Hetzen

[1156] Hêtzen, verb. reg. so wohl eilen als eilen machen, die Bewegung einer Person oder Sache beschleunigen, in welcher weitesten und eigentlichen Bedeutung es aber großen Theils veraltet ist. Es ist,

I. Ein Neutrum, welches vermuthlich das Hülfswort haben bekommt, aber nur unter den Jägern für eilen, laufen, bekannt ist. Ein Fehler ist es, wenn der Leithund hinter einem jeden Vogel darein hetzet. Der Wolf hetzet nach dem Raube, oder zu seinem Fraße, d.i. er läuft, eilet, wofür bey den meisten Jägern trollen üblicher ist.

II. Als ein Activum, jagen, verfolgen, wo es noch Klagel. 3, 52 heißt, meine Feinde haben mich gehetzet, wie einen Vogel. Hier gebraucht man es nur noch in engerer Bedeutung von vierfüßigen Thieren, und besonders von den Hunden. Der Hund hetzet gern, bey den Jägern, von dem Leithunde, wenn er gern alle Thiere, welche ihm vorkommen, verfolget, sich mit ihnen herum jaget. Wenn eine Sau von einem Saubeller gefunden und gehetzet (verfolget) wird. Noch häufiger, vermittelst eines andern Thieres, besonders vermittelst der Hunde jagen, oder in voller Flucht verfolgen. Einen Ochsen mit Hunden hetzen, oder auch nur schlechthin, einen Ochsen hetzen. So auch, Bären, Wölfe, Esel, Hasen hetzen. Einen Fuchs todt, oder zu Tode hetzen. Hetzen reiten, auf die Hetze reiten. Ins Garn hetzen, bey den Jägern, ein Their vermittelst der Hetzhunde in das Garn treiben. Vom Strick aus hetzen, oder von dem Stricke hetzen, wenn man in freyem Felde hetzet. Auf den Ball hetzen, nach dem von dem Saufinder durch Bellen gegebenen Laute die Rüdenhunde auf die Sau anlassen. Einen Bettler von dem Hofe hetzen, mit Hunden von dem Hofe treiben. Auch figürlich, jemanden hetzen, ihn ohne alles Verschonen verspotten, aushöhnen, besonders wenn solches von mehrern zugleich geschiehet. Er ist mit allen Hunden gehetzt, sagt man im gemeinen Leben von einem Menschen, der sich in alle Fälle leicht zu schicken weiß, besonders von einem,[1156] der auf alle Ränke abgerichtet ist; wo die Figur von einem den Hetzhunden schon mehrmahls entgangenen und dadurch verschlagener gewordenen Thiere hergenommen ist.

III. Eilen, verfolgen machen, und in weiterer Bedeutung, anreitzen, antreiben.


Ir muindel rot hat mich an si mit dienste gehetzet,

Graf Werner von Honberg


Auch hier gebraucht man es nur noch in einigen Fälle, besonders von den Hunden. Den Hund an oder auf einen Ochsen hetzen. Die Hunde hinter jemanden darein, hinter ihm her hetzen. Hunde, Thiere an einander hetzen. S. Anhetzen. Ingleichen von Personen. Zwey Personen an einander hetzen, sie mit einander uneins machen, einen Zank, ein Mißverständniß unter ihnen stiften. Ich will die Egypter an einander hetzen, Es. 19, 2. Der Gottlose verwirret gute Freunde und hetzet wider einander die guten Frieden haben, Sir. 28, 12; wo es doch mit dem Vorworte wider im Hochdeutschen nicht gewöhnlich ist. S. auch Aufhetzen.

Das Hauptwort die Hetzung ist außer der Zusammensetzung nicht üblich.

Anm. In dem alten Fragmente auf Carls des Großen Feldzug hezzen, im Schwabensp. hetzen, im Nieders. hissen, im Holländ. hissen und hischen, im Schwed. hissa und hetsa, im Dän. hedse, im Florentinischen izzare, bey den übrigen Italiänern adizzare. Wachter leitet es von Aß, ätzen, ankörnen, Frisch von dem Geschrey der hetzenden Jäger he! he! und Ihre von heiß, Nieders. heet, Schwed. het, her. Die letzte Ableitung würde die wahrscheinlichste seyn, wenn es nicht noch eine bessere gäbe. Der harte zusammen gesetzte Laut in der Mitte des Wortes lässet schon vermuthen, daß es ein Intensivum, Frequentativum oder Factitivum seyn müsse; und das ist es wirklich, indem es so wohl sehr eilen, als sehr eilen machen bedeutet. Es muß also von einem Stammworte herkommen, welches hesen, oder, da es in gröbern Mundarten auch hatzen (S. Hatz) gesprochen wird, hasen lautet und eilen bedeutet; so wie das Lat. incitare von cito, eilig, gebildet worden. Und dieses Stammwort ist noch wirklich vorhanden, wie bereits bey den Wörtern Hase, Haschen und Hastig gezeiget worden. Indessen kann es seyn, daß Heiß, Hitze, und dieses veraltete hasen, eilen, und active jagen, in ihrem Ursprunge nahe mit einander verwandt sind. In dem Finnischen hasitan, hetzen, ist die intensive oder frequentative Form -ten, welche mit der Lat. Endung -tare überein kommt, noch reiner aufbehalten worden. Schon im Arabischen ist hazza antreiben, und im Hebr. א#ץ so wohl eilen, als treiben, eilen machen. Bey den alten Finnen und Lappen war Hyse der Gott der Jagd. Das Zeitwort hetzen, welches in dem Schwabensp. für grüßen vorkommt, gehöret nicht hierher, sondern zu heißen.

Quelle:
Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 2. Leipzig 1796, S. 1156-1157.
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