Gleismelder

[340] Gleismelder (shunting dial, shunting drum, electric indicator; cadran pour la manoeuvre ou le triage, téléavertisseur électrique; indicatore elettrico a distanza) sind Vorrichtungen, mit denen auf Verschiebebahnhöfen vom Standort des Verschubmeisters aus nach dem Stellwerk angezeigt wird, in welches Gleis die ablaufenden oder abzustoßenden Wagen zu lenken sind. Zu diesem Zweck sind vielfach Fallklappenschränke nach Art der Haustelegraphen benutzt. Nach Einstellung des Weges für das angezeigte Gleis wird die gefallene Klappe vom Weichensteller durch Drücken eines Knopfes oder Umlegen eines Schalters in die Grundstellung zurückgebracht. Für jede Gleisnummer ist beim Verschubmeister ein Druckknopf und im Stellwerk eine Fallklappe vorhanden. Jeder Druckknopf ist mit der zugehörigen Fallklappe durch eine Leitung verbunden.

In etwas anderer Form ist der auf dem Bahnhofe Rothensee bei Magdeburg im Betriebe befindliche sogenannte Stöpsel-Gleismelder ausgeführt. Die Vorrichtung im Stellwerk besteht auch dort aus einem Fallklappenwerk (Abb. 272). Der vom Verschubmeister zu bedienende Geber (Abb. 274) aber wird durch die Einführung von Stöpseln in die in einem gußeisernen Gehäuse untergebrachten Klinken, von denen für jede Gleisnummer eine vorhanden[340] ist, betätigt. Es können soviel Gleisnummern gleichzeitig angezeigt werden, als Stöpsel vorhanden sind.


Durch Einstecken eines Stöpsels beispielsweise in Klinke 21 (Abb. 273) wird der Kontakt k2 dauernd geschlossen, worauf die zugehörige Klappe 21 im Empfänger und die Kontrollklappe K. Kl. im Geber erscheint. Der Stöpsel muß bis zum Griffansatz eingesteckt werden, so daß auch der Kontakt k1 geschlossen wird. Dann ertönt der Wecker beim Empfänger und der Summer beim Geber. Beim Loslassen des Stöpsels wird er selbsttätig durch die Federkraft der Kontaktfeder bei k1 soweit zurückgeschoben, daß der Kontakt k1 sich öffnet und den Wecker und den Summer wieder ausschaltet, während die beiden Klappen solange eingeschaltet bleiben, bis der Stöpsel gänzlich aus der Klinke entfernt wird.


Von diesen Fallklappenmeldern sind in der Bauart wesentlich verschieden die sogenannten [341] Zeigergleismelder, die den elektrischen Fernzeigern nachgebildet sind, die für Schiffskommanden vielfach in Gebrauch sind. Die Einstellung eines Zeigers auf ein bestimmtes Zeichen wiederholt sich dabei durch elektrische Übertragung an einer anderen Stelle. Wenn es gefordert wird, kann damit eine Bestätigung über das Eintreffen des Zeichens verbunden werden. Vielfach wird in die den Geber und Empfänger verbindende Leitung ein Wecker eingeschaltet, der bei jeder Befehlsgabe am Empfänger ein Achtungssignal gibt Diese G. können mit Schwachstrom aus einer galvanischen Batterie oder auch mit Starkstrom aus einer Maschine oder Sammleranlage betrieben werden.

Abb. 277 zeigt einen G. der Allgemeinen Elektrizitätsgesellschaft, u.zw. einen sogenannten Spannungszeiger für Gleichstrom, bei dem die Zeigerausschläge durch Ab- und Zuschalten von Widerständen in der Befehlstelle herbeigeführt werden. Der Empfänger ist also eigentlich nichts anderes als ein Spannungsmesser. Die Wirkung veranschaulicht die Schaltungsskizze (Abb. 275). W Z ist der Geberwiderstand, der an eine Stromquelle angeschlossen ist. Er ist mit so viel Kontaktsegmenten verbunden, als Gleisnummern angezeigt werden sollen. Über diese Kontakte schleift beim Umlegen die Geberkurbel B. An den mittelsten der Kontakte A und die Geberkurbel B ist durch eine doppelte Leitung der Empfänger angeschlossen. Dieser besteht im wesentlichen aus einer Spule, die den Zeiger trägt und zwischen den Polschuhen eines Dauermagneten drehbar gelagert ist. Einer bestimmten Lage der Geberkurbel B muß hiernach auch ein gleichartiger Ausschlag des Zeigers am Empfänger entsprechen. Diese Art von G. kann an ein anderen Zwecken dienendes Speisenetz angeschlossen werden, wobei die Spannung durch Vorschaltwiderstände auf 20 Volt gebracht wird. Auch Schwachstrom aus einer Reihe hintereinander geschalteter Elemente kann verwendet[342] werden. In allen Fällen müssen große Schwankungen in der Spannung der Stromquelle vermieden werden; aus diesem Grunde empfiehlt sich auch die Entnahme des Stromes aus einer galvanischen Batterie im allgemeinen nicht.

Ebenfalls für Gleichstrom eingerichtet ist der Drehfeldfernzeiger der AEG. Hierbei wird in dem Geber der Gleichstrom in drei einzelne Ströme zerlegt, deren Stärke und Richtung sich mit der Stellung des Gebers stetig ändert (Abb. 276, Fig. I–VI). Diese drei Teilströme werden dem Empfänger zugeführt, der aus drei unter 120° geneigt zueinander angeordneten Spulen gebildet ist, in deren Mitte ein Anker drehbar gelagert ist. Mit der Verstellung des Gebers wird der Anker verdreht und je nach der Erregung jeder Spule durch ihren Teilstrom in eine bestimmte, zur Einstellung des Gebers synchrone Lage gebracht. Die Genauigkeit der Einstellung dieser Drehfeldfernzeiger ist nicht von der Größe der Spannung, sondern von dem Verhältnis der drei Felder zueinander abhängig; sie sind daher gegen Wechsel in der Spannung des Betriebsstromes unempfindlich. Die Drehfeldfernzeiger können an jedes Lichtnetz ohne Umformung angeschlossen werden.

Die Firma Siemens & Halske baut auch Zeigergleismelder für Wechselstrom. In der äußeren Form gleichen sie den vorher beschriebenen.

Wesentlich verschieden hiervon sind die Typendruckgleismelder der deutschen Telephonwerke,[343] bei denen die anzuzeigenden Gleisnummern im Empfänger in etwa 30 mm Größe auf ein Papierband gedruckt werden. Von diesen Zahlen sind die 6 zuletzt gedruckten hinter einer Glasscheibe sichtbar. An der Geberstelle wird ein Einstellzeiger auf die anzuzeigende Gleisnummer gestellt. Der den Geber bedienende Beamte wartet dann, bis ein Klingelzeichen ertönt, wodurch angezeigt wird, daß der Druckapparat des Empfängers sich richtig eingestellt hat. Hierauf drückt er einen Hebel nieder, wodurch im Empfänger die Zahl auf das Papierband gedruckt und dieses um eine Nummerbreite vorgezogen wird.

Bei den Fallklappenmeldern kommt es bei stärkerem Betrieb vor, daß mehrere Klappen fallen, während der Weichensteller mit der Umstellung der Weichen beschäftigt ist. Es entstehen dann Zweifel über die Reihenfolge, in der die angezeigten Gleisnummern gelten sollen. Bei den Zeigergleismeldern wird die Beobachtung des hin und herspringenden Zeigers vielfach als lästig empfunden; bei flottem Betrieb kann auch leicht ein Zeichen übersehen werden. Dem letzteren Übelstand hat man durch Zufügung eines Schleppzeigers abzuhelfen versucht, der das vorletzte Zeichen solange festhält, bis ein drittes Zeichen gegeben wird. Irrungen in der Reihenfolge der angezeigten Nummern schließt der Typendruckgleismelder am sichersten aus. An Stelle der G. sind vielfach auch Lautfernsprecher verwendet worden. Die Beamten arbeiten im allgemeinen am liebsten mit den einfachsten Mitteln. Auf den großen Rangierbahnhöfen des rheinisch-westfälischen Kohlenreviers ist das Ablesen der Gleisnummern von den Buffern bei Tage noch viel in Gebrauch, daneben wird dort das Rangieren nach Zetteln, das auch in Oberschlesien üblich ist, gern angewendet. Bei diesem Zettelverfahren werden für jeden Zug die Nummern der Gleise, in die Wagen ablaufen sollen, der Reihe nach untereinander geschrieben. Je einen solchen Zettel erhält der Rangierleiter und der Weichensteller.

Hoogen.

Abb. 272. Fallklappenwerk zum Stöpselgleismelder.
Abb. 272. Fallklappenwerk zum Stöpselgleismelder.
Abb. 273.
Abb. 273.
Abb. 274. Stöpselgleismelder.
Abb. 274. Stöpselgleismelder.
Abb. 275.
Abb. 275.
Abb. 276.
Abb. 276.
Abb. 277.
Abb. 277.
Quelle:
Röll, Freiherr von: Enzyklopädie des Eisenbahnwesens, Band 5. Berlin, Wien 1914, S. 340-344.
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340 | 341 | 342 | 343 | 344
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