Lau

[1925] Lau, -er, -este, adj. et adv. ein Wort, welches den ersten geringsten Grad der Wärme, besonders an flüssigen Körpern, ausdruckt. Laues Wasser. Das Wasser ist nicht heiß, sondern nur lau. In der Dichtkunst auch von der angenehmen gelinden Wärme der Luft.


Laue Lüfte, Wohlgerüche

Laden uns zum Tanz,

Raml.


– Es wehen lauere Lüfte

Dich, Kind der Sonne, gefälliger an,

Utz.


[1925] Ingleichen figürlich, für kaltsinnig, nicht den gehörigen Grad des Eifers habend. Eine laue Liebe. Sein Eifer läßt nach und wird schon ganz lau. Jemanden sehr lau empfangen, sehr gleichgültig, kaltsinnig. Siehe Laulich, Lauwarm und Lauigkeit.

Anm. Im Nieders. lau, im Angels. hliw, im Isländ. hle, hlyr, im Schwed. ly, ljum, im Engl. lukewarm, im Dän. mit eingeschobenen n, lunken. Im Niederdeutschen auch mit andern Ableitungslauten, flau, flack, black, slak, laak, flöp, flep, welche alle mit lau Eines Stammes sind, aber auch figürlich unschmackhaft, geschmacklos, unkräftig bedeuten, S. Flau. Es scheinet, daß dieses Wort zu Lohe, Lauge, glühen u.s.f. gehöret, und warm und hell überhaupt bedeutet habe, bis es durch den Gebrauch auf den geringsten Grad der Wärme eingeschränket worden. Dahin gehöret auch das Schwed. len, thauwarm, so gelinde, daß das Eis aufthauet, das Nieders. lüen, lühen, aufthauen, Oberd. leinen, das Holländ. lauen, wärmen, und lauwen, warm werden und warm machen. Auch im Hochdeutschen sagt man noch im gemeinen Leben, das Wasser lauet noch ein wenig, ist noch ein wenig lau, oder lauwarm.

Quelle:
Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 2. Leipzig 1796, S. 1925-1926.
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