Latz, der

[1925] Der Latz, des -es, plur. die Lätze, Diminut. das Lätzchen, Oberd. Lätzlein, eine Benennung theils eines Kleidungsstückes, theils eines gewissen breiten Theiles einer Sache. 1) In den gemeinen Sprecharten ist der Latz oder Brustlatz ein Kleidungsstück ohne Ärmel, welches nur bis auf die Hüften reichet, und dessen sich beyde Geschlechter bedienen. Bey dem männlichen wird es in den anständigern Sprecharten ein Brusttuch, bey beyden aber auch ein Leibchen genannt. 2) Bey dem andern Geschlechte ist der Latz ein oben breites und unten spitzig zulaufendes, oft zierlich gesticktes oder besetztes Bruststück, welches vorne über die Schnürbrust gesteckt wird. Gemeine Personen bedienen sich anstatt der Schnürbrust auch eines solchen ausgesteiften Latzes, welcher alsdann ein steifer Latz genannt wird. Auch die obere Klappe an den Schürzen, welche die Brust bedeckt, heißt ein Latz, so wie an den Beinkleidern der Männer die noch unter gemeinen Leuten übliche breite Klappe an dem vordern Theile, unter dem Nahmen des Latzes oder Hosenlatzes bekannt ist. Bey dem Pictorius heißt das Oberleder an einem Schuhe der Überlatz, und im Oberdeutschen wird eine Capuze, ein Reisehut mit Klappen, eine Latzmütze genannt. 3) Im Hüttenbaue ist am Planenherde der Latz ein drey Zoll breites Stück Zwillich, welches unter das Gefälle gesteckt wird, damit die Erze nicht mit dem Wasser davon gehen.

Anm. So fern dieses Wort in den meisten Fällen ein Stück bedeutet, könnte man es mit dem alten lidon, schneiden, zu schlitzen, dem Oberdeutschen Blatz und Pletz, dem Lat. Lacinia, und andern dieses Geschlechtes rechnen; S. Lasche. Allein es scheinet vielmehr der Begriff der Bedeckung der herrschende zu seyn, da es denn mit Leder, Lied, ein Deckel, der Laden und Kleid verwandt ist. Mit dem Begriffe der Bedeckung ist der Begriff eines bedeckten oder hohlen Raumes sehr genau verwandt, daher schon im Salischen Gesetze Laisus den Schooß bedeutet. Im Böhmischen heißt ein Latz in der zweyten Bedeutung Lacok.

Quelle:
Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 2. Leipzig 1796, S. 1925.
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