Complication

[184] Complication: Verbindung, Vereinigung, Vereinheitlichung einer Mannigfaltigkeit: 1) Metaphysisch. Nach NICOLAUS CUSANUS ist die Welt eine Explication Gottes, und dieser die »complicatio omnium«, »Deus complicite est omnia« (De doct. ignor. II, 3). Auch R. FLUDD erklärt, »ut omnes res essent complicite in potentia divina« (Phil. Mos. 1, 3, 2). 2) Psychologisch. Nach HERBART »complicieren« sich die nicht entgegengesetzten Vorstellungen (wie Ton und Farbe), soweit sie ungehemmt zusammentreffen, im Bewußtsein zu einem Ganzen, entweder vollkommen oder unvollkommen (Lehrb. z. Psychol.3, S. 21 f.). Nach FORTLAGE sind Complicationen Verbindungen ungleichartiger Bewußtseinsinhalte (Psychol. I, 169, 174). Nach LIPPS ist Complication »die räumliche Verbindung disparater Vorstellungsinhalte« (Gr. d. Seelenleb. S. 579). WUNDT versteht unter Complicationen »die Verbindungen zwischen ungleichartigen psychischen Gebilden« (Gr. d. Psychol.5, S. 281). Gegenüber der Assimilation erscheint die Complication als eine losere Verbindung (ib.). Unter den verbundenen Gebilden ist eines das »herrschende«, klarer bewußte (l.c. S. 2S2). Oft ist die Existenz einer Complication nur durch ihre Gefühlswirkung bemerkbar (ib.). Nach KÜLPE sind Complicationen Verbindungen von Empfindungen, »bei denen die gleichzeitigen Componenten verschiedenen Sinnen angehören« (Gr. d. Psychol. S. 328).

Quelle:
Eisler, Rudolf: Wörterbuch der philosophischen Begriffe, Band 1. Berlin 1904, S. 184.
Lizenz:
Faksimiles:
Kategorien:
Ähnliche Einträge in anderen Lexika