Neugranada

[412] Neugranada, früher ein Theil Columbien's, jetzt selbstständiger Freistaat in Südamerika, mit etwa 1½ Mill. Ew. auf 22,000 Quadrat M., ein schönes Land, voll der merkwürdigsten Gegensätze. Unermeßliche Ebenen (Llanos) neben den vulkanischen Riesenmassen der Anden, bald der üppigste Boden, begrenzt von todten Sandwüsten oder undurchdringlichen Sümpfen. Der mächtige Magdalenenstrom, der Rio Negro und viele andere Flüsse gleichen Silberstreifen, während daneben furchtbare Katarakte aus den Bergen niederstürzen. Die tropische Vegetation ist unendlich üppig, erreicht doch die Wachspalme in den Urwäldern 180 F. Höhe! Außer den gewöhnlichen Produkten der heißen Zonen liefern die[412] Wälder der Anden die heilsame Chinarinde, die Berge aber Gold, Platina und Edelsteine. Zahllose Heerden wilder Stiere und Pferde bevölkern die Ebenen, Jaguar's und Riesenschlangen machen nebst andern wilden Thieren die Wälder gefährlich. Die Hauptmasse der Ew. besteht aus Indianern und Farbigen, obgleich die Kreolen und Europäer den ersten Rang behaupten. Sclaven gibt es kaum noch 30,000 und auch diese müssen in 20 Jahren freigegeben werden. Die Frauen haben wenig eigenthümliches; sie sind meist klein und sehr stark, und nur in den nördlichen Distrikten begegnet man schönen Formen. Jene Zeit, in der die Frauen von Bogota für 100,000 Piaster Schmuck von Gold und Edelsteinen an sich trugen, ist verschwunden, kein Land aber so reich an innern Hilfsquellen, so daß ruhige Zeiten gewiß auch neuen Wohlstand bringen werden. Die Hauptstadt Bogota mit 45,000 Ew. gilt für eine der schönsten Städte Südamerika's, außerdem verdient Carthagena mit 27,000 Ew. Erwähnung.

S.

Quelle:
Damen Conversations Lexikon, Band 7. [o.O.] 1836, S. 412-413.
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