Ritz, der

[1136] Der Ritz, des -es, plur. die -e, oder die Ritze, plur. die -n, Dimin. das Ritzchen, Oberd. Ritzlein, ein Wort, welches mit Riß Eines Ursprunges ist, aber im Gebrauche von demselben noch unterschieden wird. 1) Ein schmaler, in die Länge sich erstreckender fehlerhafter Spalt in harten Körpern; wo Ritze theils eine kleinere Spalte bezeichnet als Riß, theils auch härtere Körper voraussetzet. Eine Ritze in der Thür, in der Wand. Durch den Ritz oder durch die Ritze gucken. Daß die Häuser Ritze gewinnen, Almos 6, 11; wofür man doch lieber Risse sagen würde. Die Stein- oder Felsenritzen, Klüfte. Überhaupt ist Ritz in diesem Verstande ein wenig unedel, und man wird dafür größten Theils lieber Spalte gebrauchen. 2) Ein langer, schmaler, mit einem spitzigen Werkzeuge gemachter Riß auch in weichere Körper. Ein Ritz auf der Haut von einer Stecknadel. Niedersächsisch Schramme, im Bergbaue Pramme. Im Bergbaue wird auch diejenige Schramme oder Rinne, welche in das Gestein gehauen wird, die Keile darein zu setzen, ein Ritz genannt.

Anm. Im Nieders. Rete, welches aber auch einen Riß bedeutet, ingleichen Krete und Kritze, im Pohln. Rysa. S. Reißen. Im Hochdeutschen ist das männliche Geschlecht fast eben so gewöhnlich als das weibliche, obgleich das erstere doch am häufigsten vorkommt.

Quelle:
Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 3. Leipzig 1798, S. 1136.
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