I, 141. An Agni.

[145] Unter dem höchsten Vater Agni's (Vers 4) ist hier der Himmel, unter seinen Müttern sind theils die Wolken (V. 2), theils die Holzstücke verstanden, aus denen er durch die Kraft des Reibens geboren wird. In Vers 1 werden die drei wesentlichen Momente des Agni-Cultus dargestellt, das Entzünden, das Gebet und das Opfer, in V. 2 sein dreifacher Ursprung: aus sich selbst im Himmel, aus den Gewässern in den Wolken, und auf der Erde durch Reiben der mit den zehn Fingern (den Jungfrauen) bewegten Holzstücke.


1. Es ist fürwahr des Gottes schöne Glanzgestalt

zur Zier gesetzt, seitdem er aus der Kraft entsprang;

Gebet, es kommt, auch wenn es fehlgeht, doch zum Ziel,

des Opfers Kühe lenkten ihre Ströme her.

2.130 Das Labeross wohnt bei der eigenen Gestalt,

die zweite wohnt den sieben holden Müttern bei,

Als dritten zeugten, um zu melken diesen Stier,

als den Beschützer zehn vereinte Jungfraun ihn.

3. Wenn aus der Tiefe, aus des Büffels Scheingestalt

die starken Fürsten ihn erzeugten mit Gewalt,

Und wenn vor Alters zu des Trankes Mischung ihn,

der im Versteck lag, Matariçvan rieb hervor,

4. Wenn er geholt wird von dem höchsten Vater her,

besteigt die saft'gen Pflanzen er mit Wunderkraft,

Wenn beide Aeltern sein Entstehn beschleunigen,

dann ward als jüngster stets er hell durch seine Glut.

5. Da ging er in die Mütter ein, in welchen er,

der helle, unversehrte in die Breite wuchs;

Wie er zuvor in frühre, alte Mütter stieg,

so schmiegt er sich den jüngeren und spätern an.

6. Dann wählen sie zum Priester bei den Festen ihn

und dringen wie zum Spender hin sich sättigend,

Wenn hochgerühmt er zu den Göttern geht mit Kraft

und Macht, zu pflegen stets den Mann, der ihn besingt;

7. Wenn windbewegt der heil'ge sich erhoben hat,

sich windend, zischend wie die Schlange, ungehemmt[145]

Auf seinem Gange, wenn er schwarzgeflügelt flammt,

wenn der im Licht geborne durch die Lüfte dringt.

8.131 Gleich schnellem Wagen, den kunstfertige gebaut,

steigt er mit Flammengliedern zu dem Himmel auf;

Dann zeigen schwarz sich deine Bahnen, Flammender;

die Vögel fliehen vor des Helden Ungestüm.

9. Dein rühmt sich ja der pflichtgetreue Varuna,

o Agni, und die reichen Mitra, Arjaman;

Da kräftig du erstandest, sie mit deiner Kraft

umfassend, ganz wie Speichen mit des Rades Kranz.

10. Du führst, o Agni, dem, der eifrig Soma presst,

o jüngster, Reichthum und die Götterschar herbei;

Drum wollen wir aufs neue nun, o Sohn der Kraft,

o Schätzereicher, dir als Spender Preislied weihn.

11.132 Uns schenke Schatz des Hauses, der uns Nutzen bringt,

und schenk uns Glück und Tüchtigkeit, die dauernd bleibt,

Der Götter du und Menschen wie zwei Zügel lenkst,

und wohlgesinnt der Götter Preis beim heil'gen Werk.

12. Der strahlende erfreunde Priester hör' uns,

dess Rosse schnell sind und dess Wagen leuchtet;

Der weise Agni führ mit bester Führung

zu schönem Glücke und zu höchstem Gut uns.

13. Gelobt ist Agni mit gewalt'gen Liedern,

der ferner auch zu höchster Macht gesetzt ist;

Die Opferherrn und wir auch mögen strahlen,

gleichwie die Sonne durch die Nebel dringet.

Quelle:
Rig-Veda. 2 Teile, Leipzig 1877, [Nachdruck 1990], Teil 2, S. 145-146.
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