Woerl, Leo

[1055] Woerl, Leo. Der kgl. bayerische, kgl. sächsische, k.u.k. österreichisch-ungarische, großh. toskanische Hofbuchhändler, Komtur und Ritter hoher Orden Leo Woerl wurde 1843 zu Freiburg i.B. geboren, als Sohn eines der bedeutendsten Geographen seiner Zeit, des Professors Dr. Edmund Woerl, welcher große karthographische und geschichtliche Werke im Verlag von Herder in Freiburg herausgab. – Woerl erlernte auch in der Herderschen Verlagshandlung in Freiburg i.B., deren Besitzer sein Oheim war, vom Jahre 1858-62[1055] den Buchhandel; er unternahm für diese Firma auch größere Reisen, war in den Jahren 1863-66 als Buchhändler in Leipzig, Nürnberg, Würzburg, Prag und Wien tätig und begründete 1866 eine eigene Verlagsbuchhandlung in Würzburg. Der Verlag beschäftigte sich mit theologischen, historischen und belletristischen Werken und einem größeren Kalenderverlag. – Als auf dem Geographentag in Frankfurt a. M. 1878 die Anregung gegeben wurde, behufs Hebung und Förderung des Verkehrs – Kenntnis von Land und Leuten kleine Führer herauszugeben, griff Leo Woerl diese Idee auf und noch im selben Jahre erschien als erstes dieser Werkchen ein Woerl'scher Führer von Frankfurt a. M. Dies war der Grundstein der jetzt weltbekannten Woerl'schen Reiseführer-Kollektion, die heute (1908) über 600 verschiedene Reiseführer zählt. – Leo Woerl unternahm während mehr als 10 Jahren große Reisen, um durch eigene Anschauung Kenntnisse und Verbindungen für seinen Reisebücherverlag zu gewinnen. – Für die Bearbeitung der Städteführer kamen ihm seine Erfahrungen, die er sich als Stadtrat in Würzburg von 1882 bis 1891 erworben hatte, sehr zu statten. – Seither sind vom Woerl'schen Reisebücher-Verlag Führer von allen für den Fremdenverkehr in Betracht kommenden Ländern, Gegenden, Städten, Bädern und Sommerfrischen etc. herausgegeben worden, von denen die meisten in kurzen Zwischenräumen in Neuauflagen erscheinen. So liegt z.B. der Führer Frankfurt a. M. mit dem die Kollektion 1878 begründet wurde, heute in der XXX. Auflage vor. – Neben der Herausgabe dieser Reiseführer befaßte sich der Verlag auch mit umfangreichen Reise- und ethnographischen Werken. Es erschienen Baden, Bayern, Württemberg, Österreich-Ungarn, Sachsen, Schweiz, Italien, Rom, Griechenland, Spanien, Palästina, Nordamerika, Japan, Afrika, Amerika, Australien, Asien, Europa etc. – Erzherzog Ludwig Salvator, der bekannte fürstliche Schriftsteller, ließ große Werke seiner Feder im Woerl'schen Reisebücher-Verlage erscheinen, wir erwähnen besonders das Prachtwerk »Die Balearen«. In einem von Leo Woerl verfaßten Werke, betitelt: »Erzherzog Ludwig Salvator als Forscher des Mittelmeeres« sind alle diese Werke inhaltlich kurz behandelt.

Der Verlag hatte im Laufe der Jahrzehnte Verbindungen in aller Welt erhalten und Leo Woerl wurde durch viele fürstliche Ordens- und Titelverleihungen ausgezeichnet. Der Verlag wurde 1897 nach Leipzig, der Zentrale des deutschen Buchhandels verlegt.

Quelle:
Rudolf Schmidt: Deutsche Buchhändler. Deutsche Buchdrucker. Band 6. Berlin/Eberswalde 1908, S. 1055-1056.
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