VIII, 81. [701.] An Indra.[505] 504

Die Verse 25-27 scheinen von einem spätern Dichter, Çrutakakscha, hinzugefügt, dem das Wort »passend« in Vers 24 Anlass zu einigen unpassenden Wortspielen gab.


1. Auf, singt dem Indra Lobgesang,

ihm, der von eurem Soma trinkt,

Der thatenreich dass All bezwingt,

der aller Geber bester ist.[505]

2. Der vielgerufen, vielgelobt,

Gesänge leitet weitberühmt,

»Das, das ist Indra« also sprecht.

3. Ja Indra, er, der grosse Fürst,

sei grosser Schätze Spender uns

Und thürm bis an das Knie sie auf.


4. Den Soma trank der schlürfende,

den kräftereichen Opfertrank,

Den gerstgemischten Indusaft.

5. Besinget diesen Indra nun,

begleitend seinen Somatrunk

Denn das ist seine Labung ja.

6. Wenn er, der Gott, von diesem Gott

der Tränke viel getrunken hat,

Dann siegt er über alle Welt.


7. Ihn, euren allbezwingenden,

den man zu allen Liedern lenkt,

Ihn treibest du zur Hülfe her,

8. Den Kämpfer, der unnahbar ist,

ein Somatrinker nimmersatt,

Ein Mann von unbezwungner Kraft.

9. O Indra, schenke Güter uns,

du kennst ja viele, glänzender,

Und hilf uns im Entscheidungskampf.


10. Von dort, o Indra, komme her

mit Nahrung zu uns, die erlabt

Uns hundertfach und tausendfach.

11. Lass, starker Spender, Schleuderer,

uns kommen zu des Frommen Werk

Zu Ross, und siegen in der Schlacht.

12. Wir schaffen, dass an Sprüchen du,

o thatenreicher dich erlabst,

Wie Kühe an dem Wiesengras.


13. Es ist ja aller Menschen Art

begehrlich, o vielwirkender,

Uns kam das Wünschen an, o Held.

14. Es wandten sich, o Herr der Kraft,

zu dir sogleich die wünschenden;

Nichts überragt, o Indra, dich.

15. Drum hilf mit reichlichst spendender,

mit herrlicher, mit eilender

Beachtung und Versorgung uns.
[506]

16. Welch wirkungsreichster Rausch dir je

o thatenreichster Indra ist,

Mit dem berausch dich nun beim Trunk,

17. Welch Rausch den höchsten Ruhm verdient

und, Indra, bestens Feinde schlägt,

Der dir am meisten Kraft verleiht.

18. Denn, Schleuderer, wir wissen ja,

welch Gut du allen Menschen schenkst,

O wahrer, schöner Trinker du.


19. Rings um des lust'gen Indra Trank

ertöne unsrer Lieder Schall;

Die Sänger singen Lobgesang.

20. In welchem alle Wonne ruht,

die sieb'n Gemeinden sich erfreun,

Den Indra rufen wir beim Saft.

21. Bei den drei Bechern führten hier

die Götter schöne Feier aus,

Die sei durch unsern Sang erhöht.


22. Es mögen in dich dringen ein

die Indu's, wie die Ström' ins Meer,

Nichts überraget, Indra, dich.

23. Mit deiner Gröss' umfängst, o Stier,

den Trank des Soma's, munter, du,

Der, Indra, drang in deinen Bauch.

24. Der Soma sei, o Vritraheld,

o Indra, passend deinem Leib,

Die Indu's passend deiner Schar.


(25. Dem Rosse passend und dem Rind,

stimmt Çrutakakscha Lieder an,

Und passend, Starker, deiner Schar.

26. Denn passend, Indra, mühst du dich

für uns bei dem gebrauten Trank,

O Indra, deiner Gab' gemäss.

27. Auch aus der Fern' o Schleuderer

erreich' dich unser Lieder Schall;

Wir mögen kommen dir zu pass.)


28. Denn wahrlich du bist mannesstark

und wahrlich du ein tapfrer Held,

Dein Sinn fürwahr gewinnenswerth.

29. Fürwahr, o reicher, Gabe ward

von allen Gebern ausgetheilt,

So sei denn Indra, du mit mir.[507]

30. Sei nicht dem trägen Beter gleich,

o Herr der Schätze, labe dich

Am milchgemischten Somatrank.


31. Nicht ziele bei der Sonne Strahl

auf uns, o Indra, böse List,

Durch deine Huld gewähr uns das.

32. Mit dir vereinigt werden wir

begegnen, Indra, jedem Feind;

Du bist der unsre, dein sind wir.

33. Denn die dich lieben, gehn zu dir,

o Indra, die dir jauchzen zu,

Der Sänger und der Freunde Schar.

Quelle:
Rig-Veda. 2 Teile, Leipzig 1876, [Nachdruck 1990], Teil 1, S. 505-508.
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