V, 53. [407.] An die Maruts.

[204] Das Lied besteht aus acht- und zwölfsilbigen Zeilen, die zu dreien oder vieren die Verse bilden, aber ohne strenges Gesetz und ohne dass mit Sicherheit Zusammenfügung aus verschiedenen Liedern nachzuweisen wäre.


1. Wer ist's, der ihren Ursprung kennt?

wer ist zuvor gewesen in der Maruts Huld,

Als sie die Schecken sich geschirrt?

2. Als sie bestiegen ihr Gefährt,

wer hörte sie? wie fuhren sie?

Wer war der Reiche, welchem hold die Regnenden

mit Labetränken rieselten?

3. Die auf Luftrossen täglich her

zum Rausche flogen, sagten mir:

»Uns Männer, Helden fleckenlos,

wie du sie sahst, so künde es;

4. Die leuchtenden, mit Aexten und mit Schmuck versehn

mit Kränzen, Spangen und mit Gold,

Mit Wagen und mit Bogenwehr.«

5. Ich rege eure Wagen an

zur Wonne mir, o tropfenreiche Marutschar,

Wie Blitze die durch Regen gehn.

6. Des Himmels Eimer, den die Männer reich an Thau

ausgossen dem Verehrenden;

Die Wetterwolke strömten sie durchs Weltenpaar;

die Regen gehn auf dürres Land.

7. Die Ströme, die mit Fluten drangen durch die Luft,

ergossen sich den Kühen gleich,

Wie Hengste träufelnd, wenn vom Wege heimgekehrt,

sie zu den bunten Stuten gehn.

8. Vom Himmel kommt, o Maruts her,

aus weiter Luft, von nahem Ort,

nicht bleibet in der Ferne stehn.

9. Nicht halt euch Rasa, Kubha noch Anitubha,

nicht Krumu noch die Sindhu auf;

Nicht hemme euch die wasserreiche Saraju;

bei uns allein sei eure Lust.[204]

10. Es folgen eurem Wagenzug,

der ungestümen jugendlichen Marutschar,

Die Regengüsse eilend nach.

11. Drum wollen wir euch Schar für Schar

und Trupp für Trupp und Schwarm für Schwarm mit Lobgesang,

Und mit Gebeten schreiten nach.

12. Zu welchem hochgeborenen,

der Opfer spendet, drangen heut

Auf ihrer Fahrt die Maruts vor?

13. Den Schatz gewährt uns, den, um welchen wir euch flehn,

durch den für Kind und Enkel ihr

Getreidesamen bringet, unvergänglichen,

das Glück, das alles Leben schafft.

14. Lasst ungefährdet durch die Feinde dringen uns,

vermeidend Schmach und Ungemach;

Wenn morgens Heil und Arzenei das Wasser strömt,

so sei'n, o Maruts, wir dabei.

15. Den Göttern und den Menschen werth,

o Marutschar, ist überall der Sterbliche,

Den ihr beschützt; so sei'n auch wir.

16. Die Geber preise, mögen bei des Sängers Fest

wie Küh' im Grase schwelgen sie,

Wie alte Freunde ruf die Fahrenden du an,

mit Lied erfreu die lüsternen.

Quelle:
Rig-Veda. 2 Teile, Leipzig 1876, [Nachdruck 1990], Teil 1, S. 204-205.
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