Caenêvs

[598] CAENÊVS, ëi, Gr. Καινεὺς, έως, des Atrax, Anton. Liberal. c. 17. oder, nach andern, des Elatus Sohn, Hygin. Fab. 14. & 242. wiewohl doch einige beyde nur für eine Person halten; Heins. ad Ovid. Metam. XII. 189. daher er denn daselbst bald Elateïa proles bald Atracides genannt wird. Er hieß anfangs Cönis, und war ein Frauenzimmer von gar sonderbarer Schönheit, daher sie auch von vielen Freyern gesuchet wurde. So gar Neptun verliebete[598] sich in sie, und, nachdem er sie zu seinem Willen gehabt, so gewährete er ihr dafür nicht nur ihrer freygestellten Bitte, und verwandelte sie in ein Mannsvolk, sondern machete sie auch darzu so fest, daß sie auf keine Art konnte verwundet werden. Hygin. l. c. Ovid. Metam. XII. 189. sqq. Es war aber dieser verwandelte Cäneus ein König der Lapithen. Didym. ad Hom. Il. Α, 264. und half das kalydonische Schwein mit erlegen. Ovid. Metam. lib. VIII. v. 305. Cf. Apollon. lib. I. v. 58. & ad eum Schol. l. c. Er tummelte sich auch hernachmals insonderheit auf des Pirithous Hochzeit wider die Centauren dermaßen, daß er allein deren sechse, nämlich den Stiphelus, Bromus, Antimachus, Helimus, Pyrakmon und Latreus niedermachte, von denen insonderheit letzterer zwar seine Stärke an ihm versuchte, jedoch, da er ihn nirgends mit seinem Schwerte verwunden konnte, sondern dieses, wie von einem Felsen wieder abprallete, endlich von dem Cäneus auch niedergestoßen wurde. Allein, da der Centaur Monychus den übrigen von seinem Haufen zuletzt den Rath gab, insgesammt den Cäneus anzufallen, und, weil er nicht verwundet werden konnte, ihn mit ausgerissenen Bäumen nieder zu schlagen, so warfen sie deren endlich so viel auf ihn, daß so wohl der Berg Othrys darvon ganz entblößet, als auch Cäneus so damit überhäufet wurde, daß er endlich unter der Last umkommen mußte. Jedoch wollen einige, er sey dennoch davon nicht gestorben, sondern in einen Vogel seines Namens verwandelt worden; Ovid. l. c. lib. XII. v. 459. andere geben vor, daß die ganze Last der Bäume ihn nicht niederzulegen vermocht, wohl aber lebendig und so aufrecht stehend unter die Erde hinunter gedruckt habe. Orpheus Argo. naut. v. 168. & Schol. Apollon. l. c. Indessen war er es doch vornehmlich nach einigen, der sich dem Eurytion widersetzete, als er nach des Pirithous Braut griff. Pausan. Eliac. prior. c. 10. Seine Sohne waren Koronus, Apollon. l. c. und Eneus, Orpheus l. c. welche [599] beyde mit unter die Argonauten gerechnet werden. Er soll auch selbst unter denselben mit gewesen seyn, wiewohl sich doch einige Schwierigkeiten dabey finden. Burman. Catal. Argon. v. Cæneus. Sonst wollen einige, daß er mit Knütteln von seinen Feindin in die Erde geschlagen worden. Serv. ad Virg. Aen. VI. v. 448. Er soll auch nach seinem Tode wieder zu einem Frauenzimmer geworden seyn, in welcher Gestalt ihn denn Aeneas in dem Lande der Todten antraf. Virg. l. c. Wenn es aber einigen nicht unbillig unglaublich scheinen will, daß ein Mensch mit Eisen und Gewehre nicht sollte verletzet werden können, so deuten sie dessen ganze Festigkeit dahin, daß er als ein tapferer und gewandter Soldat, zwar in vielen Schlachten mit gewesen, allein in keiner verwundet worden, bis ihn endlich seine Feinde ergriffen, und lebendig unter die Erde verscharret. Als man nun einige Zeit darnach dessen Leib ganz und unversehrt gefunden, so habe man geglaubet, daß er aller dings fest und unverletzlich gewesen. Palæph. c. 11.

Quelle:
Hederich, Benjamin: Gründliches mythologisches Lexikon. Leipzig 1770., Sp. 598-600.
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Hederich-1770: Caenêvs [1]