I, 117. An die Ritter (die Treuen.)

[120] In den meisten mythischen Zügen stimmt dies Lied mit dem vorhergehenden überein, enthält jedoch mehr Verse allgemeinen Inhalts als jenes. An eine eigentliche Nachbildung ist nicht zu denken.


1. Zum Trunk des süssen Soma's euch zum Rausche,

o Ritter, lockt euch her der alte Priester,

Die Gab' ist aufgestellt, das Lied erklungen,

o Treue, kommet her mit Trank und Speise.[120]

2. Eur Wagen, Ritter, schneller als Gedanken,

der zu den Stämmen fährt mit schönen Rossen,

Auf dem ihr kommet zu dem Haus des Frommen,

mit dem, o Männer, fahrt zu unsrer Stätte.

3. Den Seher Atri der fünf Stämme löstet

sammt seiner Schar aus enger Kluft ihr Helden,

Des unheilvollen Dämons Zauber tilgend,

und jenen vorwärtstreibend, o ihr Stiere.

4. Den Dichter Rebha, Ritter, starke Helden,

den Böse bargen wie ein Pferd im Wasser,

Den fortgeschwemmten stellt ihr her durch Wunder,

denn nie ermatten eure alten Thaten.

5. Wie den, der schlummert in dem Schooss des Grabes,

und wie die Sonne, die noch ruht im Dunkel

Wie schönes Gold, o Ritter, holt zum Glanze

dem Vandana heraus ihr das Vergrabne.

6. Dies Werk, o treue Männer, ist zu rühmen

vom Padschrasohn Kakschivat aller Orten;

Dass aus des schnellen Rosses Huf den Menschen

ihr hundert Kübel süssen Tranks ergosset.

7. Dem Viçvaka, dem Krischnaspross, o Männer,

dem Sänger habt Vischnapu ihr gegeben;

Der Ghoscha auch, die in des Vaters Hauss sass,

gabt, als sie alt war, Ritter, ihr den Gatten.

8. Dem dunkeln gabt die lichte ihr, o Ritter,

dem Kanva die aus grosser Flut entsprossne,

Dies euer Werk, o Helden, ist zu preisen,

dass ihr dem Spross des NrischadA1 Ruhm verliehen.

9. Euch viele Frommen schaffend, habt ihr Ritter

das rasche Ross dem Pedu zugeführet,

Das siegende, berühmte, unbezwungne,

das Schlangen tödtet, tausend Schätz' erbeutet.

10. Dies rühmliche, ist euch, o gabenreiche,

Gebet und Preis und Sitz, in Erd' und Himmel,

Wenn Ritter euch die Padschrasöhne rufen,

so kommt mit Trank dem Weisen und zur Speise.

11.112 Gepriesen bei des Mana Sohn Agastja,

o schnelle Ritter, Gut dem Sänger spendend,

Verherrlichet durch seine Andachtslieder

habt Viçpalā ihr hergestellt, o Treue.

12. Wohin doch gehend zu dem Lob des Dichters,

den Çaju schützend, mächt'ge Himmelssöhne,[121]

Habt ihr wie einen Topf voll Gold, o Ritter,

am zehnten Tag erhoben den vergrabnen.

13. Durch eure Kräfte machtet ihr, o Ritter,

aufs neue jung den alternden Tschavana,

Der Sonne Tochter hat sich euren Wagen

erwählt und eure Schönheit, o ihr Treuen.

14. An Tugra habt nach euren alten Weisen,

o ewig junge, ihr euch neu erinnert,

Ihr fuhrt den Bhudschju aus des Meeres Wogen

heraus mit euren rothen Flügelrossen.

15. Euch hat gerufen Tugra's Sohn, ihr Ritter,

ins Meer geführt, hineilend ohne Wanken;

Ihr fuhrt heraus auf schönbespanntem Wagen

gedankenschnellem ihn zum Heil, o Stiere!

16. Die Wachtel hatt', o Ritter, euch gerufen,

als ihr sie löstet aus des Wolfes Rachen;

Ihr schrittet siegreich durch des Berges Rücken

und tödtetet mit Gift den Sohn des Vischvak.

17. Ihm, der der Wölfin hundert Widder schenkte,

und der geblendet ward vom bösen Vater,

Ihm, dem Ridschraçva gabt ihr neue Augen,

und machtet, Ritter, dass der Blinde Licht sah.

18. Zum Heil dem Blinden schrie dies Wort die Wölfin:

»O Ritter, Stiere, Männer«, also sprach sie,

»Ridschraçva hat gleichwie ein junger Buhle

geschlachtet hundert Widder mir und einen.«

19. Gross, segensreich ist, Ritter, eure Hülfe,

auch den verrenkten heilt ihr, holdgesinnte;

So hat auch einst Purandhi euch gerufen,

da kamt, o Stiere, ihr mit Hülfen zu ihr.

20. Die Kuh, die milchlos, unfruchtbar und gelt war,

habt, Ritter, ihr mit Milch gefüllt dem Çaju;

Dem Vimada fuhrt ihr mit euren Kräften

als Göttin heim des Purumitra Tochter.

21. Die Gerste säend, Ritter, mit dem Pfluge,

und Trank dem Menschen melkend, wunderthät'ge!

Hinweg Barbaren blasend mit dem Kriegshorn,

habt ihr dem Arjer weiten Glanz geschaffen.

22. Dem Dadhiank, dem Spross Atharvans, habt ihr

den Kopf des Pferdes angesetzt, o Ritter,

Der redliche hat euch den Meth des Tvaschtar,

den, hehre, ihr im Busen bargt, verkündet.

23. Ich buhle stets um eure Gunst, o Seher,

begünstigt, Ritter, alle meine Bitten;[122]

Beschenkt, o Treue, uns mit grossem Reichthum

berühmtem, der mit Kindern sei gesegnet.

24. Hiranjahasta gabt der Vadhrimati

als Sohn ihr, Ritter, Helden, Huld gewährend;

Den Çjava auch, der dreifach war zerschnitten,

habt segensreich ihr hergestellt zum Leben.

25. O Ritter, diese eure Heldenthaten,

die alten haben laut gerühmt die Menschen,

Gebet verrichtend euch, o Helden, werden

wir reich an Helden zur Versammlung reden.


Fußnoten

A1 Dem Kanva.

Quelle:
Rig-Veda. 2 Teile, Leipzig 1877, [Nachdruck 1990], Teil 2, S. 120-123.
Lizenz:

Buchempfehlung

Jean Paul

Die wunderbare Gesellschaft in der Neujahrsnacht / Des Feldpredigers Schmelzle Reise nach Flätz. Zwei Erzählungen

Die wunderbare Gesellschaft in der Neujahrsnacht / Des Feldpredigers Schmelzle Reise nach Flätz. Zwei Erzählungen

Zwei satirische Erzählungen über menschliche Schwächen.

76 Seiten, 5.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Romantische Geschichten. Elf Erzählungen

Romantische Geschichten. Elf Erzählungen

Romantik! Das ist auch – aber eben nicht nur – eine Epoche. Wenn wir heute etwas romantisch finden oder nennen, schwingt darin die Sehnsucht und die Leidenschaft der jungen Autoren, die seit dem Ausklang des 18. Jahrhundert ihre Gefühlswelt gegen die von der Aufklärung geforderte Vernunft verteidigt haben. So sind vor 200 Jahren wundervolle Erzählungen entstanden. Sie handeln von der Suche nach einer verlorengegangenen Welt des Wunderbaren, sind melancholisch oder mythisch oder märchenhaft, jedenfalls aber romantisch - damals wie heute. Michael Holzinger hat für diese preiswerte Leseausgabe elf der schönsten romantischen Erzählungen ausgewählt.

442 Seiten, 16.80 Euro

Ansehen bei Amazon