IV, 30. [326.] An Indra.[136] 116

Die Verse 8 und 24 sind, wie Inhalt und Versmass zeigt, später eingeschaltet. Die Sage, Vers 9-11, bezieht sich auf die Vertreibung der grosserscheinenden Morgenröthe durch das Gewitter oder durch die Sonne (206.) Die Sage von dem Sohne der Unvermählten (Vers 16) empfängt durch die Parallele (315, 9) wenig Licht. Die Verse 17 und 18 scheinen zusammenzuhängen: die Nichtarier Turvaça Jadu führt Indra trocken über den Strom und schlägt jenseit desselben die beiden Arier.


1. Kein höh'rer ist als Indra du,

kein besserer, o Vritrafeind,

Ja, keiner ist auch nur wie du.

2.117 Dir rollen gleich wie Räder nach

die Menschenstämme allzumal,

Als gross wirst immer du gerühmt.

3. Denn auch die Götter allesammt

besiegten, Indra, nimmer dich,

118Als Tag und Nacht du Feinde schlugst.

4. Als Indra den Bedrängten du,

dem Kutsa, da er kämpfte einst,

Das Rad, die Sonne, hast umhüllt.

5. Als die ergrimmten Götter du

bekämpftest, alle du allein,

Und Indra du die Streiter schlugst.

6. Als du den Sterblichen zum Heil

die Sonne, Indra, triebst zum Lauf,

Ihr Ross durch Kräfte fördertest.[136]

7.119 Wie warst auch da, du Vritraheld,

o starker, ganz von Zorn entbrannt,

Als du den Dämon niederschlugst.

9. Des Himmels Tochter, Indra, hast

du grosser, die sich gross erschien,

Die Morgenröthe du zermalmt.

10. Von ihrem Wagen stürzte sie

voll Angst, von dem zerbrochenen,

Als ihn der Held zu Boden stiess.

11.120 Es lag nun dies ihr Fuhrwerk da

zerbrochen ganz und sielenlos,

Sie selber floh ins Weite fort.

12. Den Strom Vibali, der das Land

weit überschwemmte, engtest du,

O Indra, ein mit weiser Kunst.

13. Und auch des Çuschna Eigenthum

ergriffest du mit kühnem Muth,

Als seine Burgen du zerbrachst.

14. Kaulitara, den Dämon auch

und Çambara, die stürztest du,

O Indra, von des Berges Höh'.

15. Und hunderttausend Mannen auch

und fünf des Dämons Vartschin schlugst

Wie Rades Felgen du entzwei.

16. Und jenem ausgestossnen Sohn

der Jungfrau theilte Indra zu

Der Sprüche Kraft, der mächtige.

17. Und beide, Turvaça, Jadu

fuhr Indra unbenetzt hindurch,

Er, der's versteht, der starke Held.

18. Und Arna und Tschitraratha,

die Arjer, schlugest Indra du

Jenseit der Saraju sogleich.

19. Und zwei Verlassne führtest du,

den Blinden, Lahmen, Vritrafeind,

Nichts gleichet dieser deiner Gunst.

20. Für Divodasa, der ihm dient',

zerbrach der Burgen hundert er,

Indra, die felsgemauerten.

21. Für den Dabhiti tödtete

Dämonen dreissigtausende

Mit Schlägen Indra und mit List.

22. So bist du Vritratödter auch

der eine Hirt, o Indra, du,

Der alle Welt zugleich bewegt.[137]

23. Und welche starke Indrathat

du, Indra, noch vollbringen willst,

Die hindre heute keiner dir.

(8. 24 siehe Anhang.)

Quelle:
Rig-Veda. 2 Teile, Leipzig 1876, [Nachdruck 1990], Teil 1, S. 136-138.
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