I, 116. An die Ritter (die Treuen.)

[118] Der Eselhengst in Vers 2 ist ein Zugthier der beiden Ritter, im übrigen ist die hier erwähnte Fabel unbekannt. Der hundertfüssige Wagen in V. 4 ist gleich dem hundertrudrigen Schiffe in V. 5; der Born in 116 ist die Quelle, die durch den Huf des Rosses hervorgeschlagen wird.


1. Den Treuen treib' ich wie der Wind die Wolken

die Lieder zu und schmück' wie eine Streu sie;

Die einst dem Jüngling Vimada die Gattin

auf pfeilgeschwinden Wagen heimwärts fuhren.

2. Die ihr vertraut auf starke Flügelrosse,

auf rasche Renner, auf der Götter Eile,

Dies tausendfache hat im Kampf, o Treue,

der Eselhengst in Jama's Schlacht erbeutet.

3. Den Bhudschju liess zurück, o Ritter, Tugra

in Wasserfluten wie sein Gut ein Todter;

Den fuhrt heraus ihr mit beseelten Schiffen,

die fern vom Wasser durch die Lüfte schwebten.

4. Ihr Treuen fuhrt drei Tage und drei Nächte

den Bhudschju hin zum Strand des feuchten Meeres

Auf drei beschwingten Wagen, die hinüber

mit hundert Füssen und sechs Rossen flogen.

5. Dies Heldenwerk vollzogt ihr auf dem Meere,

das keine Stütze, keinen Stand noch Halt halt,

Dass, Ritter, ihr den Bhudschju heimwärts fuhret,

der sich gestellt aufs Schiff mit hundert Rudern.

6. Dass, Ritter, ihr dem schlechtberittnen schenktet

das weisse Ross, das ewig dient zum Heile;[118]

Dies euer gross Geschenk ist hoch zu rühmen,

des Pedu treues Ross das stets erwünschte.

7. Ihr habt, o Männer, reiches Gut erschlossen

dem Padschrasohn, dem preisenden Kakschivat,

Ihr gosset hundert Kübel Suratrankes

dort aus dem Born, dem Huf des starken Hengstes.

8. Der Feuerglut habt ihr gewehrt durch Kühlung

und habt dem Atri Speis' und Trank gegeben,

Ihr Ritter habt den in die Kluft gestossnen

herausgeführt mit ganzer Schar zum Heile.

9. Ihr Treuen stiesset um den Born und hieltet

den Boden oben und die Oeffnung schräge;

Wie durstige zu tränken, rannen Ströme

dem Gotama zu tausendfachem Reichthum.

10. Von dem Tschjavana, als er alt war, löstet

wie ein Gewand, o Treue, ihr den Leib ab,

Verlängertet das Leben des Verlassnen,

vermähltet hülfreich ihn mit jungen Mädchen.

11.110 Des Preisens und des Strebens werth, o Männer,

ist euer Schutz und Beistand, o ihr treuen,

Als kundig ihr wie Schätze das Verborgne

dem Vandana hervorhobt aus der Grube.

12. Ich künde laut, o Männer, uns zum Segen

die mächt'ge That, wie Donnerton den Regen,

Als Dadhiank, Atharvans Spross, euch kund that

den süssen Soma durch den Kopf des Pferdes.

13. Euch, Treue, rief als Helfer an Purandhi

bei grossem Fest, o güterreiche Ritter,

Der Frau des Schwächlings hörtet wie aufs Wort ihr,

und gabt zum Sohn ihr den Hiranjahasta.

14. Ihr beide habt, o treugesinnte Männer,

erlöst die Wachtel aus des Wolfes Rachen,

Und habt gewährt dem Sänger, als er klagte,

o güterreiche, dass er fröhlich aufsah.

15. Im harten Kampf des Khela war der Fuss ihr,

wie eines Vogels Fittig, abgeschnitten,

Ihr setztet ihr sogleich ein ehern Bein an,

der Viçpala, zum Kampfpreis hinzueilen.

16. Ridschraçva, der der Wölfin hundert Widder

geschlachtet, diesen blendete der Vater,

Dem setztet ihr zum Seher ein die Augen

mit sicherm Griff, o treue Wunderärzte.

17. Auf euern Wagen stieg der Sonne Tochter,

als wie des Wettlaufs Ziel zu Ross ersiegend,[119]

Die Götter alle stimmten zu von Herzen,

ihr, Treue, seid gepaart mit schönem Glanze.

18. Da als ihr fuhrt zum Hof des Divodasa,

dem Bharadvadscha Huld erweisend, Ritter,

Da führte Schätze euer holder Wagen,

und Stier und Meerschwein zogen ihn vereinigt.

19. Sprossreiches Alter, Macht verleihnden Reichthum

und Heldenfülle bringend, o ihr Treuen,

Kamt eines Sinns mit Gut ihr zur Dschahnavi,

die dreimal euch des Tages Opfer brachte.

20. Den Dschahuscha, als rings er war umschlossen,

ihn fuhret Nachts ihr durch die freien Lüfte;

Mit eurem Wagen, treue, der hindurchbricht,

durchfuhret ihr, nicht alternde, die Berge.

21.111 An einem Morgen halft zum Sieg, o Ritter,

dem Vaça ihr zu tausendfacher Beute;

Vereint mit Indra triebt ihr fort das Unheil,

des weitberühmten Feinde, o ihr Stiere.

22. Aus des Artschatka Çara Brunnen zogt ihr

zum Trinken Wasser aufwärts aus der Tiefe,

Und kräftig liesst ihr dem erschöpften Çaju,

die unfruchtbare Kuh, o Treue, schwellen.

23. Dem Viçvaka, dem Krischnaspross, o Treue,

dem hülfsbegier'gen Sänger, dem gerechten,

Habt den Vischnapu ihr gebracht zum Anblick,

wie ein verirrtes Vieh, durch eure Kräfte.

24. Den Rebha, der neun Tage und zehn Nächte

im Wasser lag, gebunden und verwundet,

Umspült vom Meer, versenkt vom Unheilsvollen,

nahmt ihr heraus wie Soma mit dem Löffel.

25. Ich hab verkündet, Ritter, eure Thaten,

drum sei ich Gutsherr reich an Rind und Helden;

Zu langem Leben sehnden Aug's gelangend,

mög' ich wie in mein Haus ins Alter eingehn.

Quelle:
Rig-Veda. 2 Teile, Leipzig 1877, [Nachdruck 1990], Teil 2, S. 118-120.
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