Bohne, die

[1116] Die Bohne, plur. die -n, Diminutivum das Böhnchen, Oberdeutsch das Böhnlein. 1. Eigentlich, eine längliche harte Frucht, welche sich in Hülsen oder Schoten verschiedener Pflanzen und Bäume erzeuget. Bohnen pflanzen. Türkische, Wälsche Bohnen, Gartenbohnen, Feldbohnen u.s.f.

2. Figürlich. 1) Bey den Pferden, ein schwarzer Fleck in den Höhlen der Eck- oder Spitzzähne, an welchen man das Alter eines Pferdes bis in das achte Jahr erkennen kann, und welcher auch der Bohnenkern, Bohnenkeim, Bohnenschuß, der Kern, die Kennung genannt wird, weil er dem schwarzen Keime auf den großen Bohnen ähnlich ist. Das Pferd hat die Bohne ausgefressen, oder hat sich ausgefressen, sagt man im gemeinen Leben, wenn die Bohne mit der Höhlung, worin sie sich befindet, nicht mehr vorhanden, sondern abgenutzet ist. 2) Verschiedene Pflanzen, welche statt des Samens Bohnen tragen, in welchem Falle dieses Wort im Plural am üblichsten ist. Dahin gehören, (a) die Türkischen Bohnen, Phaseolus, L. Sie werden auch Schminkbohnen genannt, weil sie sich an Stangen hinauf schmiegen oder ranken; Faselen oder Phaselen, nach dem Lat. Phaseolus; ingleichen Wälsche Bohnen, weil sie zunächst aus Italien zu uns gekommen sind. Im Nieders. heißen sie Rickbohnen, weil sie an Ricken, d.i. Stangen, wachsen, Vietsbohnen, und nach einer verderbten Aussprache, Fieksbohnen, weil sie noch spät im Frühlinge bis um Viti-Tag gepflanzet werden können. Eine Art derselben, welche krumme, säbelförmige Hülsen träget, wird im gemeinen Leben Säbelbohnen, in Preußen Schabbelbohnen genannt. Eine andere Art, welche nicht an Stangen hinauf wächset, sondern niedrig bleibt, und gleichsam an der Erde kriecht, heißt Zwergbohnen, und im Nieders. Kruperbohne, Krüper. S. Bodenbohne. (b) Die so genannten großen Bohnen, Feldbohnen, oder Puffbohnen, mit einem geraden aufrechten Stamme und Blattstielen; Vicia Faba, L. Sie sind am Caspischen Meere, an den Persischen Grenzen zu Hause, aber jetzt bey uns gemein genug. Eine kleinere Art derselben, Vicia faba minor, L. wird im gemeinen Leben kleine Bohnen oder Saubohnen genannt. (c) Die Feigbohne, Lupinus, L. S. dieses Wort.

Anm. Dieses Wort lautet im Nieders. gleichfalls Bone und in den gröbern Mundarten Baune, im Holländ. Boon, im Schw. Böna, im Dän. Bonne, im Angels. und Engl. Bean, im Isl. Baun, im Wallisischen Ffaen, im Griech. πυανος. Daß das Lat. Faba mit zu dieser Familie gehöre, erhellet aus dem alten Oberdeutschen Bohn, welches zuweilen für Bohne vorkommt. Das[1116] Böhmische und Pohlnische Bob, das Litthauische Pupa, und das Ungarische Bab, sind der alten Römischen Aussprache getreuer geblieben.

Quelle:
Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 1. Leipzig 1793, S. 1116-1117.
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