XXI

Das Sammelkapitel

[677] 290

Wenn kleinen Glückes Aufgebung

Ein großes Glück als Ziel verspricht,

Lass' fahren, Weiser, kleines Glück,

Nach großem Glücke strebt dein Sinn.


291

Wer andern Wesen Wehe wirkt

Zum Zwecke seines eignen Wohls,

Versenkt in Wütens wilden Wahn,

Wird er vom Wüten nicht erlöst.


292

Was da zu tun ist tun sie nicht,

Was nicht zu tun ist tun sie nur:

Das aufgeblähte, blöde Volk,

Dem Wahne fällt es blind anheim.


293

Doch wer da stetig ist und stark,

Des Leibes Elend innig merkt,

Der meidet was zu meiden ist,

Vollbringt was da vollbracht sein will:

Dem Denker, der die Dinge kennt,

Vergeht alsbald was Wähnen war.


294

Wer Mutter, Vater umgebracht,

Wer Khattiyo-Königsmörder ist,

Wer Land und Volk vernichtet hat:

Schuldlos steht da ein Heiliger.


[678] 295

Wer Mutter, Vater umgebracht,

Wer Brahmā-Königsmörder ist,

Ja, wer gemordet einen Mönch:

Schuldlos steht da ein Heiliger.


296

Wohl aufgewacht sind wachsam stets

Die Jünger Buddho Gotamos,

Die Tag und Nacht mit treuem Sinn

Gedenken des erwachten Herrn.


297

Wohl aufgewacht sind wachsam stets

Die Jünger Buddho Gotamos,

Die Tag und Nacht mit treuem Sinn

Gedenken seiner Heilslehre.


298

Wohl aufgewacht sind wachsam stets

Die Jünger Buddho Gotamos,

Die Tag und Nacht mit treuem Sinn

Gedenken seiner Heilsordnung.


299

Wohl aufgewacht sind wachsam stets

Die Jünger Buddho Gotamos,

Die Tag und Nacht mit treuem Sinn

Das Elend dieses Körpers sehn.


300

Wohl aufgewacht sind wachsam stets

Die Jünger Buddho Gotamos,

Die Tag und Nacht beseligt sind

Durch Sanftmut, Güte und Geduld.


301

Wohl aufgewacht sind wachsam stets

Die Jünger Buddho Gotamos,

Die Tag und Nacht beseligt sind

Durch heil'ges Selbstvertiefungsglück.


[679] 302

Schwer ist es Eremit zu sein,

Schwer findet man daran Geschmack;

Schwer lebt man in der Häuslichkeit,

Schwer lastet Sorgenpein auf uns;

Schwer lebt man mit den Heimischen,

Schwer lebt, wer in die Fremde zieht;

Wohlan denn: wandre nimmermehr

Und läutre dich von allem Leid.


303

Ein treuer Mönch, im Wandel fest,

Ist reich an Habe, reich an Ruhm:

Sei er nun da, sei er nun dort,

Wohin er kommt, wird er verehrt.


304

Von ferne sieht man Edle schon,

Wie das Himālayo-Gebirg;

Doch die Gemeinen schwinden rasch,

Wie nächtlich abgeschoßner Pfeil.


305

Allein sitzend, allein schlafend,

Allein wandelnd entschloßnen Muts,

Allein zähmend das eigne Selbst,

Verweile froh im Waldesgrund.

Quelle:
Die Reden Gotamo Buddhos. Bd. 3, Zürich/Wien 1957, S. 677-680.
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