§ 12. Die aristotelische Logik.

  • [109] Literatur: F. KAMPE, Die Erkenntnistheorie des Aristoteles (Leipzig 1870). R. EUCKEN, Die Methode der aristotelischen Forschung (Berlin 1872).

Die Breite der Anlage, die in den Systemen der beiden großen Gegenfüßler Demokrit und Platon hervortritt und mit der schulmäßigen Ausbildung der Lehren zusammenhängt, machte nicht nur eine Teilung der Arbeit, sondern auch eine Sonderung der Probleme unerläßlich. Die Titel von Demokrits Schriften lassen vermuten, daß er auch in dieser Hinsicht klar und bestimmt verfahren ist. Platon freilich faßte die schriftstellerische Tätigkeit wesentlich unter dem Gesichtspunkte des Künstlers auf; aber die trennende Disposition der Probleme, die wir in seinen Dialogen vermissen, hat seiner Lehrtätigkeit offenbar nicht gefehlt. In seiner Schule ist die Einteilung der Philosophie in Dialektik, Physik und Ethik herrschend gewesen.

Wenn dabei unter Dialektik wesentlich die Ideenlehre in ihrer metaphysischen Ausbildung zu verstehen ist, so hat Aristoteles den großen Fortschritt gemacht, daß er der sachlichen Untersuchung auf allen drei Gebieten eine Unterweisung über das Wesen der Wissenschaft, eine Lehre von den Formen und Gesetzen des wissenschaftlichen Denkens vorausschickte. Schon bei den Sophisten und Sokrates hatte die Besinnung darauf begonnen, worin eigentlich die wissenschaftliche Tätigkeit bestehe, und die geschärfte Aufmerksamkeit auf die inneren Vorgänge hatte es dem abstrahierenden Denken ermöglicht, die allgemeinen Formen des Denkprozesses selbst von den jeweiligen Inhalten, auf die er sie bezieht, abzulösen. Alle diese Ansätze und Versuche – denn darüber hinaus war es auch bei Platon nicht gekommen – hat nun Aristoteles in seiner Logik zusammengefaßt und zu einem System vollendet, in welchem wir die reife Selbsterkenntnis der griechischen Wissenschaft zu sehen haben.

1. Der nächste Zweck der aristotelischen Logik ist nach den ausdrücklichen Erklärungen des Philosophen durchaus methodologisch. Es soll der Weg gezeigt werden, auf dem überall das Ziel wissenschaftlicher Erkenntnis erreicht werden kann. Wie in der Rhetorik die Kunst des Ueberredens, so wird in der Logik die Kunst des wissenschaftlichen Forschens, Erkennens und Beweisens[109] gelehrt. Deshalb hat Aristoteles die Logik, die seine größte Schöpfung war, unter den philosophischen Disziplinen selbst nicht aufgezählt, sondern sie im Zusammenhange seiner Vorträge als Propädeutik behandelt, und deshalb hat seine Schule diese Lehre als das allgemeine Werkzeug (organon) für alle wissenschaftliche Arbeit betrachtet.

Aber diese Vorbereitung selbst ist nun von Aristoteles schon zu einer Wissenschaft gemacht worden; statt der Aufstellung einzelner praktisch verwertbarer Regeln, wie es wohl bei den Sophisten der Fall gewesen sein mag, statt der allgemeinen Fixierung eines Prinzips, welche das Verdienst des Sokrates gewesen war, bietet er eine allseitige Durchforschung der Denktätigkeit, eine umfassende Untersuchung ihrer gesetzmäßigen Formen. Er erfüllt die methodologische Aufgabe durch die formale Logik.

Dabei jedoch erweist sich, daß die Erkenntnis der Formen des richtigen Denkens nur aus dem Verständnis seiner Aufgaben gewonnen, diese Aufgabe aber wiederum nur aus einer bestimmten Vorstellung von dem allgemeinen Verhältnis des Erkennens zu seinem Gegenstande entwickelt werden kann. So hängt die aristotelische Logik auf das engste mit der metaphysischen Voraussetzung zusammen, die auch seiner Bearbeitung der übrigen Disziplinen zu Grunde gelegen hat: sie ist ihrem Prinzip nach durchaus erkenntnistheoretisch.

2. Damit aber wurzelt sie in der sokratisch-platonischen Ideenlehre. Das wahrhaft Seiende ist das Allgemeine, und seine Erkenntnis ist der Begriff. In dieser Hinsicht ist Aristoteles immer Platoniker geblieben. Was er an seinem großen Vorgänger bekämpfte263, war nur die eleatische Beziehungslosigkeit, die Jener zwischen dem Allgemeinen und dem Besonderen, zwischen Ideen und Erscheinungen, zwischen Begriffen und Wahrnehmungen angenommen und trotz aller Bemühungen auch in der späteren Phase seiner Lehre nicht überwunden hatte. Auch als die Zweckursache des Geschehens blieben die Ideen eine Welt für sich neben (para) den Erscheinungen. Dies Auseinanderreißen (chôrizein) des Wesens und der Erscheinung, des Seins und des Werdens ist neben den einzelnen dialektischen Einwänden264der Gegenstand des Hauptvorwurfs, den Aristoteles gegen die Ideenlehre erhebt. Wenn Platon aus dem Allgemeinen das der Begriff erkennt, und dem Besonderen das wahrgenommen wird, zwei verschiedene Welten gemacht hatte, so ist das ganze Bestreben des Aristoteles darauf gerichtet, diese Spaltung im Begriffe der Wirklichkeit wieder aufzuheben, und zwischen Idee und Erscheinung diejenige Beziehung aufzufinden, welche die begriffliche Erkenntnis zur Erklärung des Wahrgenommenen befähigt.

Daraus erwächst für die Logik vor allem die Aufgabe, das rechte Verhältnis zwischen dem Allgemeinen und dem Besonderen zu erkennen, und deshalb steht diese schon von Sokrates erkannte Grundform des begrifflichen[110] Denkens im Mittelpunkte der aristotelischen Logik. Zu demselben Prinzip gelangte aber der Philosoph auch noch auf einem andern Wege. Wenn er irgend welche Vorarbeiten für seine Theorie der Wissenschaft vorgefunden hat, so bestanden sie in den Ueberlegungen der Sophisten über die (zunächst rhetorische) Kunst des Beweisens und Widerlegens. Fragte aber nun Aristoteles, wie man wissenschaftlich, d.h. in allgemeingültiger, auf die wahre Erkenntnis gerichteter Weise etwas beweisen könne, so fand er, daß dies nur in der Ableitung des Besonderen aus dem Allgemeinen bestehen kann. Wissenschaftlich beweisen, heißt die Gründe für die Geltung des Behaupteten angeben, und diese sind nur in dem Allgemeineren zu finden, dem das Einzelne unterstellt ist: das hatte Sokrates verlangt.

Hieraus ergab sich nun die eigentümliche Verwicklung, welche den aristotelischen Begriff der Wissenschaft ausmacht. Das Allgemeine, die Idee, ist als das wahrhafte Sein die Ursache des Geschehens, dasjenige also, woraus und wodurch das wahrgenommene Einzelne begriffen oder erklärt werden soll. Die Wissenschaft hat darzustellen, wie aus dem begrifflich erkannten Allgemeinen das wahrgenommene Einzelne folgt. Das Allgemeine ist aber anderseits im Denken der Grund, durch welchen und aus welchem das Besondere bewiesen wird. Danach ist das Begreifen und das Beweisen dasselbe: Ableitung des Besonderen aus dem Allgemeinen.

In dem Begriffe der Ableitung (apodeixis, Deduktion) konzentriert sich somit die Wissenschaftstheorie des Aristoteles: die wissenschaftliche Erklärung der Erscheinungen aus dem wahrhaften Sein ist derselbe logische Prozeß wie das wissenschaftliche Beweisen, nämlich die Ableitung des in der Wahrnehmung Gegebenen aus seinem allgemeinen Grunde. Erklären und Beweisen werden deshalb mit demselben Worte »Ableitung« bezeichnet, und der rechte Beweis ist derjenige, welcher zum Beweisgrund die wirkliche, allgemeine Ursache des zu Beweisenden nimmt265. Die Aufgabe der Wissenschaft ist also, die logische Notwendigkeit aufzuzeigen, mit der, wie die besonderen Erscheinungen aus den allgemeinen Ursachen, so auch die besonderen Einsichten (der Wahrnehmung) aus den allgemeinen Einsichten (der Begriffe) folgen.

Diese aus den metaphysischen Voraussetzungen entwickelte Bestimmung der Aufgabe der Wissenschaft hat jedoch im Fortgange der Untersuchungen eine wesentliche Veränderung erfahren.

3. Die nächste Aufgabe der Logik ist hiernach die genauere Feststellung darüber, was eigentlich Ableitung, d.h. einerseits Beweis, anderseits Erklärung ist, oder die Darstellung derjenigen Formen, in denen das Denken die Abhängigkeit des Besonderen vom Allgemeinen erkennt. Diese Theorie hat Aristoteles in der Analytik gegeben, dem logischen Grundwerke, das mit systematischem Aufbau im ersten Teil vom Schluß, im zweiten vom Ableiten, Beweisen und Begreifen handelt. Denn bei der Zerlegung der Denktätigkeiten[111] aus denen alles Ableiten besteht, ergibt sich als einfache Grundform die Ableitung eines Satzes, einer Behauptung aus andern, d.h. der Schluß (syllogismos).

Die Syllogistik266 (Schlußlehre) ist damit der Kernpunkt der aristotelischen Logik geworden: auf sie ist alles zugespitzt, was er (wie es scheint nur in allgemeinsten Zügen) über die dem Schluß zu Grunde liegenden Denkformen gelehrt hat; aus ihr ergeben sich alle Gesichtspunkte seiner Methodologie.

Die Hauptsätze dieser Lehre, welche den Grundstock der traditionellen Logik bis auf den heutigen Tag bilden, sind folgende. Der Schluß ist die Ableitung eines Urteils aus zwei andern. Da in einem Urteil ein Begriff (das Prädikat) von einem andern Begriffe (dem Subjekt) ausgesagt wird, so kann diese Aussage nur begründet werden, indem die zu beweisende Verbindung zwischen beiden durch einen dritten Begriff, den Mittelbegriff (meson, medius terminus) vermittelt wird. Dieser dritte Begriff muß also mit den beiden andern in irgend welchen Beziehungen stehen, und diese müssen in zwei Urteilen ausgedrückt sein, welche die Prämissen (protaseis) des Schlusses heißen. Das Schließen besteht in dem Denkprozeß, der aus den Verhältnissen, worin sich ein und derselbe Begriff (der Mittelbegriff) zu zwei andern Begriffen befindet, das Verhältnis dieser beiden Begriffe zueinander ausfindig macht.

Von den zwischen Begriffen möglichen Verhältnissen ist es nun aber nur eins, worauf, ihren allgemeinen Voraussetzungen gemäß, die aristotelische Syllogistik ihr Augenmerk gerichtet hat: das Verhältnis der Unterordnung des Besonderen unter das Allgemeine. Es handelt sich für diese Theorie immer nur darum, ob der eine Begriff (das Subjekt) dem andern (dem Prädikat) untergeordnet werden soll oder nicht267, Die Syllogistik hat es nur mit der Erkenntnis derjenigen Denkformen zu tun, nach denen mit Hilfe eines Zwischenbegriffs entschieden werden soll, ob eine Unterordnung eines Begriffs unter einen andern stattfindet oder nicht. Diese Frage hat Aristoteles in geradezu erschöpfender Weise gelöst: darin besteht der bleibende Wert seiner Syllogistik, aber auch die Grenze ihrer Bedeutung.

Dementsprechend hat denn auch Aristoteles in seiner Theorie des Urteils wesentlich nur die beiden Momente behandelt, die für diesen Zweck in Betracht kommen: erstens die Quantität, welche das Maß der Unterordnung des Subjekts unter das Prädikat dem Umfange nach bestimmt und die Unterschiede des generellen, partikulären und singulären Urteils ergibt, und zweitens die Qualität, wonach die Unterordnung entweder behauptet oder verneint zwischen den Umfängen beider Begriffe also das Verhältnis entweder der Verbundenheit oder der Trennung ausgesagt wird.

Darum bestimmen sich nun auch die Arten (schêmata, Figuren) der Schlüsse wesentlich nach der Art und Weise, wie die Unterordnungsverhältnisse der Begriffe, in den Prämissen gegeben, die im Schlußsatz gesuchte Unterordnung bestimmen. Dies Verhältnis kommt äußerlich durch die Stellung des Mittelbegriffs in den beiden Prämissen zum Ausdruck, indem er entweder einmal Prädikat und einmal Subjekt oder beidemal Prädikat oder beidemal[112] Subjekt ist. Als die wertvollste und ursprünglichste dieser drei Figuren aber bezeichnete Aristoteles folgerichtig die erste, weil in ihr das Prinzip der Unterordnung rein und klar zum Ausdruck kommt, indem das Subjekt des Schlußsatzes dem Mittelbegriff und mit diesem, weil es in seinen Umfang fällt, dem Prädikat untergeordnet wird268.

4. War aber das Schließen und damit das Ableiten, Beweisen und Erklären in der angegebenen Weise bestimmt, so ergab sich, daß durch diese der Wissenschaft wesentliche Tätigkeit nur immer Sätze von geringerer Allgemeinheit aus solchen höherer Allgemeinheit abgeleitet, d.h. daß durch das Schließen aus den Prämissen niemals gleich Allgemeines, geschweige denn Allgemeineres begründet werden kann. Die eigentümliche Gebundenheit der antiken Vorstellung vom Wesen des Denkens, wonach es nur Gegebenes auffassen und auseinanderlegen, aber nicht Neues erzeugen kann, kommt auch in dieser Bestimmung der aristotelischen Logik zur Geltung. Daraus folgt aber unmittelbar, daß die ableitende, beweisende und erklärende Wissenschaft zwar im einzelnen das, was im Syllogismus als Prämisse gedient hatte, wieder als Schlußsatz eines noch allgemeineren Syllogismus abzuleiten vermochte, aber schließlich doch von Prämissen ausgehen mußte, die selbst keines Ableitens, Beweisens und Begreifens, keiner Zurückführung auf Mittelbegriffe mehr fähig sind, und deren Wahrheit daher unmittelbar (amesa), unableitbar, unbeweisbar und unbegreiflich ist. Alles Ableiten bedarf eines Ursprünglichen, alles Beweisen eines unbeweisbaren Grundes, alles Erklären eines unerklärlich Gegebenen.

Die apodeiktische, beweisende und erklärende Tätigkeit der Wissenschaft hat also eine Grenze: die letzten Gründe des Beweisens sind nicht zu beweisen; die letzten Ursachen des Erklärens sind nicht zu erklären. Soll daher die Wissenschaft ihre Aufgabe erfüllen, die im Erklärendes Besonderen durch das Allgemeine besteht, so muß sie vorerst von dem Besonderen aus bis zu demjenigen Allgemeinen vordringen, bei dem sich das Beweisen und Erklären von selbst verbietet, weil es, unmittelbar gewiß, sich als unableitbar und unbeweisbar geltend macht. Dem Ableiten also, Beweisen und Erklären, worin die letzte Aufgabe der Wissenschaft besteht muß das Aufsuchen der Ausgangspunkte der Ableitung, der letzten Beweisgründe und der höchsten Erklärungsprinzipien vorausgehen. Die darauf gerichtete Tätigkeit des Denkens nennt Aristoteles Dialektik, und ihre Grundsätze hat er in der Topik niedergelegt.

Diesem Aufsuchen der Gründe wohnt, der Natur der Sache nach, nicht die gleiche »apodiktische« Gewißheit bei, wie dem Ableiten der Folgen aus den einmal festgestellten Gründen. Das Forschen geht von dem in der Wahrnehmung gegebenen Besonderen und von den in der gewöhnlichen Ansicht umlaufenden Vorstellungen (endoxon) aus, um das Allgemeine zu finden, aus dem dann das Besondere bewiesen und erklärt werden kann. Die Forschung also geht den umgekehrten Weg wie die Ableitung: diese ist deduktiv, Jene induktiv, epagogisch. Diese geht beweisend und erklärend vom Allgemeinen zum Besonderen, jene suchend und probierend vom Besonderen zum Allgemeinen269. Nur die fertige Wissenschaft ist apodiktisch: die werdende ist epagogisch.[113]

Bei allen diesen Untersuchungen und den darin auftretenden Gegensätzen handelt es sich für Aristoteles zwar meist um die Urteile, aber im Zusammenhange damit doch auch um die Begriffe. Wie ein Urteil bewiesen, abgeleitet wird, indem es vermöge des Mittelbegriffs aus allgemeineren Urteilen erschlossen wird, so wird ein Begriff abgeleitet, indem er aus einem allgemeineren der nächst höheren Gattung, (genos, genus) durch Hinzufügung eines besonderen Merkmales (diaphora, differentia specifica) gebildet wird: diese Ableitung des Begriffs ist die Definition (horismos). Wie aber die Ableitung der Satze schließlich allgemeinste Prämissen voraussetzt, die nicht mehr bewiesen werden können, so geht auch die Definition der niederen Begriffe zuletzt auf allgemeinste Begriffe zurück, die sich jeder Ableitung und Erklärung entziehen: auch diese Begriffe müssen, wie die höchsten Prämissen des Beweisens, epagogisch gesucht270werden; und es scheint, als habe Aristoteles jene allgemeinsten Sätze für die Erläuterungen dieser allgemeinsten Begriffe angesehen.

5. Unter den Lehrbüchern, die Aristoteles hinterlassen hat, sind die beiden logischen Hauptschriften, die Analytik und die Topik, die bei weitem am meisten dem Abschluß nahe gebrachten271: daraus mag sich erklären, daß die logischen Anforderungen, welche der Philosoph an die Wissenschaft stellte, so klar und sicher entwickelt sind, daß aber die vorliegende Ausführung seines Systems die danach zu stellenden Erwartungen nur in geringerem Maße erfüllt.

Offenbar nämlich sollte hiernach eine sichere Angabe darüber gemacht werden können, was nun der Philosoph für jene unmittelbar gewissen, höchsten Sätze oder Begriffe erklärt habe, die das Resultat der Forschung und der Ausgangspunkt des Beweisens und Erklärens sein sollen. Wer aber danach fragt, sieht sich der Lehre des Aristoteles gegenüber in großer Verlegenheit. Von allgemeinen Sätzen ist es nur ein einziges Prinzip, der Satz vom Widerspruch272, den Aristoteles teils in der rein logischen Fassung, daß Bejahung und Verneinung derselben Begriffsverknüpfung sich gegenseitig ausschließen, teils mit der metaphysisch-erkenntnistheoretischen Wendung, daß ein Ding nicht dasselbe sein und auch nicht sein könne, als einen unbeweisbaren Obersatz für alle Beweise hingestellt hat: daneben aber macht er lieber darauf aufmerksam, daß jedes Gebiet des Erkennens seine eigenen letzten Voraussetzungen habe, ohne jedoch sie näher anzugeben.

Sucht man aber nach den obersten Begriffen, so hat man – – abgesehen von dem auch hier statthaften Verweis auf die Besonderheit der einzelnen Disziplinen – die von Aristoteles nicht entschiedene Wahl zwischen den vier[114] »Prinzipien« (archai) der Metaphysik und den »Kategorien«, welche als die Grundformen der Aussage über das Seiende bezeichnet werden. In beiden Fällen aber befindet man sich damit bereits mitten in den sachlichen Bestimmungen seiner Lehre.

Quelle:
Wilhelm Windelband: Lehrbuch der Geschichte der Philosophie. Tübingen 61912, S. 109-115.
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