I, 80. An Indra.

[79] Die Erlegung des Vritra wird in mannichfachen Variationen geschildert.


1. Im Somarausch allein ja schafft

der Priester stets dir Kräftigung,

Drum treibe, stärkster, blitzender

den Drachen aus der Welt mit Kraft,

erstrahl in eigner Herrlichkeit.

2. Dich hat berauscht der starke Trank,

der Somasaft, vom Aar gebracht,

Durch den du aus den Fluten triebst

den Vritra, blitzender, mit Kraft,

du strahlst in eigner Herrlichkeit.

3. Geh vorwärts, greife an, sei kühn,

nichts möge hemmen deinen Blitz;

Denn stark ist, Indra, deine Kraft;

den Vritra triff, erring' die Flut,

erstrahl in eigner Herrlichkeit.

4. Du, Indra, schlugst den Vritra fort

vom Himmel, von der Erd' hinweg;

Giess diese Flut der Maruts nun

herab, die reich an Leben ist,

erstrahl in eigner Herrlichkeit.

5. Des wilden Vritra Scheitel schlägt

hinschreitend Indra mit dem Blitz

In jähem Zorn herab und treibt

die Wasserflut zum Strömen an,

er strahlt in eigner Herrlichkeit.

6. Auf Vritra's Scheitel schleudert er

mit seinem hundertzack'gen Blitz,[79]

Den Freunden schaffet Indra Heil,

vom Trank des Somakrauts berauscht,

und strahlt in eigner Herrlichkeit.

7. Du zeigtest ungehemmte Kraft,

o Indra, Blitzer, Schleuderer,

Als jenes zauberhafte Wild

du niederschlugst mit Zauberkraft,

du strahlst in eigner Herrlichkeit.

8. Es dehnten deine Blitze sich

weit über neunzig Ströme aus;

In deinen Armen, Indra, ruht

Gewalt und grosse Heldenkraft,

du strahlst in eigner Herrlichkeit.

9. Auf, preiset zwanzig Sänger ihn,

und rühmt ihn tausend auf einmal;

Ihm haben hundert zugejauchzt;

dem Indra ist Gebet geweiht;

er strahlt in eigner Herrlichkeit.

10. Zermalmt hat Indra Vritra's Macht,

mit Kraft zerschmettert seine Kraft;

Er that dies grosse Heldenwerk,

schlug Vritra und ergoss die Flut;

er strahlt in eigner Herrlichkeit.

11. Auch dieses grosse Weltenpaar

erbebt aus Furcht vor deinem Zorn,

Als Indra mit den Maruts du

den Vritra blitzend schlugst mit Macht,

du strahlst in eigner Herrlichkeit.

12. Durch Raschheit nicht, durch Donnern nicht,

erschreckt den Indra Vritra je;

Auf diesen fuhr herab der Blitz

der ehrne tausendzackige,

er strahlt in eigner Herrlichkeit.

13. Als blitzend du zum Kampfe triebst

den Vritra mit dem Donnerkeil,

Da stieg zum Himmel deine Kraft,

da Indra du den Drachen schlugst;

du strahlst in eigner Herrlichkeit.

14. Bei deinem Donnern Schleuderer

erzittert was da steht und geht;

Auch Tvaschtar selbst erbebt vor Furcht,

o Indra, wenn dein Zorn entbrennt;

du strahlst in eigner Herrlichkeit.

15. Denn keiner kommt, so weit uns kund,

dem Indra gleich an Heldenkraft.[80]

Die Götter legten Manneskraft

und Stärk' und Macht in ihn hinein;

er strahlt in eigner Herrlichkeit.

16. Wie Vater Manu, Dadhiank,

Atharvan Andacht einst geübt,

So hat in diesem Indra jetzt

sich Spruch vereinigt und Gebet;

er strahlt in eigner Herrlichkeit.

Quelle:
Rig-Veda. 2 Teile, Leipzig 1877, [Nachdruck 1990], Teil 2, S. 79-81.
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