Vielliebchen

[574] Vielliebchen (Guten Morgen V.), die Sitte bei heiteren Mahlen, an denen Herren u. Damen Theil nehmen, wenn man beim Desert unter den Krachmandeln eine Doppelmandel findet, diese mit einer Person des andern Geschlechts getheilt zu essen, wo dann derjenige von Beiden, welcher, nach [574] Aufhebung des Mahls od. vom andern Tag an, den Andern zuerst mit Guten Morgen V. anredet, von diesem ein kleines Geschenk zu erhalten hat. Doch variirt dieser Gebrauch, u. man verliert das V., wenn man etwas aus der Hand des Andern ohne eine besondere Verwahrung (wie z.B. Ich denke daran) auszusprechen annahm, od. von dem Andern ein grünes Blatt gezeigt bekommt, ohne selbst ein solches zeigen zu können, od. es gewinnt der, welcher zuerst den Andern berührt u. dgl. m. In neuester Zeit ist es fast allgemein gebräuchlich geworden, daß, wenn die Dame verliert u. ein Geschenk machen muß, der Herr ein Gegengeschenk macht.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 18. Altenburg 1864, S. 574-575.
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