3.

[682] Die Opferschnur, das höchste Läutrungsmittel,

Die mit Prajâpati zugleich ward vordem,

Die kraftvoll höchste, reine tue von dir,

Als Opferschnur sei jetzt dir Kraft und Stärke!


Abscherend auch die Haarlocke,

Lässt der Weise die Aussenschnur,

Das unvergängliche, höchste

Brahman trag' er als Opferschnur.


Die Schnur heisst so vom Aufschnüren8,

Drum heisst Schnur auch der höchste Ort,[682]

Wer diese Schnur hat begriffen,

Der ist weise, ist vedafest.


Ihm ist das All eingewoben,

Wie Perlen, an der Schnur gereiht,

Ihn der Yogin als Schnur trage,

Der im Yoga die Wahrheit schaut.


Die Aussenschnur lässt der Weise,

Der den Yoga als Höchstes treibt,

Er ist wissend, die Schnur tragend,

Die geflochten aus Brahmansein.

Wer diese Schnur trägt, dem mangelt

Nie die Reinheit noch Reinigung.


Wer, innerlich die Schnur tragend,

Erkenntnis hat als Opferschnur,

Der ist der Weltenschnur kundig,

Der ist Träger der Opferschnur.


Das Wissen ist ihm Haarlocke,

Ist ihm Standort und Opferschnur,

Das Wissen ist für ihn höchste,

Unvergleichliche Läuterung.


Wer wie des Feuers Spitzflamme

Nur der Erkenntnis Locke trägt,

Der trägt wirklich die Haarlocke,

Die andern tragen Haare nur.


Doch wer bemüht mit Werkdienst ist,

Als Brahmane, mit vedischem,

Der mag die Aussenschnur tragen,

Die Zubehör der Werke ist.


Wer Erkenntnis als Haarlocke,

Erkenntnis trägt als Opferschnur,

Der ist der wahre Brahmane,

So lehren Brahmankenner uns.


Wem höchste Opferschnur Wissen,

Wem Wissen ist das höchste Ziel,

Der Weise ist opferschnurhaft,

Opferkundig und Opfer selbst.
[683]

Quelle:
Sechzig Upanishads des Veda. Darmstadt 1963 [Nachdruck der 3. Aufl. Leipzig 1921], S. 682-684.
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