Schnellen

[1600] Schnêllen, verb. reg. welches in doppelter Gestalt üblich ist. I. Als ein Neutrum, mit den Hülfswörtern haben und seyn. 1. Eigentlich, sich mit Schnell- oder Federkraft schnell fortbewegen. Ein gespannter elastischer Körper schnellt zurück, schnellt ab, wenn er seiner Schnellkraft schnell und ohne Hinderniß überlassen wird; mit seyn. Eine Feder schnellen lassen, wenn sie gespannt war, und man sie nunmehr sich selbst überläßt. In weiterer Bedeutung läßt man auch eine Wage schnellen, wenn man sie ungehindert schnell auf- oder niedersteigen läßt. 2. * Figürlich, schnell seyn, eilen, mit haben; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung, in welcher man ehedem sagte, schnelle dich, d.i.[1600] eile. Angels. snellian. Die Jäger gebrauchen es noch zuweilen von dem Leithunde figürlich, wenn er vorschnell oder voreilig anschlägt.

II. Als ein Activum. 1. Denjenigen Schall hervor bringen, welchen dieses Zeitwort nachahmet, wo es in der anständigen Sprechart für knippen, schnippen, Knippchen, Schnippchen schlagen, üblich ist, und alsdann auch wohl schnallen und intensive schnalzen lautet, siehe diese Wörter. Mit den Fingern schnellen.


Unterdeß thut der am besten

Wer zu Trotz der tollen Welt,

Bey vergnügt und klugen Gästen,

Lustig mit den Fingern schnellt,

Günth.


2. Jemanden schnellen ist auch in vielen Gegenden, ihm mit dem an den Daumen gedruckten und mit Schnellkraft los gelassenen Mittelfinger einen schnellen Stoß geben, wofür im Oberdeutschen auch schnallen und schnalzen üblich ist. Jemanden auf die Finger schnellen. Jemanden vor die Nase schnellen, ihm einen Nasenstüber geben. S. Schneller. Bey den Jägern schnellt man den Leithund, wenn man ihm mit dem Hängeseile einen Zucker, d.i. einen mit einem Zuge verbundenen Schlag auf den Rücken gibt. 3. Schnellen machen, mit Schnellkraft forttreiben. 1) Eigentlich. Los schnellen, einen gespannten elastischen Körper seiner Schnellkraft überlassen. Füchse schnellen, sie mit Schnellkraft in die Höhe werfen, wofür auch prellen üblich ist. Einen Stein in die Luft schnellen. Jemanden in das Wasser schnellen, mit Schnellkraft stoßen. Das Rad schnellt den Koth in den Wagen, wofür man auch schlenkern sagt. 2) Figürlich. Jemanden schnellen, ihn durch Geschwindigkeit, und in weiterm Verstande, auch durch List bevortheilen. Um zehen Thaler geschnellt werden. Schwed. snilla. Prellen ist in eben diesem Verstande üblich. So auch das Schnellen.

Anm. Schnellen gehöret zu schnallen, welches eigentlich das Neutrum von schnellen ist, aber doch einen gröbern Laut nachahmet als dieses. S. dasselbe.

Quelle:
Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 3. Leipzig 1798, S. 1600-1601.
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