VIII, 40. [660.] An Indra und Agni.

[456] Der Dichter gibt sich (Vers 4. 5) als solchen zu erkennen, welcher nach der Weise eines alten wie es scheint mythischen Sehers Nabhāka, gedichtet hat. Nach der Ueberlieferung soll dieser Dichter die ganze Gruppe der Lieder, welche den Refrain: »Zerstieben soll der Feinde Schwarm« (39-41 nábhantām anjaké same) enthalten, gedichtet haben, und dem Stamm der Kanva's angehören.[456] Aber vielleicht ist dieser Name erst aus dem Anfangsworte dieses Refrains durch den Dichter unsers Liedes sowie des folgenden (Vers 2) willkürlich gebildet, um damit einen uralten Seher zu bezeichnen. In unserm Liede wird Indra vor Agni bevorzugt (2. 5), in einigen Versen, wie Vers 6. und 9-11. wird Indra allein angerufen, und vielleicht sind diese Verse aus einem selbständigen Liede an Indra entnommen; doch ist Vers 11 nur eine Variation von Vers 10.


1. O Indra-Agni gebet uns,

ihr starken Sieger, Schätze bald,

Durch die im Kampf bezwingen wir,

was fest und unbeweglich ist,

wie Holz das Feuer windbewegt.

Zerstieben soll der Feinde Schwarm.

2.457 Denn nimmermehr verschmähn wir euch,

vor allem ehren Indra wir,

Den Mann, der Männer kräftigsten;

er komme stets zu Rosse her

zu uns, um Labung zu empfahn.

Zerstieben soll der Feinde Schwarm.

3. Denn Indra-Agni weilen ja

recht in der Opfer Mittelpunkt;

So kommt mit Weisheit, Weise denn;

erfüllt, o Männer, das Gebet,

erflehte, dem befreundeten.

Zerstieben soll der Feinde Schwarm.

4. Den Indra-Agni preise nun

mit frommem Lied, Nabhaka-gleich,

Die Herrscher dieser ganzen Welt,

des Himmels und der weiten Erd',

im Schoosse tragend reiches Gut.

Zerstieben soll der Feinde Schwarm.

5. Nabhaka gleichend wendet hin

zu Indra-Agni eur Gebet.

Das Meer, das sieben Böden hat,

zur Seite neigend öffnen sie,

auch Indra, der mit Kraft gebeut.

Zerstieben soll der Feinde Schwarm

6.458 Zerspalte wie in alter Zeit,

gleich wie des Dickichts Astgeflecht,

Des Dämons Kraft, vernichte sie;

wir mögen sein gehäuftes Gut

als Theil durch Indra's Gunst empfahn.

Zerstieben soll der Feinde Schwarm.

7. Wenn Indra-Agni, diese hier

euch rufen mit beständ'gem Preis,

So lasst durch unsre Männer uns[457]

bewältigen der Feinde Tross,

besiegen die bekämpfenden.

Zerstieben soll der Feinde Schwarm.

8. Die glänzend von dem Himmelsraum

hernieder wandern Tag für Tag,

Sie gehn nach Indra-Agni's Spruch,

die Wasserfluten strömend hin,

die von der Fessel sie befreit.

Zerstieben soll der Feinde Schwarm.

9.459 Viel Bitten dringen zu dir hin

und viele Lobgesänge auch,

O Sohn der Wonne, Rosseherr;

des guten Herrn und unsere

inbrünst'ge Bitten sei'n erfüllt.

Zerstieben soll der Feinde Schwarm.

10. Ihn schärfet durch der Lieder Drang,

den kühnen, starken, preislichen,

Und er, der nun mit grosser Kraft

zerbricht des Çuschna böse Brut,

gewinn des Himmels Wasserflut.

Zerstieben soll der Feinde Schwarm.

(11. Ihn schärft, den schönbeopferten,

den wahren, starken, preislichen;

Er ist's, der unser achtet stets,

und der des Çuschna Brut zerbricht,

des Himmels Wasserflut gewann.

Zerstieben soll der Feinde Schwarm.)

(12. siehe Anhang.)

Quelle:
Rig-Veda. 2 Teile, Leipzig 1876, [Nachdruck 1990], Teil 1, S. 456-458.
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