IV, 16. [312.] An Indra.

[121] Uçana in Vers 2 ist Name eines mythischen Sängers der Vorzeit; die sieben Sänger in Vers 3 die Angirasen, des Indra Genossen; in Vers 20 sind die Bhrigu's, wie sonst die Ribhu's, als kunstreiche Wagenbauer genannt.


1. Vordringend komme her der mächt'ge treue,

zu uns her mögen eilen seine Füchse;

Ihm haben starken Rauschtrank wir gekeltert;

hier möge Einkehr halten der gepries'ne.

2. Ruh aus, o Held, wie an des Weges Ende,

dich zu berauschen heut an unserm Tranke,[121]

Wie Uçana, so sprach den Spruch der Ordner,

das Andachtslied dem himmlischen Beachter.

3. Wenn saftdurchtränkt der Held den Safttrunk rühmet,

die Opfer fördernd, wie sein WortA1 der Dichter,

Dann zeugte er des Himmels sieben Sänger

sie machten preisend täglich ihr Gewebe.

4. Wenn schön sich zeigt die Sonne mit den Strahlen

und morgens sie das grosse Licht entzünden,

Dann macht er hell das blinde trübe Dunkel

zum Schaun den Männern, er, der stärkste, hülfreich.

5. Der kühne Indra unermesslich wachsend,

durchdrang mit seiner Grösse beide Welten;

Und drob hinaus noch ragte dessen Umfang,

der stärker ward als alles, was da lebet.

6. Der starke, kundig aller Mannesthaten,

liess frei die Wasser mit den Lust-Genossen,

Die selbst den Fels erbrachen durch Gesänge;

den Kuhstall schlossen auf sie voll Begierde.

7. Du schlugst den Vritra, der die Wasser einschloss;

willfährig half die Erde deinem Blitze;

Du triebst empor des Meeres Wasserwogen,

o kühner Held, der du mit Kraft gebietest.

8. Als du zerbrachst des Wassers Fels, gepries'ner,

ging Sarama voran als deine Botin;

Erschliess uns nun als Führer reiche Labung

die Ställ' erbrechend mit den Angirasen.

9. Zum Sänger komm mit Hülfe, männlich starker,

der fleht, o reicher, um des Glücks Erlangung;

Gewähr ihm Hülfe, wenn er dich um Kraft ruft;

der zaubervolle, böse Feind versinke.

10. Mit deinem Sinn, der Feinde schlägt, besuch uns,

befreundet sei dir Kutsa, dein begehrend;

Setzt gleichgestaltet beid' auf euren Sitz euch,

die Frau, die scharf sieht, mag euch unterscheiden.

11.95 Zusammen fährst mit Kutsa du begierig,

als Stachler du des Windes Füchse lenkend,

Die rothen haltend, wie erfasste Beute,

wenn naht der weise dem Entscheidungstage.

12. Für Kutsa warfst du nieder früh am Morgen

den Fresser Çuschna, der die Ernte schädigt;

Sogleich mit Kutsa tilge tausend Feinde

und rolle vor der Sonne Rad zum Schauen.[122]

13.96 Du gabst den Pipru, das gewalt'ge Unthier,

dahin dem Sohne Vidathins, Ridschiçvan;

Du warfst zu Boden funfzigtausend Schwarze,

zerrissest Burgen so wie mürbe Kleider.

14. Den Leib hinsetzend in der Sonne Nähe,

wenn deine Pracht, des ewigen, sich zeigte,

In Kraft gekleidet gleich dem Elefanten,

die Waffen führend wie ein grimmer Löwe.

15.97 Zu Indra kamen Wünschende begehrend,

das Opfer liebend wie des Glücks Erlangung,

Nach Gut verlangend, sich mit Sprüchen mühend,

wie liebe Heimat, wie willkommne Nahrung.

16. Lasst Indra rufen uns, der gern erhöret,

der diese vielen Heldenthaten wirkte,

Erwünschtes Gut besitzend, solchem Sänger,

wie ich bin, eilend reiche Beute zuführt.

17. Wenn dein Geschoss, das scharfe, durch die Luft fliegt

auf jeden Mann, o Held, im Augenblicke,

Wenn furchtbar tobt die Schlacht, o treugesinnter,

dann, dann sei recht Behüter unsers Leibes.

18. Begünst'ge du des Vamadeva Bitten,

sei holder Freund ihm in dem Kampf um Beute;

Dir gingen nach wir, der du für uns sorgest,

o walte weit du ewig für den Sänger.

19. Mit diesen Männern, Indra, die dich lieben,

die mächtig sind in jedem Kampf, o mächt'ger,

Lass Feind besiegend, wie die Himmel glänzend,

uns froh sein viele Tag' und viele Jahre.

20. So haben wir dem starken Stiere, Indra,

Gebet gemacht wie Bhrigu's einst den Wagen,

Dass unsre Freundschaft nimmer er verschmähe

und sei ein starker Schützer unsrer Leiber.

21. Gepriesen nun, o Indra, und besungen,

lass Labung schwellen Strömen gleich dem Sänger;

Dir ist dies neue Lied gemacht, o Ross-Herr,

durch Andacht sein wir Kämpfer, stets gewinnend.


Fußnoten

A1 Eigentlich das Verborgene des Herzens, das innere Wort.

Quelle:
Rig-Veda. 2 Teile, Leipzig 1876, [Nachdruck 1990], Teil 1, S. 121-123.
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