Beyseyn

[989] Beyseyn, ein ungewöhnliches Zeitwort, von welchem im Hochdeutschen nur der Infinitiv als ein Hauptwort für Gegenwart; doch ohne Artikel und am häufigsten mit den Vorwörtern in und ohne gebraucht wird. Ohne jemandes Beyseyn. Es geschahe in meinem, in seinem Beyseyn. In Beyseyn einiger guten Freunde.


In Beyseyn der Alten verstellt sich die Jugend,

Haged.


Im Oberdeutschen gebraucht man dieses Wort auch außer der Verbindung mit den Vorwörtern in und ohne, welcher Gebrauch aber im Hochdeutschen ein wenig hart klingt; z.B.


Er war mir schon hinweg gegangen,

Und ich war seines Beyseyns los,

Opitz.


[989] So ist dein Beyseyn mir das liebste das man findt, ebend.

Anm. Ehedem war das Zeitwort beyseyn, für bey jemanden seyn, um ihn seyn, sehr gewöhnlich.


Das kumt von einer frouuen schoene

Der ich gerne were bi,

Ditmar von Ast.


Darzuo were ich dir vil gerne bi,

Ditmar von Ast.


Wen ich ir were bi,

Heinrich von Morunge.


Ingleichen für zugethan, ergeben seyn.


Min herze ist ir mit truiwen bi,

Reinmar der Alte.


Das si mir mit truiwen were bi,

Heinr. von Morunge.


Wie auch für bevor stehen.


Mir ist vil lichte ein froeide nahe bi,

Reinm. der Alte.


Quelle:
Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 1. Leipzig 1793, S. 989-990.
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