II, 11. [202.] An Indra.

[16] Ich mache auf den besonders in diesem Buche öfter wiederkehrenden kettenförmigen Bau des Liedes aufmerksam, wonach an dem letzten Gedanken oder Hauptbegriff fast eines jeden Verses der folgende Vers anknüpft.


1. Vernimm den Ruf, o Indra, säume nimmer,

lass Theil uns haben an der Güter Gabe;

Denn Kraft verleihn dir diese unsre Tränke,

nach Gut verlangend und wie Ströme fliessend.

2. Du liessest frei die Ströme, die du schwelltest,

die vielen, Indra, von der Schlang' umstellten;

Den Dämon auch, der sich unsterblich dünkte,

schlugst du herab, durch Sprüche wohlgekräftigt.

3.6 Die Sprüch', an denen recht, o Held, du Lust hast,

und Lieder, Indra, die den Maruts gelten;[16]

Die strömen dir, der du daran dich freuest,

und auch dem schnellen Wind die schöngeschmückten.

4. Die schmucke Kraft nun lassen sie dir wachsen,

den schmucken Blitz in deine Arme legend;

Und schmuck bist Indra du von uns gekräftigt;

die bösen Stämme schlage mit der Sonne.

5. Der sich versteckt in Wasserflut sich bergend,

den listigen, verhüllten, der sich hinstreckt,

Und der die Wasser fesselt und den Himmel,

den Drachen schlugst mit Männerkraft, o Held, du.

6.7 Wir wollen preisen deine alten Thaten,

wir wollen preisen auch die neu vollbrachten;

Den will'gen Blitz in deinen Armen preisen,

dein Füchsepaar, der Sonne Fackeln, rühmen.

7. Dein Füchsepaar, o Indra, kräftig eilend

liess rauschen nun ein Rauschen, wie wenn Fett trieft;

Auf einmal that sich auf die weite Erde;

der Wolkenberg auch jauchzte, Wasser strömend.

8. Der Wolkenberg liess ungesäumt sich nieder,

er brüllte jauchzend mit der Flut, den Müttern;

Zum fernen Erdrand, das Getön verstärkend,

verbreiten sie den Ton, den Indra anblies.

9. Den mächtgen Vritra, der den Strom bewacht hielt,

den listgeübten stiess hernieder Indra;

Aus Furcht erbebten zitternd Erd' und Himmel,

vor seinem Blitz, dem Stier, der donnernd brüllte.

10. Laut krachte seine Waffe, als der starke,

der Menschenfreund, den Menschenfeind verbrannte;

Des zauberhaften Dämons Listen schlug er

zu Boden, als vom Safte er getrunken.

11. O trinke, trinke, Indra, Held, den Soma,

berauschen mögen dich des Rausches Tränke,

Den Bauch dir füllend mögen sie dich stärken;

der wohlgebraute Füller labte Indra.

12. Wir Sänger sind, o Indra, ganz dein eigen,

lasst Andacht weih'n uns, wie es recht, dich ehrend,

Und deine Huld uns, Gunst begehrend, preisen;

stets sei uns Theil an deiner Güterspende.

13. Wir sein es, Indra, die durch deine Hülfe

die Nahrung mehren, deine Gunst begehrend;

Den schönsten Reichthum, den wir je begehrten,

den heldenreichen, schenke du, o Gott, uns.

14. Gieb sichern Sitz und schenke einen Freund uns,

und send', o Indra, uns die Marutscharen,[17]

Und die vereinten Winde, die voll Freude

des Opfers erste Spende gern geniessen.

15.8 Sie mögen trinken, was du, Indra, gern hast,

o trinke tüchtig, recht nach Lust den Soma;

In unsern Kämpfen hilf uns schön, o Retter;

den Himmel schmücktest du mit hellen Strahlen.

16. Die edlen Männer, welche jetzt, o Retter,

durch Andachtssprüche deine Gunst gewannen,

Und die zum Sitzen dir das Lager streuten,

durch dich, o Indra, kamen die zum Reichthum.

17. An starken Tränken, Indra, dich erfreuend,

aus den drei Kufen trink, o Held, den Soma,

Voll Trinkerlust, den Schnurrbart kräftig schüttelnd;

komm mit den Füchsen her zum Trunk des Soma.

18. Nimm an die Kraft, durch die, o Held, den Vritra

du niederwarfst, die Spinnenbrut, den Dämon;

Das Licht erschlossest du dem Volk der Arjer,

und liesst zur Linken, Indra, die Barbaren.

19. Es glück' uns, dass durch deine Gunst wir schlagen

die Feinde all', durch Arjer die Barbaren;

Für uns geschah's, dass du dem Freunde Trita

den Sohn des Tvaschtar Viçvarupa hingabst.

20.9 Durch dieses Trita Somatrunk erheitert,

warf er herab den Arbuda gekräftigt.

Ihn wälzte Indra, wie ihr Rad die Sonne,

durchbohrte mit den Angiras den Vala.

21. Wohlan, es locke diese reiche Gabe

dir ab, o Indra, was der Sänger wünschet;

Den Preisern spende, kürze nicht den Antheil.

Lasst laut im Chore bei dem Fest uns singen.

Quelle:
Rig-Veda. 2 Teile, Leipzig 1876, [Nachdruck 1990], Teil 1, S. 16-18.
Lizenz:

Buchempfehlung

Stifter, Adalbert

Der Waldbrunnen / Der Kuß von Sentze

Der Waldbrunnen / Der Kuß von Sentze

Der Waldbrunnen »Ich habe zu zwei verschiedenen Malen ein Menschenbild gesehen, von dem ich jedes Mal glaubte, es sei das schönste, was es auf Erden gibt«, beginnt der Erzähler. Das erste Male war es seine Frau, beim zweiten Mal ein hübsches 17-jähriges Romamädchen auf einer Reise. Dann kommt aber alles ganz anders. Der Kuß von Sentze Rupert empfindet die ihm von seinem Vater als Frau vorgeschlagene Hiltiburg als kalt und hochmütig und verweigert die Eheschließung. Am Vorabend seines darauffolgenden Abschieds in den Krieg küsst ihn in der Dunkelheit eine Unbekannte, die er nicht vergessen kann. Wer ist die Schöne? Wird er sie wiedersehen?

58 Seiten, 4.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Große Erzählungen der Frühromantik

Große Erzählungen der Frühromantik

1799 schreibt Novalis seinen Heinrich von Ofterdingen und schafft mit der blauen Blume, nach der der Jüngling sich sehnt, das Symbol einer der wirkungsmächtigsten Epochen unseres Kulturkreises. Ricarda Huch wird dazu viel später bemerken: »Die blaue Blume ist aber das, was jeder sucht, ohne es selbst zu wissen, nenne man es nun Gott, Ewigkeit oder Liebe.« Diese und fünf weitere große Erzählungen der Frühromantik hat Michael Holzinger für diese Leseausgabe ausgewählt.

396 Seiten, 19.80 Euro

Ansehen bei Amazon