Ringelbrasse (Sargus annularis)

[52] Die Ringelbrasse (Sargus annularis, Sparus annularis, smaris und Haffara, Sciaena melanura), eine der kleineren Arten der Sippe, ist erzgilblich, auf Rücken, Bauch und Seiten silbergrau. Jede Schuppe oberhalb der Seitenlinie zeigt einen bräunlichen Saum; den Schwanz ziert ein dunkler Halbring. Rücken-, Brust- und Schwanzflosse haben graue, Bauch- und Afterflosse lebhaft gelbe Färbung. Die Länge des erwachsenen Fisches beträgt etwa zwanzig Centimeter.

An allen Küsten des Mittelmeeres und an der afrikanischen Küste des Atlantischen Weltmeeres von Gibraltar bis zum Vorgebirge der Guten Hoffnung gehört die Goldbrasse zu den gewöhnlichen Erscheinungen; weiter nach Norden hin zeigt sie sich seltener, obwohl mehrere Fälle bekannt sind, daß sie in England vorgekommen. Nach Rondelet verläßt sie die Küste nicht, drängt sich im Gegentheile oft in die mit ihr zusammenhängenden Salzsümpfe ein und feistet sich hier in kurzer Zeit. Duhamel erzählt, daß sie den Sand an seichten Stellen mit dem Schwanze aufregt, um die in ihm verborgenen Muscheln auszugraben. Nach letzteren ist sie außerordentlich begierig und [52] verursacht beim Zerbrechen derselben ein den Fischern bemerkliches Geräusch. Gefangene, welche ich einige Jahre pflegte, haben mir die Richtigkeit vorstehender Angabe tagtäglich bewiesen. Sie fraßen zwar auch Würmer und andere wirbellose Thiere, mit unverkennbarer Vorliebe jedoch Muscheln, namentlich Miesmuscheln.


Ringelbrasse (Sargus annularis) und unerwachsene Goldbrasse (Chrysophrys aurata). 1/3 natürl. Größe.
Ringelbrasse (Sargus annularis) und unerwachsene Goldbrasse (Chrysophrys aurata). 1/3 natürl. Größe.

Geschickt lesen sie solche und andere Muscheln vom Grunde auf, nicht minder geschickt pflücken sie diejenigen, welche sich festgesponnen haben, vom Felsen ab; unter kauenden Bewegungen bringen sie sodann die mit dem Mundrande gefaßte Beute in den Rachen, legen sie hier zurecht, zertrümmern ihr Gehäuse mit einem einzigen Bisse, scheiden rasch die Schalenstückchen aus, verschlucken das Weichthier und wenden sich nunmehr zur Fundstelle zurück, um mit einer zweiten, dritten, zehnten Muschel zu verfahren wie mit der ersten. Strenge Kälte wird der Goldbrasse verderblich; sie zieht sich deshalb gegen den Winter hin in die Tiefe zurück und meidet alle seichten Stellen ängstlich, soll auch, wenn sie hier von frühzeitig eintretendem Frostwetter überrascht wird, der Kälte stets erliegen.

An den französischen Küsten stellt man ihr während des ganzen Jahres nach, und zwar mit Netzen und Angeln, welche letztere mit Muscheln oder in Ermangelung derselben mit Krebsen und Thunfischstücken geködert werden. Das Fleisch ist zwar etwas trocken, aber bei jeder Art der Behandlung höchst wohlschmeckend und wird deshalb außerordentlich geschätzt. Diejenigen, welche in Salzseen [53] am Meere gefangen werden, gelten für vorzüglicher als alle übrigen, mit Ausnahme der im Atlantischen Weltmeere erbeuteten:


»Lob und Preis fürwahr verdienet nicht jeglicher Goldstrich,

Sondern der Muscheln nur frißt aus dem Lucrinischen See«,


singt schon Martial. Bei Venedig zieht man, laut Martens, Goldbrassen mit Sorgfalt in tiefen Teichen, wie dies schon zur Römerzeit üblich war.

Auf Malta sollen die Goldschmiede die Mitte der größten Zähne mit Scheidewasser schwarz beizen, die Zähne dann in Ringe fassen und sie unter dem Namen Schlangenzähne an leichtgläubige Leute verkaufen, welche unverständig genug sind, ihnen Wunderkräfte zuzuschreiben oder doch zuzutrauen.


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Quelle:
Brehms Thierleben. Allgemeine Kunde des Thierreichs, Achter Band, Dritte Abtheilung: Kriechthiere, Lurche und Fische, Zweiter Band: Fische. Leipzig: Verlag des Bibliographischen Instituts, 1884., S. 52-54.
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