Keichen

[1535] Keichen, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, welches den Laut nachahmet, welchen man 1) macht, wenn man den Athem mit Mühe in sich ziehet. So keicht man bey einigen Arten des Hustens, bey der Schwindsucht, bey der Engbrüstigkeit, nach einer heftigen Bewegung, in heftigen Leidenschaften[1535] u.s.f. Im Oberdeutschen und selbst bey einigen Hochdeutschen Schriftstellern in der höhern Schreibart, keuchen.


Den Mund hab ich begierig aufgethan

Und ganz gekeucht aus innigem Belieben

Nach deinem Wort,

Opitz Ps. 119.


Wenn er durch Weihrauchwolken zeucht,

Die Kriegesfurie gefesselt an den Wagen

Des Überwinders keucht,

Raml.


Komm Lachen

Die Hände gestämmt in keuchende Seiten,

Raml.


In einigen Oberdeutschen Gegenden ist dafür das Frequentativum kakazen, im Nieders. kuchen, piechen, peichen, prichen, hachpachen, häsepesen, heisapen, hesapen, hastebaffen, himen, Holländ. himmen, helchen, (ἑλκειν, ziehen), anken janken u.s.f. üblich, wovon die meisten gleichfalls Nachahmungen des Lautes sind, theils auch besondere Arten des Keichens ausdrucken. 2) Da man bey einigen Arten des Hustens im Husten einen ähnlichen Laut von sich gibt, so wird ein solches Husten gleichfalls keichen genannt. Den ganzen Tag keichen, mit Engbrüstigkeit husten. Nieders. kuchen, kögen, kagen, kücheln, krücheln, Engl. to cough, wo auch Köge der Husten ist, Engl. Cough.

Quelle:
Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 2. Leipzig 1796, S. 1535-1536.
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