Schleifmaschinen

[345] Schleifmaschinen, vornehmlich zum Nacharbeiten von Werkstücken dienende Vorrichtungen. Bei Verwendung von S. kann eine weit größere Genauigkeit erzielt werden als bei allen anderen Bearbeitungsverfahren (Feinschliff).

Schmirgelschleifmaschinen werden als Ersatz für Schleifsteine zum Schleifen von Werkzeugen, zum Nachschleifen von Maschinenbestandteilen und zum Glätten (Polieren) verwendet.

Nachstehend sollen nur jene Bauarten angeführt werden, die vornehmlich für Feinschliff in Eisenbahnwerkstätten in Verwendung stehen. Von diesem Gesichtspunkte aus können die S. in 2 Hauptgruppen eingeteilt werden, u.zw.:

1. in S. zum Bearbeiten von Werkstücken mit zylindrisch geformten Flächen (Rundschleifmaschinen);

2. in S. zum Bearbeiten ebener Flächen (Flächenschleifmaschinen).

Die hierbei zur Anwendung gelangenden Schmirgelschleifscheiben machen 2000–5000 Umdrehungen in der Minute; der Kraftbedarf ist sehr verschieden und schwankt bei den gebräuchlichen Maschinen zwischen 3/4 und 3 PS.


Zu 1. Rundschleifmaschinen.


Diese dienen zum Rundschleifen von zylindrischen Außen- und Innenflächen oder Teilen von solchen in sperrigen Werkstücken und[345] sind mit Hilfe einer Zusatzeinrichtung zum Schleifen von rasch umlaufenden kegelförmigen oder zylindrischen Werkstücken eingerichtet.


Die mit entsprechend hoher Drehzahl laufende Schleifspindel ist in einer Hohlspindel (innere Hohlspindel) exzentrisch gelagert, diese ist von einer zweiten Hohlspindel (äußere Hohlspindel) exzentrisch umschlossen. Die äußere Hohlspindel ist in festen Lagern axial verschiebbar, mit der inneren Hohlspindel kuppelbar und erhält gemeinsam mit dieser eine langsam kreisende Bewegung. Durch gleichzeitiges Verstellen der äußeren und inneren Hohlspindel ist es möglich, die Schleifspindel so einzustellen, daß sie entweder zentrisch in bezug auf die äußere Hohlspindel läuft oder daß sie die größtmögliche Exzentrizität aufweist. Im ersteren Fall kann die Maschine als gewöhnliche Rundschleifmaschine Verwendung finden, wobei sich das Werkstück langsam dreht, während im letzteren Fall die Möglichkeit gegeben ist, feststehende Zapfen oder Bolzen außenseitig nachzuschleifen (die Schleifscheibe umkreist das Werkstück) oder aber zylindrische Bohrungen auszuschleifen (die Schleifscheibe kreist in der Bohrung).

Die Maschine besteht aus einem Hohlgußständer, auf dem die Schleifspindel und der mit Vertikal- und Kreuzsupport versehene Tisch angeordnet sind.

Abb. 214 zeigt die Maschine, eingestellt für Innenschliff bei rotierendem Werkstück.

Der Tisch steht parallel zum Werkstück und erhält eine selbsttätige hin- und hergehende Bewegung, die durch Anschläge begrenzt ist.

Mit Hilfe dieser Maschine können zylindrische und auch konische Werkstücke bis 80 mm Durchmesser und 800 mm Länge geschliffen werden.

Aus Abb. 215 ist die Maschine, eingestellt für Außenschliff von Bolzen, zu entnehmen.

Der Tisch ist gegenüber der früher eingenommenen Arbeitsstellung um 90° gedreht angeordnet und wird beim Konisch schleifen die Schleifspindel zur Erzielung eines kegelförmigen Schliffes geneigt zur Drehachse des Werkstückes eingestellt.

Mit dieser Maschine können Zapfen bis 80 mm Durchmesser und 100 mm Länge außenseitig und Bohrungen bis 15 mm Durchmesser und 75 mm Länge, bei Verwendung entsprechend großer Schleifscheiben solche bis 200 mm Durchmesser und 200 mm Länge innenseitig geschliffen werden.

Abb. 216 zeigt (in kleinerem Maßstab als Abb. 215 u. 214) die Maschine in Arbeitsstellung beim Schleifen der Steinführungen gekrümmter Kulissen. Für diese Arbeit ist eine am Maschinenständer befestigte Säule vorgesehen, die einen durch eine Gewindespindel entsprechend dem Krümmungsradius der Kulisse vertikal verstellbaren Arm aufweist. Das Armende[346] trägt eine zylindrische, parallel zur Schleifspindelachse drehbare Büchse, in der eine Führungsstange verschiebbar gelagert und an ihrem unteren Ende mit der Aufspannvorrichtung der Kulisse verbunden ist. Durch die hin- und hergehende Bewegung des Tisches wird die Aufspannvorrichtung und mit ihr die Kulisse gezwungen, eine schwingende Bewegung um das Zapfenmittel des an der Säule befindlichen Armes zu vollführen.

Die Maschine ist eingerichtet zum Schleifen von Kulissen mit einem Krümmungshalbmesser von 700 bis 2100 mm.


Die Spezial-Rund-Innenschleifmaschine (Abb. 217) dient zum Rundschleifen schwacher Zapfen und Bolzen in sperrigen Werkstücken, zum Innenschleifen von Zylinderflächen und nach Schrägstellen des Supports auch zum Schleifen konischer Bohrungen.

Das Einspannen des Werkstücks erfolgt in den Spannuten einer vertikal einstellbaren Aufspannplatte.


Zu 2. Flächen- oder Planschleifmaschinen.


Diese Maschinen werden vorzugsweise zum Abschleifen von Gleitlinealen, Kulissen und ähnlichen Maschinenteilen verwendet. Bei dieser Maschine wird das zu bearbeitende Werkstück in den Schlitzen des Tisches entsprechend eingespannt und mittels 3 Topfscheiben gleichzeitig bearbeitet. Eine Scheibe ist in einer vertikalen und 2 sind in horizontalen Spindeln gelagert.

Zum Ausschleifen der Steinführungen von gekrümmten Kulissen besitzt die Maschine noch einen auf den Tisch aufspannbaren Zusatzapparat, der beim Schleifen ein selbsttätiges Einstellen der zu schleifenden Kulisse je nach dem Krümmungshalbmesser bewirkt. Zum Ausschleifen von Kulissen ist eine zweite Vertikalschleifspindel vorhanden, auf die die für diese Arbeit nötigen Scheiben kleinen Durchmessers aufgesetzt werden können.

Außer den angeführten Schleifmaschinen zum Bearbeiten von Maschinenteilen stehen in Eisenbahnwerkstätten noch Spezialschleifmaschinen zum Schleifen von Werkzeugen mit Erfolg in Verwendung. Diese lassen sich in folgende Gruppen einteilen, u.zw. in solche[347]

a) für Dreh- und Hobelstähle,

b) für Fräsen und Reibahlen,

c) für Spiralbohrer,

d) für Schneidmesser,

e) für Sägen.

Schleifmaschinen finden auch zum Schleifen von Holz Verwendung und kommen je nach Verwendungszweck und Bauart unter dem Namen Schleifbänke, Scheibenschleifmaschinen, Trommelschleifmaschinen und Riemenschleifmaschinen auf den Markt.

Spitzner.

Abb. 214.
Abb. 214.
Abb. 215.
Abb. 215.
Abb. 216.
Abb. 216.
Abb. 217.
Abb. 217.
Quelle:
Röll, Freiherr von: Enzyklopädie des Eisenbahnwesens, Band 8. Berlin, Wien 1917, S. 345-348.
Lizenz:
Faksimiles:
345 | 346 | 347 | 348
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