in Ihre mir bewährte Freundschaft und Bruderliebe an, mir nach Ihrer ganzen Möglichkeit beyzustehen. Sie wissen, wie mir meine dermaligen Umstände, wenn sie kund würden, in meinem Gesuche bey Hofe schaden würden – wie nötig es ist daß dies ein Geheimnis bleibe, denn man urteilt bey Hofe nicht nach den Umständen, sondern leider blos nach dem Schein.


Im Mai ging er noch einen Schritt weiter und wandte sich an den Erzherzog Franz um seine »gnädigste Fürsprache«; nicht unwichtig ist dabei der Nachdruck, den er auf seine Tätigkeit für die Kirche legt9, dadurch hoffte er sich ganz besonders empfehlen zu können, weil Salieri dieses Gebiet ganz vernachlässigt habe. Noch am 17. Mai ist er voll guter Hoffnung, da der Kaiser seine Bittschrift zurückbehalten habe10. Aber dann hören wir nichts mehr von der Sache, und Mozart war wieder um eine Enttäuschung reicher. Ganz übergangen wurde er ferner bei der Anwesenheit des Königs Ferdinand und der Königin Caroline von Neapel, die nach Wien gekommen waren (14. September), um die Doppelhochzeit ihrer Töchter Maria Theresia und Louise mit den Erzherzögen Franz und Ferdinand zu feiern (19. September). Der König, der außer für die Jagd11 nur für die Musik noch einigen Sinne hatte und selbst die Leier spielte, bekam am 15. September als neue OperWeigls »Caffetiera bizzarra« zu hören12; am 21. September erschien der Kaiser zum ersten Male mit ihm im Theater in Salieris »Axur«. Zur Feier der Vermählung selbst aber fand während der offenen Tafel im großen Redoutensaale auf der Galerie ein Konzert unter Salieris Leitung statt, worin die Cavalieri undCalvesi sowie die Gebrüder Stadler mitwirkten. Auch wurde[566] eine Sinfonie von Haydn aufgeführt, die der König auswendig kannte und laut mitsang. Haydn wurde ihm vorgestellt, von ihm nach Neapel eingeladen und mit Aufträgen beehrt13. Von Mozart war überhaupt nicht die Rede: er wurde nicht einmal aufgefordert, vor dem König zu spielen, was ihn tief kränkte14.

So wurde seine Lage immer trauriger. Die Kränklichkeit seiner Frau hielt an und machte im Sommer 1790 eine Kur in Baden bei Wien notwendig. Auch mit seinem Unterricht hatte er wenig Erfolg: im Mai 1790 hatte er nur zwei Schüler und mußte seine Freunde bitten, ihm behilflich zu sein, daß er es auf acht bringen könne. Der treue Puchberg half aus, wo er nur immer konnte, vermochte es aber doch nicht zu verhindern, daß Mozart in demselben Mai Wucherern in die Hände fiel und dadurch seine Lage noch mehr zerrüttete15. Auch die beiden neuen Quartette für Friedrich Wilhelm II., die im Mai und Juni entstanden (in B- und F-Dur, K.-V. 589, 590, S. XIV. 22, 23), mußte er »für ein Spottgeld hergeben, nur um Geld in die Hände zu bekommen«16. Sie waren außer der Bearbeitung von Händels »Cäcilienode« und »Alexanderfest« die einzigen Arbeiten, die sein Verzeichnis aus dem Jahre 1790 zwischen »Così fan tutte« und dem Dezember aufführt. Zu allem hin begann er selbst auch noch zu kränkeln und klagte im April und Mai über starke Kopf- und Zahnschmerzen. Dann ging es ihm wieder besser; im Juni dirigierte er eine Aufführung von »Così fan tutte«. Aber schon am 14. August schreibt er an Puchberg17:


So leidentlich als es mir gestern war, so schlecht geht es mir heute; ich habe die ganze Nacht nicht schlafen können vor Schmerzen: ich muß mich gestern von vielem Gehen erhitzt und dann unwissend erkältiget haben; stellen Sie sich meine Lage vor, krank und voll Kummer und Sorge – eine solche Lage verhindert auch die Genesung um ein merkliches. In 8 oder 14 Tagen wird mir geholfen werden – sicher – aber gegenwärtig habe ich Mangel. Könnten Sie mir denn nicht mit einer Kleinigkeit an die Hand gehen? – mir wäre für den Augenblick mitallem geholfen.


Kaum genesen faßte er in seiner Not den Plan zu einer neuen Kunstreise. Am 9. Oktober 1790 sollte die Kaiserkrönung Leopolds II. zu Frankfurt stattfinden. Salieri als Hofkapellmeister, Ign. Umlauf als Substitut und fünfzehn Kammermusiker wurden, als zum Gefolge des Kaisers gehörig, dorthin vorausgeschickt. Mozart ging auch diesmal leer aus. So beschloß er, allein hinzureisen, in der Hoffnung, bei dem Feste ebenfalls auf seine Kosten zu kommen. Sein Silberzeug mußte er zuvor freilich versetzen18, um das Reisegeld zu erhalten. Am 23. September reiste er mit seinem Schwager, dem Violinisten Franz Hofer19, den er gleichfalls an den erhofften Einnahmen teilnehmen lassen wollte, im eigenen Wagen ab und kam am 28. in Frankfurt[567] an, wo die Beiden wegen der Überfüllung mit Fremden nur mit Mühe unterkamen20. Über die Reise schreibt er Konstanze21:


In Regensburg speisten wir prächtig zu Mittag, hatten eine göttliche Tafelmusik, eine Englische Bewirtung und einen herrlichen Mosler-Wein. Zu Nürnberg haben wir gefrühstückt – eine häßliche Stadt. Zu Würzburg haben wir unsern theuern Magen mit Kaffee gestärkt, eine schöne, prächtige Stadt – die Zehrung war überall leidentlich – nur 2 und 1/2 Post von hier in Aschaffenburg beliebte uns der Hr. Wirth erbärmlich zu schmieren. – Ich warte mit Sehnsucht auf Nachricht von Dir, von Deiner Gesundheit, von unseren Umständen etc. – nun bin ich fest entschlossen meine Sachen hier so gut als möglich zu machen und freue mich dann herzlich wieder zu Dir. Welch herrliches Leben wollen wir führen, ich will arbeiten – so arbeiten – um damit ich durch unvermuthete Zufälle nicht wieder in eine so fatale Lage komme.

Meine Liebe (schreibt er am 30. September weiter), ich werde zweifelsohne gewiß etwas hier machen, so groß aber wie Du und verschiedene Freunde es sich vorstellen, wird es sicherlich nicht seyn. Bekannt und angesehen bin ich hier genug, das ist gewiß. Nun, wir wollen sehen ... Ich freue mich wie ein Kind wieder zu Dir zurück – wenn die Leute in mein Herz sehen könnten, so müßte ich mich fast schämen – es ist alles kalt für mich – eiskalt. Ja, wenn Du bey mir wärest, da würde ich vielleicht an dem artigen Betragen der Leute gegen mich mehr Vergnügen finden – so ist es aber so leer. Adieu, Liebe ...


Zunächst lebte Mozart in Frankfurt »ganz retiré« und arbeitete. Abends besuchte er das Theater, wo er verschiedene Bekannte traf, so den Hornisten Franz Lang und den »alten Wendling mit seiner Dorothé« aus Mannheim. Mit ziemlicher Unlust arbeitete er in jenen Tagen an einem »Adagio für den Uhrmacher«, er hoffte es erzwingen zu können, aber vergebens. »Ja wenn es eine große Uhr wäre und das Ding wie eine Orgel lautete, da würde es mich freuen; so aber besteht das Werk aus lauter kleinen Pfeifchen, welche hoch und mir zu kindisch lauten22.« Tatsächlich ist das Stück erst im Dezember fertig geworden (K.-V. 594).

Das ruhige Leben dauerte indessen nicht lange. Am 5. Oktober plante die kurmainzische Schauspielergesellschaft eine Aufführung des »Don Giovanni«, die freilich nicht zustande kam23. Aber auch sonst wollte man Mozart »überall haben«, und er mußte sich's gefallen lassen, sowenig es ihm behagte, sich »überall so begucken zu lassen«; stand doch seine Akademie vor der Türe. Zum Teil war er recht enttäuscht: »es ist alles Prallerey, was[568] man von den Reichsstädten macht ... die Leute sind hier noch mehr Pfenningfuchser als in Wien«24. Nur der Gräfin Hatzfeld und dem Schweitzerschen Hause glaubte er es zu verdanken, wenn sein Konzert Erfolg haben sollte25. Auch öffnete sich ihm das auf der Zeil gegenüber dem Gasthof zum Römischen Kaiser gelegene Haus des Arztes Dr. Joh. Friedr. Wilhelm Dietz, der zum Direktor des Stadttheaters, Hofrat Tabor, enge Beziehungen unterhielt und gegen Künstler große Gastfreundschaft übte. Mozart hat in diesem Hause viel verkehrt und auch musiziert26.

Nach Ablauf der Krönungsfeier, am 15. Oktober, fand sein Konzert im Stadttheater statt. Er berichtet darüber27:


Heut 11 Uhr war meine Academie, welche von Seiten der Ehre herrlich, aber in Betreff des Geldes mager ausgefallen ist. Es war zum Unglück ein groß Dejeuné bei einem Fürsten und großes Manöver von den hessischen Truppen, so war aber alle Tage meines Hierseyns immer Verhinderung. Die – – – kannst Du Dir nicht vorstellen – ich war aber ohngeacht diesem allem so gut aufgelegt, und gefiel so sehr, daß man mich beschwor, noch eine Academie künftigen Sonntag zu geben. – Montag reise ich dann ab.28


Das Programm des Konzerts enthielt nur Mozartsche Kompositionen; er spielte höchstwahrscheinlich die beiden Klavierkonzerte in F- und D-Dur (K.-V. 459 und 537)29. Als Sängerin trat Margarethe Schick geb. Hamel auf, die Mozart durch ihre Leistung zu dem begeisterten Wort hingerissen haben soll: »Nun will ich nicht weiter singen hören30.« Sonst wird noch erzählt, daß er mit dem altenBeecké31, den er hier wieder traf, ein vierhändiges Klavierkonzert32 und mit seinem Schwager Hofer ein »Duo concertante« für Klavier und Violine spielte. Der Kontrabassist Ludwig, der bei dem Konzert mitwirkte, wußte zu erzählen, wie der kleine, sehr lebendige und bewegliche Meister bei der Probe öfters von dem Flügel auf der Bühne über den[569] Souffleurkasten hinweg ins Orchester gesprungen und nach einer sehr lebhaften Unterhaltung mit den Musikern ebenso rasch wieder auf die Bühne geklettert sei. Mit dem Konzertmeister Hoffmann soll er sich näher befreundet und gewöhnlich des Abends mit ihm und anderen die Weinwirtschaft von Kran (in der Bleidenstraße, der kl. Sandgasse gegenüber) besucht haben. Hesse berichtet33, er habe in Frankfurt einen alten früheren Organisten der Katharinenkirche kennengelernt, der 1790 als Knabe der Schüler seines Amtsvorgängers gewesen war; dieser erzählte:


Eines Sonntags nach beendigtem Gottesdienste kommt Mozart auf das Orgelchor zu St. Katharina und bittet sich's bei dem alten Organisten aus, etwas auf der Orgel spielen zu dürfen. Er setzt sich auf die Bank und folgt dem kühnen Fluge seiner Phantasie, als ihn plötzlich der alte Organist in der unhöflichsten Weise von der Orgelbank stößt und zu dem Schüler sagt: merke dir diese letzte Modulation, welche Herr Mozart gemacht; das will ein berühmter Mann sein, und macht so grobe Verstöße gegen den reinen Satz?


Der Schüler hatte sich die Modulation gemerkt, und Hesse fand sie schön und nicht einmal ungewöhnlich.

Von Frankfurt aus besuchte Mozart auch Offenbach, wo er mit der Familie André in persönlichen Verkehr trat. Es darf vermutet werden, daß er wiederholt dort war,


das eine Mal aber, von welchem es konstatirt, und das hier gemeint ist, hatte es sich also gefügt, daß Mozart bei einem solchen Besuche allda eine heitere, ungezwungene Tanzgesellschaft antraf, und da an Tänzerinnen Mangel war, rasch entschlossen sich die schönste Falzerin der André'schen Notendruckerei engagirte, und mit dieser seinen Tanz machte. – – Diese »schönste Falzerin« aber rühmte sich ihr Lebenlang, daß der große Mozart sie einmal zum Tanze geholt habe, und durch ihre Tochter, welche später mit dem Einnehmer Becker am Kanalthor zu Hanau verheirathet war, kam die Sache wieder an den Tag34.


Spätestens am 17. Oktober wurde die Rückreise über Mainz angetreten, wo Mozart vor dem Kurfürsten von Erthal spielte, aber nur »magere 15 Carolin« erhielt35. Hier soll Tischbein das bekannte Porträt Mozarts gemalt haben, und zwar sogar für den Kurfürsten36; indessen liegen so gewichtige Gründe gegen die Identität dieses Bildes mit Mozart vor, daß diese Geschichte auf sich beruhen kann37, ebenso wie die angebliche Komposition der Arie »Io ti lascio«, die gar nicht von Mozart, sondern von Gottfried von Jacquin herrührt38.[570]

Bezüglich der Weiterreise schwankte Mozart zuerst zwischen Regensburg und Mannheim-München. Auch scheint ihn Konstanze wieder mit ihrer Eifersucht gequält zu haben, als sie von seinen vier Frankfurter Briefen längere Zeit keinen erhielt39.


Dann glaube ich zu bemerken, daß Du an meiner Accuratesse oder vielmehr an meinem Eifer zweifelst Dir zu schreiben, welches mich sehr schmerzet. Du sollst mich doch besser kennen – o Gott! liebe mich nur halb so wie ich Dich liebe, dann bin ich zufrieden.

P.S.40 Als ich die vorige Seite schrieb, fiel mir auch manche Thräne aufs Papier, nun aber lustig – fange auf – es fliegen erstaunlich viele Busserl herum ... was Teufel! ... ich sehe auch eine Menge ... ha! ha! ... ich habe drei erwischt – die sind kostbar! –


Die Entscheidung fiel schließlich für Mannheim, wo er mehrere Tage mit den früheren Freunden, soweit er sie noch vorfand, alte Erinnerungen auffrischte. Am 24. Oktober besuchte er Schwetzingen, »um den Garten zu sehen«, vor allem aber hielt ihn die Aufführung des »Figaro« an demselben Abend in Mannheim fest. Auch die Hauptprobe am 23. mußte er auf das Drängen des Personals mitmachen41. Der Schauspieler Backhaus notierte in seinem Tagebuch der Mannheimer Schaubühne: »Ich kam in große Verlegenheit mit Mozart. Ich sah ihn für einen kleinen Schneidergesellen an. Ich stand an der Thür, als wir Probe hielten. Er kam und fragte mich nach der Probe, ob man zuhören dürfe. Ich wies ihn ab. Sie werden doch dem Kapellmeister Mozart erlauben, zuzuhören? Jetzt kam ich erst recht in Verlegenheit42.« Der ehemalige Hoforganist an der Trinitatiskirche Schultz erinnerte sich noch als Achtzigjähriger mit Freude daran, wie Mozart, der bei seinem Vater verkehrte und mit ihm Orgel spielte, in der Probe des »Figaro« die langsamen Tempi des Kapellmeisters Fränzel rügte und lebhaftere angab43. Auch Hofrat André, der im Orchester mitgeigte, berichtet, er habe in der Probe klein und schmächtig ausgesehen, sei blaß von Gesichtsfarbe gewesen und habe hervorstechende Augen und eine große Nase gehabt44.

In München, wo er am 29. Oktober ankam und bei seinem alten Freunde Albert, dem Weinwirt zum Schwarzen Adler in der Kaufinger Gasse45, wohnte, wollte er nur einen Tag bleiben, wurde aber durch die Aufforderung des Kurfürsten zurückgehalten, in dem Konzert zu Ehren des Königs von Neapel zu spielen, der sich auf der Rückreise von Frankfurt zwei Tage in München aufhielt46. »Eine schöne Ehre für den Wiener Hof«, schreibt er,[571] »daß mich der König in fremden Ländern hören muß«. So konnte er sich auch den alten Münchner Freunden nach Herzenslust widmen47:


Daß ich mich mit den Cannabichschen, la bonne Ramm, Marchand und Brochard gut unterhalten und recht viel von Dir meine Liebe gesprochen wird, kannst Du Dir wohl einbilden. – Ich freue mich auf Dich, denn ich habe viel mit Dir zu sprechen; ich habe im Sinne zu Ende künftigen Sommers diese Tour mit Dir, meine Liebe, zu machen, damit Du ein anderes Bad besuchst, dabey wird Dir auch die Unterhaltung, Motion und Luftveränderung gut thun, so wie es mir herrlich anschlägt ... Verzeihe, wenn ich Dir nicht so viel schreibe, als ich gern möchte, Du kannst Dir aber nicht vorstellen wie das Gereiß um mich ist. – Nun muß ich zu Cannabich, denn es wird ein Concert probirt.


Nicht lange nach seiner Rückkehr kam Salomon aus London nach Wien und veranlaßte Haydn durch ein glänzendes Angebot, ihm dorthin zu folgen und für die Salomon-Konzerte eine Reihe von Kompositionen zu liefern48. Auch mit Mozart wurde vorläufig verabredet, daß er nach Haydns Rückkehr unter ähnlichen Bedingungen nach London kommen sollte. Kurz vorher war er schon durch O'Reilly, den Direktor der italienischen Oper in London, aufgefordert worden, dorthin zu kommen, bis Juni 1791 zu bleiben und wenigstens zwei Opern zu schreiben, wofür er 300 Pfd. Sterling erhalten sollte49. Daß er dieser Einladung nicht sofort folgte, ist leicht erklärlich; im folgenden Jahre aber verhinderten ihn seine Prager und Wiener Arbeiten. Wir kennen den schweren Abschied bereits, den er damals von seinem einzigen Freunde Haydn nahm50.

Sein Ziel, endlich einmal von Nahrungssorgen ungestört ganz der Arbeit leben zu können, hat er weder durch die Frankfurter Reise, noch durch seine anderen Finanzgeschäfte51 erreicht. Aber sein künstlerisches Schaffen ließ sich auf die Dauer nicht einengen. Im Gegenteil, es nahm nach der Pause[572] von 1790 gerade in den letzten zwölf Monaten seines Lebens noch einmal einen ungeahnten Aufschwung, als gälte es von der reichen Ernte vor Einbruch des Dunkels noch möglichst viel unter Dach zu bringen.

Den Beginn machte im Dezember 1790 das Quintett für 2 Violinen, 2 Bratschen und Cello in D-Dur, dem am 12. April 1791 ein gleiches in Es-Dur folgte (K.-V. 593, 614, S. XIII 7, 8). Beide sind, wie es in der Anzeige des Verlegers heißt, »auf eine sehr tätige Aneiferung eines Musikfreundes« geschrieben52, der ohne Zweifel mit diesem Auftrag Mozart in seiner bedrängten Lage beispringen wollte. Ob daneben auch noch Kammermusik für Bläser entstanden ist, steht nicht fest, ist aber wahrscheinlich, obgleich sie Mozart in seinem Verzeichnis nicht aufführt. Die Sammelausgaben für Harmoniemusik aber, die Verleger wie Simrock und Breitkopf veranstalteten, mischen Originalkompositionen und Bearbeitungen bunt durcheinander, so daß es sehr schwer ist, das Ursprüngliche herauszustellen. Die neueste Forschung53 rückt das kanonische Adagio in F-Dur für zwei Bassetthörner und Fagott sowie das Adagio inB-Dur für zwei Klarinetten und drei Bassetthörner in diese Zeit herab (K.-V. 410, 411, S.X. 15, 16), worauf bei jenem die reife Satzkunst, bei diesem der ganze Ausdruck hinzudeuten scheint. Ebenso offen bleibt die Frage bei den fünf Divertimenti für zwei Klarinetten und Fagott (S. XXIV. 62, vgl. K.-V. 229 Anh.), bei denen die Echtheit zudem nicht dokumentarisch feststeht54. Daß sie von Mozart sind, scheint freilich zweifellos, nur die Zeitbestimmung macht Schwierigkeiten. Der Ansatz zwischen 1783–1785 scheint reichlich früh, namentlich im Hinblick auf die ganze Haltung und den fortgeschrittenen Satz der Menuette, der eher auf die Zeit des »Don Giovanni« und der drei großen Sinfonien hinweist. Andererseits ist es nicht ausgeschlossen, daß Stücke aus verschiedenen Zeiten hier vereinigt sind. Sicher gehört dagegen in diese Zeit (23. Mai) das Adagio und Rondo in c-Moll für Harmonika55, Flöte, Oboe, Viola und Cello (K.-V. 617, S.X. 18) und wohl auch das kleine Adagio in C-Dur für Harmonika (K.-V. 356, S.X. 17). Beide Stücke sind wohl für die blinde Harmonikavirtuosin Marianne Kirchgäßner (geb. 1770), eine Schülerin Schmittbauers56, geschrieben, die bei ihrem Wiener Besuch 1791[573] Mozarts Teilnahme erregt hatte. Sie erntete mit der Mozartschen Komposition reichen Beifall57.

Weitere Kuriositäten für die heutige Zeit sind die Kompositionen »für ein Orgelwerk in einer Uhr«, das Adagio und Allegro in F, beendet im Dezember 179058 (K.-V. 594, S. XXIV. 27a, nur für vier Hände herausgegeben), die Phantasie in f-Moll vom 3. März 1791 (K.-V. 608, S.X. 19) und das F-Dur- Andante (K.-V. 616, S.X. 20) vom 4. Mai 1791. Dieses letzte Stück ist, wie auch die übrigen, im Auftrag des Grafen Deym (Pseudonym Müller) für das Müllersche Kunstkabinett auf dem Platz zum Stock im Eisen geschrieben59. Mit den späteren Übertragungen für Klavier hat Mozart nichts zu tun.

Am Anfang und am Ende dieser Periode steht je ein Konzert. Für sich selbst schrieb Mozart, offenbar zu einer Akademie60, sein letztes Klavierkonzert in B-Dur am 5. Jan. 1791 (K.-V. 595, S. XVI. 27) und zwischen dem 28. Sept. und 7. Okt. 1791 »für Herrn Stadler den Älteren«61 das A-Dur-Konzert für Klarinette und Orchester (K.-V. 622, S. XII. 20). Daneben geht während des ganzen Zeitraums wieder eine emsige Tätigkeit für die Ballfestlichkeiten des Hofes in Form von Tänzen her (s. oben)62.

Während die Klaviermusik nur noch durch einige Kleinigkeiten, wie das kleine Albumblatt für J. B. Cramer in Es-Dur (K.-V. 236, S. XXII. 15)63, dasD-Dur-Menuett (K.-V. 355, S. XXII. 6)64 und dieAcht Variationen über das Lied »Ein Weib ist das herrlichste Ding« (K.-V. 613, S. XXI. 15) vertreten ist, nimmt die Gesangsmusik, auch abgesehen von den beiden Opern und dem Requiem, einen breiteren Raum ein. Den Anfang machen die für eine Kinderliedersammlung bestimmten »Drei teutschen Lieder« (K.-V. 596–598, S. VII. 37–39) vom 14. Januar, dar unter das bekannte »Komm lieber Mai« (K.-V. 596); am 8. März folgte die Baßarie mit obligatem Kontrabaß und Orchester »Per questa bella mano«, ein Gelegenheitsstück für Gerl, den Darsteller des Sarastro, und den Kontrabaßvirtuosen Pischlberger (K.-V. 612, S. VI. 46), am 20. April der Schlußchor »Viviamo felici« für Sartis »Gelosie villane« (K.-V. 615, »für Dilettanti«, unbekannt geblieben), im Juli dieZiegenhagensche Kantate (K.-V. 619)65 und am 15. Nov. die »kleine Freimaurerkantate« (K.-V. 623)66. Noch wichtiger sind die geistlichen[574] Kompositionen, die sich jetzt nach langer Pause wieder einstellen und im Requiem gipfeln.

Da ist zunächst der von Streichquartett und Orgel begleitete motettenhafte Chor »Ave verum corpus« (K.-V. 618, S. III. 31) vom 17. Juni 1791 zu nennen. Mozarts Frau hatte, wie wir wissen67, im Sommer und Herbst 1790 in Baden die Kur gebraucht und ging im Sommer 1791, da sie sich bei vorgerückter Schwangerschaft sehr schlecht befand, mit ihrem Sohne Carl wieder dorthin. Dort hatte Mozart in dem Schullehrer und Regenschori Stoll einen eifrigen Verehrer gefunden, der ihm bei allerhand Besorgungen hilfreich zur Hand ging und 1791 für Konstanze eine kleine Wohnung bestellen sollte: »sie braucht nur 2 Zimmer oder ein Zimmer und ein Kabinettchen, das notwendigste aber ist, daß es zu ebener Erde seye.«68. Auch Stoll mußte sich, wie alle Leute seinesgleichen, Mozarts übermütige Laune gefallen lassen. Gleich der erste Brief an ihn schließt mit den Worten: »Das ist der dümmste Brief, den ich in meinem Leben geschrieben habe, aber für Sie ist er just recht«69, und der vom 12. Juli beginnt70:


Liebster Stoll!

Bester Knoll!

Größter Schroll!

Bist Sternvoll!

Gelt das Moll!

Tut Dir wohl!


Dafür half er ihm auch mit seinen Kirchenwerken aus und lieh ihm unter anderem seine Messen in B- und C-Dur (K.-V. 275, 317) zur Aufführung. Dabei kam es vor, daß die Solosopranistin sich Mozarts Anweisungen nicht fügen wollte. Er ersetzte sie kurzerhand durch seinen kleinen Liebling Antonia Huber, die 10–11 jährige Tochter eines v. Doblhoffschen Beamten in Baden und Stolls Schwägerin. Nach einer Woche eifrigen Studiums mit ihr war er mit ihr so zufrieden, daß er ihr nach der Aufführung zurief: »Brav, Tonerl, recht brav«, und ihr mit einem Kuß einen Dukaten gab. Ein anderes Mal sagte er zu ihr: »Tonerl, mach, daß du groß wirst, damit ich dich nach Wien mitnehmen kann71«. Ohne Zweifel hat Mozart bei einem Besuch in Baden auf Stolls Veranlassung auch das »Ave verum« komponiert, dem Texte nach vielleicht für den Fronleichnamstag72.

Konstanzes Abwesenheit, die wahrscheinlich bis 11. Juli dauerte73, hatte für Mozart ein ziemlich unruhiges und ungeordnetes Leben zur Folge, das aus seinen Briefen an sie sehr drastisch hervorgeht. Wir hören da von häuslichen[575] und geschäftlichen Ereignissen, von Arbeiten, musikalischen Aufführungen, neuen und alten Bekannten, und überall blickt die zärtlichste Sorge um das Wohlergehen Konstanzes hindurch. Unter den Personen und Familien, mit denen er lebhaft verkehrte, treffen wir neben den alten Bekannten auch neue an, wie Montecuculi74, die Familien von Schwingenschuh, Rehberg, Wildburg, mit denen die Beziehungen allerdings nur lose und oberflächlich waren. Wildburgs werden in Verbindung mit einem Kleide Konstanzes genannt75, Rehbergs scheint er überhaupt nicht besonders geschätzt zu haben76; sie wohnten nahe bei seinem alten Freunde Leutgeb. Den Schwingenschuhs besorgte er einmal eine Loge im Theater77 und warnt ein anderes Mal Konstanze, mit ihnen ohne ihn selbst »auf die Casino« zu gehen78. Den Mittag und Abend brachte er meist außer dem Hause, bei Freunden oder im Wirtshause zu; da er seinem Dienstmädchen, »der Lorl«, das »consilium abeundi« hatte geben müssen, so kam es vor, daß er mitunter auch bei Freunden, z.B. bei Leutgeb, schlief79. Das alles wird Konstanze mit der gewohnten guten Laune und Herzlichkeit, bisweilen sogar auf französisch, mitgeteilt:


»Mit unbeschreiblichem Vergnügen«, schreibt er am 7. Juni80, »habe Dein letztes vom 6ten erhalten und daraus ersehen, daß Du wohl und gesund bist – recht gescheut – daß Du aussetzest. O Gott! wie hätte es mich gefreut, wenn Du mit den Wildburgischen zu mir gekommen wärest! – ich hatte genug mit mir zu streiten, daß ich Dich nicht herein zu fahren hieße – allein ich scheuete die Unkosten. Aber auf diese Art wäre es charmant gewesen. Morgen früh 5 Uhr fahren wir 3 Wagen voll weg – ich hoffe also zwischen 9 und 10 in Deinen Armen all das Vergnügen zu fühlen, was ein Mann, der seine Frau so liebt wie ich, nur immer fühlen kann81...

Gestern speiste ich mit Süßmaiern bey der ungarischen Krone zu Mittag, weil ich noch um 1 Uhr in der Stadt zu thun hatte – S. früh speisen muß und die S., die mich gerne diese Tage einmal zu Mittage gehabt hätte, schon nach Schönbrunn engagirt war82. Heute weißt Du ohnehin, daß ich bei Schicaneder esse, weil Du auch darzu eingeladen warst. – Brief ist noch keiner von der Duschek da – werde aber heute noch nachfragen ...«


Der Brief ist wichtig, weil er zum ersten Male in diesen Tagen die bekannten Namen Süßmayers undSchikaneders nennt. Jener war, wie aus den Briefen ersichtlich ist, für ihn eine ähnliche Zielscheibe übermütiger Laune, wie etwa Leutgeb.[576]

Wie am 8., so besuchte Mozart die Seinigen noch mehrere Male in Baden, zuletzt am 10. Juli, um sie wieder nach Wien abzuholen; er war verdrießlich, als ihm am 12. Juni die Gelegenheit des Besuches verlorenging, da das auf den 13. Juni angesetzte Konzert Marianne Kirchgäßners83 unverhofft auf den 10. vorverlegt worden war. Er schrieb am 11. Juni84:


Criés avec moi contre mon mauvais sort! – Madselle Kirchgessner ne donne pas son Academie Lundi! – par consequent j'aurais pu vous posséder, ma chère, tout ce jour de Dimanche – mercredi je viendrai sûrement.

Ich muß eilen, weil es schon 3/4 auf 7 Uhr ist – und der Wagen geht um 7 Uhr – – Nimm Dich im Baad in acht daß Du nicht fallest, und bleibe nie allein – auch würde ich an Deiner Stelle einen Tag aussetzen, um das Ding nicht zu gähe anzupacken. Ich hoffe, es hat jemand diese Nacht bei Dir geschlafen. – Ich kann Dir nicht sagen, was ich darum geben würde, wenn ich anstatt hier zu sitzen bey Dir in Baaden wäre. – Aus lauter langer Weile habe ich heute von der Oper eine Arie componirt85 – ich bin schon um halb 5 Uhr aufgestanden ... Adieu – Liebe! – Heute speise ich bei Puchberg – ich küsse Dich 1000 mal und sage in Gedanken mit Dir: Tod und Verzweiflung war sein Lohn!


Die verdrießliche Stimmung nahm während des Tages noch zu.


»Warum«, schreibt er am 12.86, »habe ich denn ge stern Abends keinen Brief bekommen? Damit ich länger des Baades wegen in Aengsten leben muß? – dieses und noch etwas verdarb mir den ganzen gestrigen Tag; – ich war Vormittag bei N.N. und er versprach mir Parole d'honneur zwischen 12 und 1 Uhr zu mir zu kommen, um alles in Ordnung zu bringen. Ich konnte also deßwegen nicht bey Puchberg speisen, sondern mußte warten, – ich wartete – es schlug halb 3 Uhr, – er kam nicht, ich schrieb also ein Billet und schickte das Mensch zu seinem Vater, – ich gieng unterdessen zur ungarischen Krone, weil es überall zu spät war – sogar da mußte ich alleine essen, weil die Gäste alle schon fort waren – in den Aengsten, die ich Deinetwegen hatte und dem Unwillen des N.N. wegen, kannst Du Dir mein Mittagessen vorstellen, – hätte ich doch nur eine Seele gehabt zu einem kleinen Trost. – Für mich ist es gar nicht gut alleine zu seyn, wenn ich etwas im Kopf habe, – um halb 4 Uhr war ich schon wieder zu Hause – das Mensch war noch nicht zurück – ich wartete – wartete – um halb 7 Uhr kam sie mit einem Billet. – Warten ist gewiß allezeit unangenehm – aber noch viel unangenehmer wenn die Folge davon der Erwartung nicht entspricht – ich las lauter Entschuldigungen, daß er noch nichts bestimmtes hätte erfahren können, und lauter Betheuerungen, daß er mich gewiß nicht vergessen und ganz gewiß Wort halten würde, – ich gieng dann um mich aufzuheitern zum Kasperl in die neue Oper der Fagottist87, die so viel Lärm macht – aber gar nichts daran ist. – Im Vorbeigehen sah ich nach ob nicht Löbel88 im Kaffehause sey – aber auch nicht. – Zu Nacht esse ich (um nur nicht allein zu seyn) wieder bey der Krone, – da hatte ich doch wenigstens Gelegenheit zu reden – gieng dann gleich zu Bette – um 5 Uhr früh war ich wieder auf – zog mich gleich an – gieng zu Montecuculi – diesen traf[577] ich – dann zu N.N., der war aber schon ausgeflogen – mir ist nur leid, daß ich unverrichteter Sache wegen Dir nicht heute früh schreiben konnte – ich hätte Dir gerne geschrieben!

Nun gehe ich hinaus zu den Rehbergischen, zur großen Freundschaftstafel – hätte ich es nicht so feyerlich versprochen und wäre es nicht so äußerst unhöflich auszubleiben, so würde ich auch da nicht hinausgehen – doch was würde es mir auch nützen? – nun fahre ich auf Morgen weg von hier und zu Dir hinaus! – wenn nur meine Sachen in Ordnung wären! – wer wird nun anstatt meiner den N.N. stupfen? – wird er nicht gestupft, so wird er kalt – ich war nun alle Morgen bey ihm, sonst würde er nicht einmal das gethan haben.« –


Die Angelegenheit, die ihn in solche Unruhe versetzte, betraf offenbar wieder ein Darlehen, da er am 25. Juni Puchberg die Rückzahlung von 2000 fl. in Aussicht stellt89. Der Unbekannte scheint ihm auch weitere Hoffnung gemacht zu haben, wie er nach einem neuerlichen Besuch in Baden erfuhr, und nun kam die alte Laune wieder zum Vorschein.


Heute (schreibt er am 25. Juni90) machte ich dem N.N. eine Überraschung – ich gieng zuerst zu den Rehberg'schen – und da schickte die Frau eine Tochter hinauf, ihm zu melden, daß ein alter guter Bekannter aus Rom da sey – er wäre schon alle Häuser durchlaufen, und hätte ihn nicht finden können! – er schickte zurück ich möchte nur ein wenig warten, unterdessen legte sich der arme Mann an, wie an einem Sonntag. Das schönste Kleid und prächtig frisiert – Du kannst Dir vorstellen, wie wir ihn dann auslachten, ich muß halt immer einen Narren haben – ist es N.N. nicht, so ist es N.N. und Snai91... Dem Süßmayer werde ich mündlich antworten – mir ist leid ums Papier ... Morgen werde ich mit einer Kerze in der Hand in der Josephsstadt mit der Procession gehen! Snai! – Vergiß meine Ermahnungen wegen Morgen- und Abendluft – wegen zu langem Baaden nicht – an Graf und Gräfin Wagensperg meine Empfehlung. – –


Ende des Monats Juni war er wieder in Baden; im Juli aber wird der Briefwechsel mit Konstanze besonders lebhaft, so daß wir fast von jedem Tage einen Brief haben. Seine größte Sorge war, Konstanze könnte sich bei ihrem Zustande durch allzu häufiges und langes Baden Schaden tun. Daneben erfahren wir auch einiges über den Fortgang der Arbeit an der »Zauberflöte«. So läßt er am 2. Juli Süßmayer, dem »dalketen Buben«, sagen, er solle ihm vom ersten Akt, von der Introduktion an bis zum Finale seinen Spart schicken, damit er instrumentieren könne92. Auch von dem Gelingen jenes Geschäfts hofft er das Beste (3. Juli), speist bei Puchberg und Schikaneder »mit dem Obristlieutenant, der auch im Antoni Baad ist«93 und schickt seiner Frau Geld zur Bezahlung des Bades, zuerst 3, dann 25 fl. (4. und 5. Juli)94. An diesem Tage ließ er noch einen längeren Brief folgen, der seiner Sehnsucht nach Ruhe und nach der Gegenwart seiner Frau einen warmen Ausdruck verleiht95:


[578] Ich hoffe Dich Samstag [den 9. Juli] umarmen zu können, vielleicht eher, sobald mein Geschäft zu Ende ist, so bin ich bey Dir – denn ich habe mir vorgenommen, in Deinen Armen auszuruhen; – ich werd' es auch brauchen – denn die innerliche Sorge, Bekümmerniß und das damit verbundene Laufen mattet einen doch ein wenig ab. Das letzte Paquet habe auch richtig erhalten und danke Dir dafür! – Ich bin so froh, daß Du nicht mehr badest, daß ich es Dir nicht sagen kann – mit einem Wort mir fehlt nichts als – Deine Gegenwart – ich meine ich kann es nicht erwarten; ich könnte freylich Dich nun ganz hereinlassen, wenn meine Sache zu Ende ist – allein – ich wünschte doch noch ein par schöne Tage bei Dir in Baaden zu verleben. – N.N. ist nun bey mir und sagt ich soll es mit Dir so machen – er hat einen gusto auf Dich, und glaubt fest, Du müßtest es spühren.

Was macht denn mein zweyter Narr? – mir thut unter den 2 Narren die Wahl wehe! – als ich gestern Abends zur Krone kam, so fand ich den englischen Lord ganz abgemattet da liegen, weil er noch immer auf den Snai wartet. – Heute, als ich zum Wetzlar gieng, sah ich ein paar Ochsen an einen Wagen angespannt, und als sie zu ziehen anfiengen, machten es die Ochsen mit dem Kopf accurat so, wie unser närrischer N.N. – Snai! ... Der Carl soll sich gut aufführen, so werd ich vielleicht seinen Brief beantworten.


Auch am 6. Juli ist das rätselhafte Geschäft noch nicht abgeschlossen96.


Eben jetzt wird Blanchard entweder steigen – oder die Wiener zum 3ten male foppen. Die Historie mit Blanchard ist mir heute gar nicht lieb – sie bringt mich um den Schluß meines Geschäftes – N.N. versprach mir, bevor er hinausführe, zu mir zu kommen, – kam aber nicht, – vielleicht kömmt er wenn der Spaß vorbey ist, – ich warte bis 2 Uhr, dann werfe ich ein Bischen Essen hinein – und suche ihn aller Orten auf. – Uns ist ein nicht gar angenehmes Leben. – Gedult! es wird sich schon bessern, ich ruhe dann in Deinen Armen aus! Ich danke Dir für Deinen Rath, mich nicht ganz auf N.N. zu verlassen, aber in dergleichen Fällen muß man nur mit einem zu thun haben – wendet man sich an zwei oder drei – und das Geschäft geht überall – so erscheint man bey den andern, wo man es dann nicht annehmen kann, als ein Narr oder unverläßlicher Mann. –

Nun kannst Du mir aber kein größeres Vergnügen machen, als wenn Du vergnügt und lustig bist – denn wenn ich nur gewiß weiß, daß Dir nichts abgeht – dann ist mir alle meine Mühe lieb und angenehm, – denn die fataleste und verdrehteste Lage, in der ich mich immer befinden könnte, wird mir zur Kleinigkeit, wenn ich nur weiß, daß Du gesund und lustig bist – und nun lebe recht wohl – benutze Deinen Tischnarren – denkt und redet oft von mir – liebe mich ewig wie ich Dich liebe, und sey ewig meine Stanzi Marini, wie ich ewig sein werde

Dein

Stu! Knaller paller

Schnip – schnap – schnur

Schnepeperl –

Snai! –


Gieb dem N.N. eine Ohrfeige, und sag Du hättest eine Fliege todt schlagen müssen, die ich sitzen gesehen hätte! adieu – paß auf – fang auf – br – br – br 3 Busserln, zuckersüße fliegen daher!
[579]

Am 7. Juli97 berichtet er von der großen Mühe, die es ihm mache, »den N.N. nicht echappieren zu lassen«; alle Tage früh um sieben Uhr sei er schon bei ihm. Dann kommt er wieder auf Blanchard zu sprechen, den er nicht besucht habe, neckt seinen »Sauermayer« ein wenig und fährt dann fort:


Nun wünsche ich nichts mehr, als daß meine Sachen schon in Ordnung wären, nur um wieder bey Dir zu seyn, Du kannst nicht glauben, wie mir die ganze Zeit her die Zeit lang um Dich war! – ich kann Dir meine Empfindung nicht erklären, es ist eine gewisse Leere – die mir halt wehe thut, – ein gewisses Sehnen, welches nie befriediget wird, folglich nie aufhört – immer fortdauert, ja von Tag zu Tag wächst; – wenn ich denke wie lustig und kindisch wir in Baaden beysammen waren – und welch traurige, langweilige Stunden ich hier verlebe – es freuet mich auch meine Arbeit nicht, weil, gewohnt bisweilen auszusetzen und mit Dir ein paar Worte zu sprechen, dieses Vergnügen nun leider eine Unmöglichkeit ist – gehe ich ans Klavier und singe etwas aus der Oper98, so muß ich gleich aufhören – es macht mir zu viel Empfindung – Basta! – wenn diese Stunde meine Sache zu Ende ist, so bin ich schon die andere Stunde nicht mehr hier ...


Der letzte Brief vom 8. Juli gibt der Wiedersehensfreude humorvollen Ausdruck, wenn die Besorgnis wegen des Geschäftes auch noch hindurchklingt99:


Deinen Brief vom 7ten sammt Quittung über die richtige Bezahlung, habe richtig erhalten; nur hätte ich zu Deinem Besten gewunschen, daß Du einen Zeugen mit hättest unterschreiben lassen, – denn wenn N.N. nicht ehrlich seyn will, so kann er Dir heute oder Morgen noch in Betreff der Aechtheit und des Gewichtes einige Angelegenheit machen; – da bloß Ohrfeige steht, so kan er Dir unvermutet eine gerichtliche Forderung über eine derbe oder tüchtige oder gar aggio Ohrfeige überschicken – was willst Du dann machen? Da soll dann augenblicklich bezahlt werden, wenn man oft nicht kann! Mein Rath wäre Dich mit Deinem Gegner gütlich zu vergleichen und ihm lieber ein paar derbe 3 tüchtige und 1 aggio Ohrfeige zu geben, auch mehrere noch, so im Falle er nicht zufrieden sein sollte, denn ich sage, mit Gutem läßt sich alles richten, ein großmüthig und sanftmüthiges Betragen hat schon öfters die ärgsten Feinde versöhnt ...

Liebstes Weibchen ich hoffe Du wirst mein gestriges Schreiben richtig erhalten haben; nun kommt die Zeit, die glückliche Zeit unseres Wiedersehens immer näher, habe Geduld, nur muntre Dich soviel möglich auf. Du hast mich durch Dein gestriges Schreiben ganz niedergeschlagen, sodaß ich fast wieder den Entschluß faßte, unverrichteter Sache hinaus zu fahren, und was hätten wir dann davon? – daß ich gleich wieder herein müßte oder daß ich anstatt vergnügt, in Ängsten leben müßte; in ein paar Tagen muß die Geschichte ein Ende nehmen – Z.100 hat es mir zu ernstlich und feyerlich versprochen – dann bin ich gleich bey Dir. Wenn Du aber willst, so schicke ich Dir das benöthigte Geld, Du zahlst alles und kommst herein! – mir ist es gewis recht; – nur finde ich daß Baaden in dieser schönen Zeit noch sehr angenehm für Dich seyn kann und nützlich für Deine[580] Gesundheit, die prächtigen Spaziergänge betreffend. – Dieses mußt Du am besten fühlen; – findest Du, daß Dir die Luft und Comotion gut anschlägt, so bleibe noch – ich komme dann Dich abzuholen, oder Dir zu gefallen noch etliche Tage zu bleiben – oder wie gesagt wenn Du willst, so kommst Du morgen herein; schreibe es mir aufrichtig. – Nun lebe recht wohl, liebste Stanzi Marini! – Ich küsse Dich millionenmal und bin ewig Dein

Mozart.


Schließlich ist er seiner ursprünglichen Absicht gemäß am 9. nach Baden gegangen, hat dort am 10. seine B-Dur-Messe aufgeführt und ist am 11. mit den Seinigen nach Wien zurückgekehrt101.

Die Briefe erwähnen bereits öfters Schikaneder und die »Zauberflöte«. Auch die obengenannte Kontrabaßarie weist auf diesen Kreis hin, denn Pischlberger sowie Frarnz Gerl und dessen Frau, geb. Reisinger, gehörten der Schikanederschen Gesellschaft an. Frau Gerl soll übrigens nach zeitgenössischen Berichten durch ihre Reize Mozart völlig in ihre Netze gezogen haben. Jedenfalls bestand zwischen ihm und dem Unternehmen Schikaneders ein lebhafterer Verkehr, der auch für seine Kunst folgenschwer werden sollte.

Joh. Emanuel Schikaneder102, ist im Jahre 1751 zu Regensburg in den dürftigsten Verhältnissen geboren. Als Jüngling schlug er sich als vagierender Musikant (»Lyrant«) durch die Welt, trat dann 1773 einer wandernden Schauspielertruppe, wahrscheinlich derSchopfschen, bei, deren Vorstellungen er in Augsburg angewohnt hatte, und wirkte hier nicht bloß als Schauspieler, sondern auch als Sänger und bald als Regisseur mit. 1776 heiratete er seine Kollegin Eleonore Ardt (Arth) und trat mit ihr zur Moserschen Truppe über, deren Direktion er 1778 übernahm. Damit begann ein ebenso bewegtes wie ruhmreiches Wanderleben, das ihn in den nächsten zehn Jahren nach Schwaben, Bayern, Steiermark, Kärnten, Krain und auch zweimal nach Wien führte. Seine Truppe gehörte damals mit Recht zu den angesehensten in ganz Deutschland, denn sie brachte stets Shakespeare – Schikaneder selbst war ein viel gerühmter Hamlet –, Lessing und Goethes und Schillers erste Dramen, in der Oper aber Gluck, Mozart, Haydn und zahlreiche deutsche Singspiele. Außerdem entfaltete Schikaneder eine reiche Tätigkeit als Dichter und Bearbeiter und legte gerade dabei eine fast unglaubliche, allerdings in ihren Mitteln wenig wählerische Erfindungsgabe an den Tag, wenn es galt, auf das große Publikum zu wirken. So ließ er in Salzburg, wo er mit seiner Truppe vom 17. Sept. 1780 bis Fasten 1781 gastierte103, in einer Aufführung von Törrings »Agnes Bernauerin« zum allgemeinen Jubel nicht die unschuldige Agnes, sondern den bösen Vizedom ertränken. In Graz aber spielte er Möllers »Grafen von Walltron« im Freien in einem Lager von 200 Zelten, mit berittenen Offizieren und einem wirklichen[581] Reisewagen der Gräfin. Alle diese Erfolge machten ihn zu einem wohlhabenden Manne, bis in Preßburg sein Stern zu erbleichen begann. Seine Vorstellungen verloren ihre Zugkraft, und eine Vogelkomödie, deren Helden eine Gans und lauter Hühner waren, gab ihm durch ihren Mißerfolg den Rest; er mußte seine Truppe auflösen und begab sich im Herbst 1784 mit wenigen Getreuen nach Wien, wo es ihm gelang, für seine Aufführungen deutscher Singspiele im Kärntnertortheater die Teilnahme Josephs II. zu erregen. Aber auch diese Herrlichkeit dauerte nicht lange. Infolge von Liebesgeschichten löste sich die Truppe auf, und Schikaneder war froh, vom 1. April 1785 bis 28. Febr. 1786 als Schauspieler am Nationaltheater unterzukommen, wo er sich infolge von Mißerfolgen in ernsten Rollen bald fast ganz auf die komischen beschränkte. Allein in dieser untergeordneten Stellung hielt es der unruhige Mann nicht lange aus. Nach erneuten Irrfahrten erhielt er 1787 die Theaterleitung in seiner Vaterstadt Regensburg, wo er durch unerhörte Spektakelvorstellungen alle seine bisherigen Leistungen noch weit überbot104. Das wurde schließlich dem Publikum und namentlich der Kritik zuviel. 1788 war seine Stellung in Regensburg unhaltbar, und Anfang 1789 zog er mit seiner ganzen Truppe abermals nach Wien. Dort hatte seine Frau, von der er sich infolge ihres Liebesverhältnisses mit dem SchauspielerJoh. Friedel schon 1786 getrennt hatte, mit diesem 1788 das 1787 neu erbaute Theater im Starhembergschen Freihause auf der Wieden übernommen. Friedel trennte sich indessen schon bald darauf von seiner Genossin und starb 1789. Da sprang der gewandte Schikaneder ein, versöhnte sich mit seiner Frau und wurde am 1. April 1789 Mitdirektor des »k.k. privilegierten Theaters im Freihause auf der Wieden« und damit der Hauptkonkurrent Marinellis und seines Theaters in der Leopoldsstadt. Mit gewohnter Anpassungsfähigkeit wurde er hier sehr bald dergestalt zum Wiener, daß er der weiteren Entwicklung des dortigen Volkstheaters seinen Stempel aufdrücken konnte. Er traf den aus Naivität, Sentimentalität und Ironie gemischten Wiener Volkston ganz ausgezeichnet, und auch auf den Wiener Lokalpatriotismus verstand er sich wie kein zweiter. Schließlich gelang es ihm sogar, dem Marinellischen Kasperl in dem von ihm in sieben Possen geschaffenen »Dummen Anton« einen erfolgreichen Konkurrenztypus gegenüberzustellen. Seinen Leuten aber, die er stets als seine »Kinder« bezeichnete, war er ein ausgezeichneter Prinzipal, der sich namentlich auch der Anfänger annahm; der weibliche Teil freilich mußte bei seinem entzündlichen Herzen stets auch auf außerkünstlerische Annäherungsversuche gefaßt sein. So war dieser merkwürdige Mann ein echter Sohn seiner Zeit, in der Schwindler und geniale Naturen so nahe beieinanderwohnten. Seine Bildung war kaum den Künsten des Schreibens und Rechnens gewachsen, sein Charakter besaß alle Eigenschaften des geborenen Vagabunden, Gutmütigkeit,[582] schlagfertigen Mutterwitz, Renommistentum und eine unglaubliche moralische Skrupellosigkeit, die er doch immer wieder mit Anmut und Humor zu verdecken verstand. Mit einem unleugbaren Geschäftssinn verband er eine starke Verschwendungssucht und den Hang zu großartigem Auftreten, so daß ihm sein Reichtum immer wieder unter den Händen zerrann. Sein flottes Leben und seine Gastereien imponierten nichtsdestoweniger den Wienern ebensosehr wie seine zahlreichen Liebschaften105. Und doch war Schikaneder als Künstler trotz all seinen Entgleisungen weit mehr als ein Schmierendirektor gewöhnlichen Schlages. Er verstand, mozartisch gesprochen, das Theater wie kein zweiter und hatte das nicht bloß einer ungewöhnlichen Routine zu verdanken, sondern seinem angeborenen genialen Blick für alles Bühnenwirksame, mit dem er vielen weit gebildeteren Dichtern hoch überlegen war. Das zeigt sich namentlich in seinen Opernbüchern; die »Zauberflöte« ist der beste Beleg dafür.

Das Freihaustheater, das ihm eine solche Berühmtheit verdankt, hatte die Form einer rechteckigen Kiste, war aus Holz erbaut und nicht größer als das Josephstädter Theater106.

In Wien erneuerte Schikaneder die alte Bekanntschaft mit Mozart, dessen Schwägerin Josepha Hofer bald nach ihrer Verheiratung (1788) in den Verband seiner Truppe eintrat107. Sie hat hier die Mozartsche Einlage in Paisiellos »Barbier« (s.o.) gesungen. Dagegen ist das Duett »Nun, liebes Weibchen, ziehst mit mir«, das Mozart für Schikaneders »Stein der Weisen« am 11. September 1790 komponiert haben soll (K.-V. 625, S. VI. 47), zum mindesten zweifelhaft; es ist ein durchaus bescheidenes Stück im Stile der zeitgenössischen Komik, das man Mozart nur ungern zutraut. Noch enger wurden die Bande zwischen ihm und Schikaneder durch dessen Eintritt in Mozarts Freimaurerloge »Zur gekrönten Hoffnung im Orient in Wien«. Der einflußreiche Orden schien ihm offenbar zur Förderung seines Unternehmens besonders geeignet.

In einem Augenblick dringender Geldverlegenheit wandte er sich im Frühjahr 1791 – wie es heißt, am 7. März – an Mozart und stellte ihm vor, daß er sich ohne ein neues Zugstück nicht mehr halten könne108; er habe einen ausgezeichneten Stoff zu einer Zauberoper entdeckt, der für Mozart wie geschaffen sei. Dessen angeborene Hilfsbereitschaft, namentlich einem Ordensbruder gegenüber, sein unwiderstehlicher Drang zur Oper und, wie es heißt, auch die Fürsprache der Mad. Gerl bestimmten ihn zuzusagen, freilich[583] mit dem Vorbehalt: »Wenn wir ein Malheur haben, so kann ich nichts dazu, denn eine Zauberoper habe ich noch nicht komponiert.« Schikaneder teilte ihm darauf den ersten Entwurf der »Zauberflöte« mit, und da er seine Saumseligkeit im Schreiben kannte, so räumte er ihm, um ihn besser unter Aufsicht zu halten, das kleine Gartenhaus auf dem Hofe des Freihauses dicht neben dem Theater ein109. Hier und in Josephsdorf auf dem Kahlenberg (wo man im Kasino noch sein Zimmer zeigte)110 ist der größte Teil der Oper entstanden. Ihren Spuren sind wir bereits in den Briefen vom 11. Juni und 7. Juli begegnet; am 2. hatte Mozart die Absicht, an die Instrumentation des im Entwurfe bereits fertigen ersten Aktes zu gehen111. Im Juli war die Arbeit so weit vorgerückt, daß er die Oper als wesentlich vollendet in sein Verzeichnis eintragen konnte. Die Proben wurden schon begonnen, als in der Partitur nur die Singstimmen mit dem Baß standen; wie gewöhnlich sollte die Instrumentation erst später ausgeführt werden. Da erfolgte durch die Aufträge des Requiems und des »Titus« eine Unterbrechung der Arbeit, anscheinend bis zum September. Der Chor »O Isis und Osiris«, die Papagenolieder und das zweite Finale sollen nach dem 12. September geschrieben sein112; am 28. September, also zwei Tage vor der Aufführung, vollendete Mozart als letzte Stücke die Ouvertüre und den Priestermarsch. Über das Zusammenarbeiten des Dichters und des Komponisten ist schon viel gefabelt worden. Das Lied »Ein Mädchen oder Weibchen« soll Mozart sogar nach mehreren Versuchen aus einer ihm von Schikaneder vorgebrummten Melodie eigener Erfindung hergestellt haben, und ebenso soll dieser die Musik der Duette »Bei Männern, welche Liebe fühlen« und »Papageno« mehr oder minder entscheidend beeinflußt haben. Allein jene Liedmelodie beruht auf altem deutschen Volksgut113, und die beiden Duette sind so unverfälscht mozartisch, daß jeder Anteil Schikaneders an der Musik, wenn je ein solcher überhaupt vorhanden war, daneben völlig verschwindet. Dazu kommt folgendes Billett Schikaneders114:


Lieber Wolfgang! Derweilen schicke ich Dir Dein Pa-Pa-Pa zurück, das mir ziemlich recht ist. Es wirds schon thun. Abends sehen wir uns bei den bewußten beweisen. –

Dein E. Schikaneder.


Das klingt nicht, als hätte sich Mozart unter allen Umständen seinem Dichter gefügt. Gewiß war dieser darauf bedacht, eine gute und dankbare Rolle für sich zu bekommen. Seine Baßstimme war zwar weder stark noch[584] besonders geschult, aber er vermochte diese Mängel durch sein musikalisches und mimisches Talent mehr als auszugleichen. Aber das Entgegenkommen Mozarts hatte doch auch seine Grenzen. Man wird sich die Entstehung der »Zauberflöte« überhaupt nicht so vorstellen dürfen, als hätte der Dichter seinen Musiker mit dem fertigen Buche überrascht, sondern zunächst hat er ihm wohl nur den Stoff mitgeteilt, dann wurde, höchstwahrscheinlich gemeinsam, der »Plan« entworfen, auf den Mozart ja stets besonderen Wert legte115, und schließlich ging Schikaneder, nach wie vor in enger Fühlung mit Mozart, an die Ausführung. Dieses unausgesetzte Zusammenarbeiten, das in dieser Ausdehnung bei keiner früheren Oper Mozarts ein Seitenstück hat, ist dem Ganzen nur zugute gekommen. Es war aber auch ganz nach Mozarts Sinne. Hier hatte er wirklich den lang vermißten Dichter gefunden, der, wenn irgendeiner, »das Theater verstand und selbst etwas anzugeben imstande war«116. Die weiteren Schicksale des Textes bis zu seiner Vollendung werden uns später zu beschäftigen haben.

Inzwischen tat Schikaneder auch äußerlich alles, um seinen Meister bei guter Laune zu erhalten. Er lud den Vereinsamten öfters zu Tische ein, wo es jederzeit hoch herging, und machte ihn mit seiner lockeren Gesellschaft bekannt, zu der auch jener Klarinettist Stadler unrühmlichen Angedenkens gehörte. Mozart ist dabei gewiß kein Spielverderber und nach seiner Art jedenfalls diesem Kreise höchst willkommen gewesen.117 Aber zu den später ausgesprengten Gerüchten von seiner Völlerei und Liederlichkeit118 lag nicht der geringste Grund vor. Das beweisen allein seine oben angeführten Briefe an Konstanze mit ihrer Sehnsucht nach Frau und Familie und ihrem Gefühl der Leere und Verlassenheit, das keine Schikanedersche Orgie zu bannen vermochte. Hatten ihn doch auch Kränklichkeit und Sorgen in jenen Tagen immer ernster gestimmt.

Während der Arbeit an der neuen Oper meldete sich auch sein alter Dichter da Ponte wieder bei ihm mit dem Vorschlag, ihn nach London zu begleiten und dort bei der italienischen Oper tätig zu sein. Mozart war nicht abgeneigt, verlangte aber bis zur Vollendung und Aufführung der »Zauberflöte« einen Aufschub von einem halben Jahr, worauf sich jener nicht einlassen konnte119.

Im Juli erhielt er einen anderen, merkwürdigen Besuch. Es erschien ein unbekannter Bote, ein langer, hagerer Mann in grauer Kleidung, eine höchst auffallende Erscheinung, mit einem anonymen Brief, der unter schmeichelhafter Anerkennung seiner Leistungen die Frage enthielt, ob und um welchen Preis er eine Totenmesse schreiben wolle, und in welcher Zeit er sie vollenden könne. Mozart zog seine Frau zu Rate und gestand ihr seine Bereitwilligkeit, den Auftrag anzunehmen. Drängte es ihn doch schon geraume Zeit, sich wieder auf dem Gebiet der Kirchenmusik zu betätigen, wie er sich ja auch bereits dem Kaiser Leopold II und dem Wiener Magistrat als Kirchenkomponist[585] in empfehlende Erinnerung gebracht hatte120. Zudem waren die kirchenmusikalischen Neuerungen Josephs II. abgeschafft und die alte Form der Liturgie wieder eingeführt worden121. Konstanze redete ihm zu, und so ging Mozart auf das Angebot ein und verlangte 50 (nach andern 100) Dukaten; an eine bestimmte Frist wollte er sich dagegen nicht binden. Darauf kehrte der Bote wieder und überbrachte die verlangte Summe sowie das Versprechen einer Zulage für die fertige Arbeit; die Art der Ausführung sollte Mozart ganz allein überlassen bleiben, nur sollte er sich keine Mühe geben, den Besteller zu erfahren, da ihm das doch nicht gelingen würde.

Nach Mozarts Tode ist dieses Geheimnis völlig aufgeklärt worden. Graf Franz v. Walsegg zu Stuppach wollte das Andenken seiner am 14. Februar 1791 verstorbenen Gattin Anna Edlen von Flammberg feiern und bestellte zu diesem Zwecke durch seinen Verwalter Leutgeb das Requiem. Er war ein großer Musikfreund, ein guter Flötist und mittelmäßiger Cellist, und hielt jeden Dienstag und Donnerstag Quartettaufführungen, Sonntags sogar Theater bei sich, woran er sich mit seiner Familie und Dienerschaft lebhaft beteiligte122. Er hatte aber auch die Laune, für einen Komponisten gelten zu wollen, und bestellte z.B. bei verschiedenen Komponisten, stets anonym, gegen gute Bezahlung Quartette123, schrieb sie dann selbst ab und ließ aus seiner Abschrift die Stimmen ausschreiben. Bei der Aufführung ließ er den Komponisten erraten, und die Mitspielenden taten ihm auch immer den Gefallen, wider besseres Wissen seinen Namen zu nennen, was er dann mit einem Lächeln des Einverständnisses entgegenzunehmen pflegte. Der Fall steht übrigens beim hohen Adel keineswegs vereinzelt da124. So erklärt sich die geheimnisvolle Bestellung des Requiems. Auch von ihm nahm der Graf eigenhändig eine Abschrift in Hochfolio (mit dem Titel »Requiem composto del conte Walsegg«) und ließ darnach die Stimmen ausschreiben; auch dirigierte er die Aufführung am 14. Dezember 1793 persönlich.

Ehe Mozart diese Arbeit noch ernstlich fördern konnte, erhielt er Mitte August einen neuen Auftrag, der keinen Aufschub duldete; zu der bevorstehenden Krönung Leopolds II. zum böhmischen König in Prag die Festoper zu schreiben. Noch einmal trug das große Ansehen Mozarts bei den Pragern seine Früchte. Die böhmischen Stände beauftragten ihn auf Guardasonis Empfehlung mit der Komposition des von ihnen gewählten Textes »La Clemenza di Tito« von Metastasio, der schon so manches fürstliche Huldigungsfest verschönt hatte. Freilich war höchste Eile geboten, denn aus[586] unbekannten Gründen125 erreichte der Auftrag Mozart sehr spät, und da die Krönung am 6. September stattfinden sollte, blieben ihm nur ein paar Wochen übrig. Nach den allernötigsten Vorbereitungen reiste Mozart, diesmal mit Konstanze, nach Prag ab. Als sie eben in den Reisewagen steigen wollten, stand der unbekannte Bote wieder da, zupfte Konstanze am Rock und fragte, wie es nun mit dem Requiem aussehen würde. Mozart entschuldigte sich mit seiner Zwangslage und der Unmöglichkeit, den ihm unbekannten Besteller zu benachrichtigen, versprach aber, das Requiem sofort nach seiner Rückkehr in Angriff zu nehmen, falls er bis dahin Frist erhielte; der Bote erklärte sich damit einverstanden.

Schon während der Reise arbeitete Mozart an der Oper, skizzierte im Wagen und führte abends im Wirtshaus aus. Er muß für die Partie des Sesto einen Tenor vorausgesetzt haben, wie die beiden Skizzen (Notenbeil. IX. 1, 2) beweisen; erst in Prag selbst erfuhr er die endgültige Besetzung. Hier wurde mit dem gleichen Eifer weitergearbeitet, so daß das Ganze in 18 Tagen vollendet und einstudiert war126. Als Hilfskraft hatte er seinen jungen Freund und SchülerFranz Süßmayer mitgenommen. Dieser soll die Seccorezitative geschrieben haben, ein Brauch, der übrigens auch in Italien öfter vorkam127; tatsächlich fehlen diese Partien in der Originalpartitur128. Dagegen ist die Behauptung irrig, Süßmayer habe auch die Arien der Servilia, des Annio und Publio komponiert und noch andere Stücke instrumentiert129; denn fast alle Stücke sind ganz von Mozarts Hand geschrieben erhalten130. Am 2. September wurde auf Befehl des Kaisers und in Anwesenheit der Majestäten und des Hofstaates der »Don Giovanni«, vielleicht unter Mozarts Leitung, aufgeführt131, dann folgte am Krönungstage (6. September) nach der Tafel die neue Oper unter größtem Prunk132 im Nationaltheater in folgender Besetzung133:
[587]

Tito Vespasiano, imperator di RomaSgre. Baglioni.

Vitellia, figlia del imperator VitellioSgra. Marchetti-

Fantozzi.

Servilia, sorella di SestoSgra. Antonini.

Sesto, amico di TitoSgra. Car. Perini.

Annio, amico di SestoSgre. Bedini.

Publio, prefetto del pretorioSgre. Campi.


Der Erfolg war mäßig. Die Kaiserin soll die Musik als eine »porcheria tedesca« bezeichnet haben, und auch dem Publikum gefiel die Oper wenig, was der treue Niemetschek mit der allgemeinen Feststimmung erklärt, die die Leute am Genuß dieser Schönheiten verhindert habe134. Es war Mozarts erster Mißerfolg in Prag, über den ihn auch sein Honorar von 200 Dukaten nicht zu trösten vermochte135. Er war zudem bereits unwohl hingekommen. Wo er gewohnt hat, ist nicht sicher, wahrscheinlich wieder bei denDuscheks auf der Bertramka, die in jenen Tagen der Überfüllung das gegebene Absteigequartier für ihn war136. Allerdings hören wir nichts von einer Wiederholung des lustigen Lebens von 1787. Das hastige Arbeiten und der Mißerfolg hatten Mozarts Befinden nur noch verschlechtert. Niemetschek erzählt137, daß er damals »unaufhörlich kränkelte und medizinierte. Seine Farbe war blaß und die Miene traurig, obschon sich sein munterer Humor in der Gesellschaft seiner Freunde doch noch oft in fröhlichem Scherz ergoß«. Und als der Abschied von den Prager Freunden nahte (Mitte September), da übermannten ihn die Tränen; er ahnte, daß dieses Wiedersehen das letzte gewesen war.

Fußnoten

1 Auch das war alter italienischer Brauch, vgl. den drastischen Bericht von de Brosses, Lettres familières écrites d'Italie en 1739 et 1740, 2. A. Paris 1858, II 357: »Les échecs sont inventés à merveille pour remplir la vide de ces longs récitatifs et la musique pour interrompre la trop grande assiduité aux échecs.«


2 Mus. Wochenbl. S. 15. Lange, Selbstbiogr. S. 167.


3 Mus. Korresp. 1790, S. 30.


4 Wlassak, Chronik des Burgtheaters, S. 67.


5 Da Ponte, Mem. I 2, p. 114 f.


6 Nach da Ponte II 135 nannte er ihn einen »egoista insupportabile che non vorrebbe che piacessero nel mio teatro che le sue opere e la sua bella; egli non è solo nemico vostro, ma lo è di tutti i maestri di cappella, di tutte le cantanti«.


7 Mosel, Salieri S. 138. Mus. Wochenbl. S. 62.


8 B II 311, vgl. Spitta a.a.O. S. 419.


9 B II 314. S. Beil. I 12.


10 B II 315.


11 Wiener Ztg. 1791, Nr. 29.


12 Ebenda. 1790, Nr. 75, Anh.


13 Pohl, Haydn II 245.


14 B II 324.


15 I 841.


16 B II 315.


17 B II 316.


18 I 841.


19 Über Franz de Paula Hofer vgl. E. Blümml, MM II 17.


20 Ihr erstes Quartier war in einem Gasthof in Sachsenhausen, dann zogen sie in ein Zimmer in der (nicht mehr vorhandenen) Adlerapotheke an der Tönges-und Hasengasse. Dort wohnte auch der Theaterdirektor Böhm (I 627), dessen Truppe seit 1780 in Frankfurt spielte. Er hat am 12. Oktober 1790, zwei Tage vor Mozarts Konzert, die »Entführung« und am 22. die »verstellte Gärtnerin« aufgeführt. Vgl. E. Mentzel, Frankf. Generalanzeiger vom 15. und 16. Oktober 1890. Auch in der Frau des Schauspielers Porsch vom Frankfurter Nationaltheater traf Mozart daselbst eine alte Bekannte vom »Auge Gottes« in Wien her.


21 B II 317 f.


22 B II 319.


23 Vgl. E. Mentzel in der Wochenschrift Die kleine Chronik, Frankfurt 1887, Nr. 22 ff. S.o.S. 356.


24 B II 321.


25 Die Gräfin lebte in Heddernheim bei Frankfurt. Das Schweitzersche Haus ist vermutlich das des Bankiers und Geheimrats Franz Maria Schweitzer, des Gatten der Paula Maria Allessina, der 1766 nach Frankfurt gekommen war. Zwischen diesem und demDietzschen Hause bestanden enge Beziehungen. Deiters (J II4 548) weist auch auf den Senator und Schöffen Friedrich Karl Schweizer, Goethes Jugendfreund, hin. Vgl. Löper, Zu Goethes Dichtung und Wahrheit III 382.


26 Vgl. Dr. Al. Dietz, Der Superintendent und erste Hofprediger M. Joh. Hektor Dietz, seine Vorfahren und Nachkommen. Ein Familienbuch. S. 110 [D.]. Die Briefe und Notenautographe Mozarts aus dem Besitz der Familie sind leider verschollen.


27 Rats- und Schöffenratsprotokoll der Reichsstadt Frankfurt zur Wahl und Krönung des Kaisers Leopold, S. 400: »Mittwoch 13. Oktober 1790. Als vorkame, daß der Kayserl. Conzert-Meister Mozart um die Erlaubniß nachsuchte, Morgen Vormittag im Stadtschauspielhaus ein Concert geben zu dörfen: solle man ohne Consequenz auf andere Fälle hierunter willfahren.« Das Konzert fand nach dem Theaterzettel und B II 322 am 15., nicht am 14. Oktober statt.


28 Das zweite Konzert fand nicht statt; an jenem Sonntag war Mozart bereits in Mainz (B II 323).


29 Vgl. oben S. 166.


30 Lewezow, Leben und Kunst der Frau Schick, S. 14 f. Sie war die Frau des Mainzer Hofkapellmeisters und sang Blondchen, Susanne und Zerline, vgl. Mentzel a.a.O.


31 I 454 f.


32 Lipowsky, Baier. Musiklex. S. 16.


33 Breslauer Ztg. 1855, Nr. 240, S. 1366. Nach E. Mentzel war Mozart auch in der Karmeliter- und Dreikönigskirche und hörte dort die Konzerte des Abtes Vogler (I 474 ff.).


34 Pirazzi, Bilder und Geschichten aus Offenbachs Vergangenheit, S. 188.


35 B II 323. Übertrieben ist Arentz' Mitteilung, Mozart habe »sehr oft« beim Kurfürsten gespielt. Vgl. Engl, Mozart, S. 45, 48 nach Andrés Mitteilung [D.].


36 André teilte unter Berufung auf den MusikerHaunz mit, daß der Kurfürst 1792 das Bild dem Hofmusiker Stutzl geschenkt habe. Engl S. 46.


37 Schurig, L. Mozart, Reiseaufzeichnungen 1920, S. 97. Mozart II 364.


38 S.o.S. 51.


39 B II 322.


40 Dieses Postskriptum gehört nicht, wie Jahn und Nohl annahmen, zu dem Brief vom 30. September (vgl. Deiters bei J II4 551), sondern wahrscheinlich zu dem verlorengegangenen Mainzer vom 17. Oktober.


41 B II 323.


42 Nohl, Musikal. Skizzenbuch, S. 190.


43 Koffka, Iffland und Dalberg S. 185. Mit der Besetzung und Aufführung erklärte er sich sehr zufrieden.


44 Henkel, Der Klavierlehrer XIII 1.


45 Kurfürstl. gnädigst privil. Münchner Wochen- und Anzeigeblatt 1790, Nr. 44.


46 Nach derselben Zeitung 1790, Nr. 173–175 war bei der Ankunft des Königs am 4. November Hofgala und Hofakademie, am folgenden Tage Hofjagd und abends Lustspiel im Theater und Souper.


47 B II 324.


48 Pohl, Mozart und Haydn in London II 101 ff.


49 Der Brief O'Reillys vom 26. Oktober 1790 (Nottebohm S. 67) lautet: »Par une personne attachée à S.A.R. le Prince de Galle j'apprends votre dessein de faire un voyage en Angleterre, et comme je souhaite de connoître personellement des gens à talent, et que je suis actuellement en état de contribuer à leurs avantages, je vous offre Monsieur la place de Compositeur ont eus (= entre eux) en Angleterre. Si vous êtes donc en état de Vous trouver à Londres envers la fin du mois de Decembre prochain 1790 pour y rester jusqu'à la fin de Juin 1791 et dans cet espace de tems de composer au moins deux Opéras ou sérieux ou comiques, selon le choix de Direction, je vous offre trois cents livres Sterling avec l'avantage d'écrire pour le concert de la profession ou toute autre salle de concert à l'exclusion seulement des autres Théatres. Si cette proposition peut vous être agréable et vous êtes en état de l'accepter faites moi la grâce de me donner une reponse à vue, et cette lettre vous servira pour un Contract«. Ob und was Mozart antwortete, ist unbekannt.


50 S.o.S. 47.


51 Über diese enthalten die Briefe vom 28. und 30. September und 8. und 23. Oktober Andeutungen, die nicht völlig verständlich sind (B II 317, 318, 321, 323). Es handelt sich dabei um ein Geschäft mit Hoffmeister, der ihm eine größere Summe vorstrecken sollte, wogegen Mozart sich verpflichtete, für ihn zu schreiben. Vgl. I 841. Diese Pläne wurden offenbar vor Puchberg geheim gehalten.


52 Wien. Ztg. 18. Mai 1793, S. 1462. Die Ausgabe von Artaria vermerkt zu K.-V. 614: »composto per un Amatore Ongarese«.


53 WSF II 421, wo übrigens das zweite Stück irrtümlich als in B-Dur stehend angegeben ist.


54 Der Herausgeber E. Lewicki hat das Verdienst, den Satz von den höchst ungeschickten Hörnerzutaten gereinigt zu haben. Er vermutet in den Stücken Kompositionen für den Jacquinschen Kreis aus den Jahren 1783–1785.


55 Instrument aus abgestimmten Glasschalen, die mit der feuchten Fingerspitze gerieben wurden. B. Franklin befestigte 1762 sämtliche Schalen an einer gemeinsamen Achse, die durch ein Pedal in Umdrehung versetzt wurde. Schmittbauer erweiterte den Umfang auf c-f3 und dann auf c-c4. Vgl. Pohl, Zur Gesch. der Glasharmonika 1862. C. Sachs, Reallexikon d. Musikinstr. 1913, S. 159 f.


56 Mus. Corr. 1790, S. 170 f., 1791, S. 69. Sie kündigte an, daß sie am 19. August 1791 ein »ganz neues, überaus schönes Konzertquintett mit blasenden Instrumenten begleitet, von Hr. Kapellmeister Mozart« spielen werde. Wiener Ztg. 1791, Nr. 65, Anh. Mus. Corr. 1792, S. 146. AMZ III 127 f. Die Skizze eines weiteren Quintetts befindet sich im Salzburger Mozarteum (K.-V. 92, Anh.).


57 In Berlin und Leipzig tadelte man ihre allzu virtuose Manier. Reichardt, Mus. Monatsschrift, S. 25, Berl. mus. Ztg. 1793, S. 150, AMZ II 254.


58 S.o.S. 568.


59 Wien. Ztg. 1791, Nr. 66, Anh. kündigte Müller an, es sei bei ihm zu sehen »das prächtige, dem großen Feldmarschall Laudon errichtete Mausolee. Dabei überrascht eine auserlesene Trauermusik von der Composition des berühmten Herrn Capellm. Mozart, die dem Gegenstand, für welchen sie gesetzet wurde, ganz angemessen ist«.


60 Vielleicht für die des Klarinettisten Beer am 4. März, I 836.


61 I 847.


62 Auch die K.-V. 106 angeführten Kontertänze mit einer Ouvertüre fallen wohl ins Jahr 1790. Vgl. WSF II 422.


63 Czerny führt es unter dem Jahr 1790 an.


64 Das Stück kann nach seiner Harmonik unmöglich ins Jahr 1780 fallen, sondern trägt in seinem Stil alle Merkmale der letzten Periode an sich.


65 S.o.S. 63 f.


66 S.o.S. 63.


67 S.o.S. 567.


68 Er zeigt da die Ankunft seiner Frau auf »Samstag oder längstens Montag« an; sein erster Brief war vom 5. Juni, einem Sonntag, also war Konstanze wohl am 4. angekommen.


69 B II 331.


70 B II 349.


71 Nach Tonerls Erzählung, der späteren Frau Haradauer in Graz. Wiener Fremdenbl. 1856, 22. Januar. Vgl. R. Lewicki, Ant. Haradauer, MM II 105 ff.


72 Die Hymne »Adoramus te« für 4 Singstimmen, Baß und Orgel (K.-V. 327) ist trotz WSF II 424 von Qu. Gasparini, vgl. I 159.


73 Spitta, AMZ 1880, 403. Der Sohn Wolfgang wurde am 26. Juli in Wien geboren.


74 Wohl Markgraf Ludwig Franz Marchese di M., später Ordenskomtur der Malteser von Maidelberg in Österr.-Schlesien. Deiters bei J II4 557. Vielleicht war er Mozarts Schüler.


75 B II 334.


76 B II 336 f.


77 B II 333.


78 B II 337.


79 B II 332.


80 B II 333 f. Die ungarische Krone war ein Wirtshaus in der Himmelpfortgasse in Wien.


81 Er fuhr in Begleitung der Schwingenschuhs. Vgl. B II 332. Über seinen mehrfachen Aufenthalt in Baden vgl. H. Rollett, MM II 109 ff.


82 Nissen hat aus irgendwelchen Gründen die Namen durchstrichen. Hier könnte der Komponist B. Schack gemeint sein, dessen Frau, eine Altistin, die dritte Dame in der »Zauberflöte« sang.


83 S.o.S. 573 f.


84 B II 335.


85 Die »Zauberflöte«, die auch im Folgenden zitiert wird.


86 B II 335 f.


87 »Kaspar, der Fagottist« von Wenzel Müller, zum erstenmal am 8. Juni aufgeführt.


88 Vielleicht Loibl, vgl. I 843.


89 B II 340.


90 B II 338, vgl. das vorhergehende undatierte Billett. N.N. ist in diesem Fall wohl Leutgeb, mit dem Mozart 1773 in Italien zusammengetroffen war (B I 40).


91 Wohl Süßmayer.


92 B II 341.


93 B II 342 f.


94 B II 343.


95 B II 344 f.


96 B II 345 f. Am 6. Juli stieg der Luftschiffer Blanchard mit seiner Montgolfière im Prater auf und kam bei Groß-Enzersdorf nieder. Wiener Ztg. 1791, Nr. 55.


97 B II 346 f.


98 Die Zauberflöte.


99 B II 348.


100 Der Buchstabe ist unsicher; die Abschrift bei Breitkopf & Härtel hat B. (Bridi? Bauernfeind?).


101 Mit ziemlicher Sicherheit weist dies Spitta a.a.O. S. 403 nach.


102 Vgl. E.v. Komorzynski, Em. Schikaneder, Berlin 1901 und E. Blümml, Aus Mozarts Freundes- und Familienkreis 1923, S. 90 ff. und 140 ff.


103 Vgl. darüber I 627.


104 So gab er »Die Räuber oder den Fall des Moorischen Hauses« im Freien als großes Schlachtenstück mit dem Brand des Moorschen Schlosses. Komorzynski S. 18.


105 Charakteristik von Seyfried, NZfM XII 180. Am 21. September 1812 starb er in Wien im Wahnsinn.


106 Vgl. außer der bei Komorzynski S. 26 angegebenen Literatur noch Hermine Cloeter, Häuser und Menschen von Wien, 3. A. Wien 1916, wo S. 39 auch die lange Zeit unsichere Lage des Theaters bestimmt wird: zwischen dem ersten und sechsten Hof des Freihauses.


107 Vgl. E. Blümml, MM I, Heft 3, S. 14.


108 Vgl. zur Entstehungsgeschichte der »Zauberflöte« Treitschke, Orpheus, Mus. Taschenb. 1841, S. 242 f., Illustr. Familienbuch des österr. Lloyd 1852, II 119 f., Monatsschrift für Theater und Musik 1857, September, S. 444 f. Freilich ist hier die gute Überlieferung sehr oft mit nachweislich Falschem vermischt.


109 Dieses Mozarthäuschen wurde später nach Salzburg auf den Kapuzinerberg übergeführt. Engl, MJB 1891, 69 f.


110 Allg. Wiener Mus. Ztg. 1841, S. 128.


111 B II 341.


112 Treitschke, Orpheus 1841, S. 246. Monatsschr. f. Theat. u. Mus. 1857, S. 445.


113 Vgl. den Beginn des Volksliedes »Es freit ein wilder Wassermann« bei Erk-Böhme, Deutscher Liederhort I 1, und Fr. Äm. Kunzens Romanze »Au bord d'une fontaine« bei Friedländer, Das deutsche Lied I 300, ferner im vorliegenden Werke I 358, 376, 551. Auf Höltys Lied »Üb' immer Treu und Redlichkeit« ist Mozarts Melodie später, frühestens 1793, übertragen worden.


114 Befand sich in Aloys Fuchs' Sammlung.


115 I 773 f.


116 I 773.


117 I 819.


118 I 846.


119 Mem. I 2, 124.


120 Zur Entstehung des Requiems vgl. Niemetschek S. 32 f. und Nissen S. 551 f., darnach ausgeschmückt Rochlitz, AMZ I 149 f., 177 f., außerdem Zawrzel und Krüchtens Cäcilia VI 212 f., 217 f., Herzog bei Köchel, Rezensionen 1854, Nr. 48, S. 753 f. J II4 570 f.


121 S. I 825.


122 Im Jahre 1787 führte Graf Walsegg z.B. Haydns Sieben Worte auf. Cramer, Magazin 1789, S. 51.


123 Nach Niemetschek S. 36 wollte er Mozart durch seinen Boten auch noch zur Komposition einer Anzahl von Quartetten im Jahre veranlassen.


124 Im selben Jahre 1791 (6. März) wurde in BonnBeethovens Musik zu einem Ritterballett unter dem Namen des Grafen Waldstein aufgeführt, s. Thayer-Deiters, Beethoven I2 285 f.


125 Schurig II 247 nimmt als Grund den Widerstand des Wiener Hofmarschallamts an.


126 Im Verzeichnis Mozarts steht: »Den 5. September – aufgeführt in Prag den 6. September. La Clemenza di Tito. Opera seria in due atti, per l'incoronazione di sua Maestà l'imperatore Leopoldo II. – ridotta a vera opera dal Sgre. Mazzolà, poeta di sua A.S. l'Elettore di Sassonia ... – 24 pezzi.« Die Partitur auf der Berliner Bibliothek enthält ohne die Ouvertüre 26 Stücke, zählt aber die Akkompagnatos besonders.


127 I 183.


128 Die Seccos sind in mehreren Fassungen erhalten. Die G.-A. enthält die mit dem Textbuch der ersten Aufführung und einer alten Partiturabschrift übereinstimmenden. R.-B.S. 111.


129 Seyfried, Cäcilia IV 295.


130 Es fehlt nur das Duettino (3), das aber in einer von Abbé Stadler revidierten Abschrift des Originals beiliegt, und das Akkompagnato (25).


131 Freissauff, Don Juan, S. 122.


132 Die drei ersten Dekorationen waren von P. Travaglia, im Dienste des Fürsten Esterhazy, die vierte von Preising aus Koblenz erfunden, die Kostüme von Cherubin Babbini aus Mantua.


133 Die Herkunft dieses Personenverzeichnisses ist nach wie vor dunkel. J. Debrois, Urkunde über die Krönung S.M. des Königs von Böhmen Leopold II. 1818, S. 110, enthält es nicht, zählt dagegen die bei J II2 470 fehlende berühmte Todi als Mitwirkende auf. Freissauff, Don Juan, S. 122. In der Tat erwähnt die Krönungsurkunde den »Don Giovanni« am 2. September nicht, was das Vertrauen in ihre Verläßlichkeit nicht gerade vermehrt. Es liegt anscheinend eine Verwechslung Jahns hinsichtlich seiner Quellenangaben vor; jedenfalls macht das von ihm angegebene Personenverzeichnis durchaus den Eindruck der Authentizität. Vgl. auch Prochazka, Mozart in Prag, S. 161 f. In dem Tagebuch der böhmischen Königskrönung, Prag 1791 (Freissauff S. 122) heißt es: »Abends war Freyopera, in welche sich Se. Majestät mit der Durchlauchtigsten Familie und dem Hofstaate in die für Höchstdieselben zubereiteten Logen begaben, wohin dieselben ein allgemeines freudiges Vivatrufen durch alle Gassen begleitete, mit welchem Höchstdieselben auch im Theater empfangen wurden.«


134 S. 74.


135 Teuber II 267.


136 Prochazka S. 150 f. Über das Erlebnis mit Häusler, das von J II4 574 f. in diese Zeit gesetzt wird, s.o.S. 343.


137 S. 34.


Quelle:
Abert, Hermann: W. A. Mozart. Leipzig 31955/1956, S. 588.
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