Gleisdreieck

[333] Gleisdreieck (triangular junction; triangle de raccordement; triangulo di raccordo) nennt man eine aus drei gekrümmten Schienensträngen und drei Weichen hergestellte Gleisanordnung a – b – c nach Abb. 256. An Stelle von drei gekrümmten Gleisen wendet man auch zwei krumme und ein gerades an (Abb. 257). Derartige G. (Y tracks) benutzt man besonders in Amerika um Fahrzeuge oder ganze Züge ohne Benutzung von Drehscheiben umzudrehen; sie beanspruchen weniger Platz als Schleifengleise, erfordern aber einen zweimaligen Richtungswechsel.

Die Bezeichnung G. wird ferner auf Gleisanordnungen nach Abb. 258 angewandt, bei denen beispielsweise eine zweigleisige Bahn a – b mit einer Zweigstrecke nach c durch zwei Anschlußstrecken derart verbunden ist, daß direkte Fahrten a – c und b – c möglich sind. Bei dieser Anordnung entstehen drei Hauptgleiskreuzungen k1, k2 und k3, die bei starkem Zugverkehr den Betrieb erschweren und gefährden. Ersetzt man sie durch Brücken, so entsteht eine Anordnung nach Abb. 260. Die durch die drei Kreuzungen k1, k2 und k3 geschaffenen Gefahrpunkte sind beseitigt; es bleiben als Gefahrpunkte nur noch die drei[333] Anschlußweichen A1, A2, A3 bestehen. Sofern die Seiten des G. etwas mehr als doppelte Zuglänge haben, empfiehlt es sich, in der Mitte besondere Signale aufzustellen und zwischen diesen und dem Signal am Zusammenlauf Schutzblockstrecken zu bilden.


Das erste G. ohne Kreuzungen in Schienenhöhe wurde nach dem Vorschlag von G. Kemmann beim Bau der Berliner Hoch- und Untergrundbahn ausgeführt (s.d.). Es ist inzwischen aber umgebaut und durch eine Brückenstation ersetzt worden, weil die Zunahme des Verkehrs die Verdoppelung der einen Hauptstrecke erforderlich gemacht hat.

Ein später in New York ausgeführtes unterirdisches G. ist in Abb. 259 und 261 dargestellt. Die Anlage wird dadurch besonders verwickelt, daß an der südlichen Ecke des Dreiecks nicht nur eine, sondern zwei zweigleisige Strecken sich anschließen, wobei 6 Kreuzungen entstehen. Von diesen sind nur diejenigen beseitigt, die von zwei entgegengesetzt gerichteten Fahrwegen gebildet werden, also 1 und 2 und 5 und 4; dagegen wurden die Kreuzungen gleicher Fahrrichtung 3 und 6 beibehalten. Zu diesem Ende sind die in Abb. 259 stark ausgezogenen Gleise ein Stockwerk höher gelegt als die schwach ausgezogenen (siehe Abb. 261). Sie liegen in Wirklichkeit nicht neben, sondern über ihnen. Das Gleis Newark-Hoboken geht von der tiefen Lage in die hohe über, ebenso in umgekehrter Richtung das Gleis Hoboken-Newark.

Oder.

Abb. 256.
Abb. 256.
Abb. 257.
Abb. 257.
Abb. 258.
Abb. 258.
Abb. 259.
Abb. 259.
Abb. 260.
Abb. 260.
Abb. 261.
Abb. 261.
Quelle:
Röll, Freiherr von: Enzyklopädie des Eisenbahnwesens, Band 5. Berlin, Wien 1914, S. 333-334.
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333 | 334
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