Schau (2), die

[1378] 2. Die Schau, plur. inus. von dem Zeitworte schauen. 1) Der Zustand, da man gesehen wird; wo es doch, als ein ursprünglich Oberdeutsches Wort, im Hochdeutschen nur in einigen Redensarten und ohne Artikel üblich ist. Etwas zur Schau ausstellen, daß es von jedermann gesehen und besehen werden kann. Die Leichen werden zur Schau ausgestellet, wenn man sie von jedermann sehen läßt. Die Missethäter werden am Pranger zur öffentlichen Schau ausgestellet. Jemanden zur Schau herum führen.


Der königliche Pfau

Trägt seinen Schweif zur Schau,

Haged.


Nur zur Schau da stehen, nur um gesehen zu werden. 2) Die Handlung des Besehens oder Besichtigens, als ein ursprünglich Oberdeutsches Wort; gleichfalls nur in einigen Fällen. Ehedem war die Heerschau die Besichtigung eines Kriegsheeres, die Revue. Die Deichschau oder Deichschauung ist in den Niederdeutschen Marschländern die obrigkeitliche Besichtigung der Deiche. Besonders die von gewissen verpflichteten Personen vorgenommene Besichtigung gewisser Waaren, ihre gehörige Güte zu erkennen; wo es gleichfalls zunächst aus dem Oberdeutschen herstammet. Die Schau halten oder vornehmen. Auf Schau und Probe arbeiten, seine Arbeit beschauen und probieren lassen. Figürlich werden an einigen Orten so wohl die zur Besichtigung gewisser Waaren verordneten Personen, welche auch wohl das Schauamt heißen, als auch der Ort, das Gebäude, wo diese Besichtigung geschiehet, die Schau genannt. In den Niederdeutschen Marschländern führet diesen Nahmen auch der ganze District, welchen ein Deichgräve zu beschauen oder zu besichtigen hat. S. Schauen.

Quelle:
Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 3. Leipzig 1798, S. 1378.
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