Valentinianer

[446] Valentinianer waren eine gewisse Secte im 2. Jahrhundert, die den Namen von ihrem Stifter, Valentin, erhielten. Dieser, aus Egypten gebürtig, hatte zu Alexandrien studirt, und durch seine Beredtsamkeit und Gelehrsamkeit einen ausgezeichneten Namen sich erworben. In der Folge aber trennte er sich von der Kirche und breitete seine Lehren und Irthümer in Egypten unterm Papst Hyginus auch zu Rom immer weiter aus. Er wurde deshalb zweimal aus der Kirche verstoßen und zuletzt gar auf immer verwiesen. Seine Irrlehren nun, die er theils mündlich, theils auch in Schriften (unter andern in einem Werke Sophia) verbreitete, gingen darauf hinaus, daß er [446] 30 Aeonen (und zwar 15 männlichen und 15 weiblichen Geschlechts) annahm, aus denen die Fülle der Gottheit bestehen sollte, und welchen der Schöpfer der Welt und die Engel untergeordnet wären. Das Haupt und die Quelle aller jener Aeonen wäre der einige unsichtbare, ewige, unbegreifliche Gott, Proarche, Propator, auch Bython genannt etc. etc. Aus allen geht wol so viel hervor, daß Valentin sein System aus heidnischen, jüdischen, christlichen Lehrsätzen zusammengetragen habe und daß die egyptische Philosophie der Pythago risch-Platonischen Weltweisen den Hauptstoff dazu hergegeben, welcher von den Juden in ihrer geheimen Metaphysik oder Cabbala ausgeputzt und dann mit den Geheimnissen der christlichen Religion vereinigt worden. – Er hatte viel Schüler und Anhänger, die besonders zur Zeit des heil. Irenäus sich sehr ausbreiteten und Zulauf erhielten.

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Brockhaus Conversations-Lexikon Bd. 8. Leipzig 1811, S. 446-447.
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