Wässern

[1410] Wässern, verb. regul. welches auf doppelte Art üblich ist. 1. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben. (1) Sein Wasser lassen, doch nur bey den Jägern, besonders von wilden Thieren, welches auch feuchten und nässen genannt wird. Im Niedersächsischen ist watern gleichfalls sein Wasser abschlagen. (2) Der Mund wässert ihm, läuft ihm voll Wasser, am häufigsten im figürlichen Verstande, er bekommt ein lebhaftes Verlangen darnach. Das Maul wässert ihm bereits darnach, er wird darnach lüstern. S. Wässerig. Opitz gebraucht dieses Verbum auf eine ungewöhnliche Art von den Zähnen. Die Zähne wässern ihm. 2. Als ein Activum. (1) Mit Wasser befeuchten, benetzen. So wässert man die Wiesen, wenn man sie unter Wasser setzt. Der Nil wässert Ägypten, befeuchtet es. Im figürlichen Verstande heißt es im Zachariä:


Er saß bey vollen Fässern,

Fern von des Herrn Geschrey, den dürren Hals zu wässern.


(2) Mit Wasser vermischen, verdünnen, Den Wein, das Bier wässern. (3) In Wasser einweichen. Häringe, Stockfische, geräuchertes Fleisch, einen Braten u.s.f. wässern, welches oft bloß, wie z.B. bey frischem Fleische, in der Absicht des Waschens geschiehet. Flachs, Hanf wässern, im gemeinen Leben rösten, Nieders. röthen. Die Felle wässern, einweichen, bey den Gärbern. (4) Dem Wasser ähnlich machen. So werden manche Zeuge gewässert, wenn man sie anfeuchtet und presset, da sie denn einen der Wasserfläche ähnlichen Glanz bekommen, welches mit einem Französischen Worte auch moiren genannt wird. Die Schlösser wässern ihr Laubwerk von Eisen, wenn sie demselben am Rande eine wellenförmige Gestalt geben, S. Wasserlaub.

S. auch das Wässern, und die Wässerung, doch letzteres nur in der ersten activen Bedeutung.

Quelle:
Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 4. Leipzig 1801, S. 1410.
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