Westen

[1510] Wêsten, und ohne adverbische Endung nur West, ein Adverbium, diejenige Himmelsgegend zu bezeichnen, wo die Sonne untergehet. Es wird indessen nur mit einigen Präpositionen gebraucht. Der Wind kommt aus Westen. Es ziehet sich ein Gewitter in Westen zusammen. Gegen Westen fahren, segeln. Das Wort ist alt, und wurde schon von Carln dem Großen zwar nicht erfunden, aber doch aus einer der Deutschen Mundarten Statt eines andern nicht so schicklichen Nahmens ausgehoben, da es denn bey ihm Westroni lautet, bey dem Notker westere, im Engl. West. Es scheinet, daß es mit dem Lat. Vespera im Grunde Eines Stammes ist. Andere lassen es von wehen abstammen, weil die Abendwinde in Europa die häufigsten und stärksten zu seyn pflegen. In der Schifffahrt ist das verkürzte West am üblichsten, da man denn allerley Zusammensetzungen damit macht, die zwischen den Hauptgegenden möglichen Gegenden zu bezeichnen, nordwest, westnordwest, westwestnordwest, u.s.f. Von der Form dieses Wortes S Ost, Osten und Süden. Als ein Substantiv, folglich mit dem Artikel, kommt es nur zuweilen bey den Dichtern vor.

Quelle:
Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 4. Leipzig 1801, S. 1510.
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