Paulus Ting (241)

[753] 241Paulus Ting stammte aus der höchsten Adelsklasse im Königreich Korea. Bei dem Martertode seines Vaters Augustinus und seines Bruders Karl im J. 1801 war er erst sieben Jahre alt. Seine Mutter Cäcilia suchte für sich, ihren Sohn Paulus und ihre Tochter Elisabeth eine Zuflucht auf dem Lande, da ihre zahlreichen heidnischen Verwandten in der Stadt ihr keine Aufnahme gaben. Als Paul in Gottesfurcht herangewachsen, beklagte er mit Thränen, daß die Gläubigen Koreas ohne Hirten und ohne Sacramente leben müßten. Er wandte sich wiederholt an den Bischof von Peking, da er im Dienste eines Regierungsdolmetsch acht bis neunmal nach China zu reisen Gelegenheit hatte, und schrieb in Verbindung mit mehreren Katecheten auch an den Papst, um einen Hirten zu erhalten. Einige Jahre später erhielten sie einen Bischof und zwei Priester. Der Bischof, welcher die Talente und den Eifer Pauls kennen lernte, veranlaßte ihn, Theologie zu studiren. Als er im Begriffe war, ihn zum Priester zu ordiniren, brach die Verfolgung aus. Paulus verfaßte eine Vertheidigungsschrift des Glaubens, in der Absicht, sie dem Richter zu übergeben, wenn er vor Gericht gebracht werden sollte. Wirklich wurde er angezeigt, und die Gerichtsdiener schleppten ihn sammt seiner Mutter und Schwester vor den Richter. Diesem händigte er seine Schutzschrift ein. Obschon der Richter die Wahrheit, die darin ausgesprochen war, anerkannte, befahl er ihm doch, nach dem Willen des Königs sich zu richten und seiner Religion zu entsagen. Da aber Paulus immer nur sprach: »Ich bin ein Christ und will Christ bis zu meinem Tode sein,« ward er der ausgesuchtesten Grausamkeit der Schergen preisgegeben und zuletzt zum Tode verurtheilt. Als er an das Kreuz gebunden und sammt diesem auf den Armensünderwagen gelegt wurde, fuhr er freudig nach dem Richtplatze, wo er nach überstandenen zeitlichen Leiden im 15. Lebensjahre zur ewigen Seligkeit gelangte.


Quelle:
Vollständiges Heiligen-Lexikon, Band 4. Augsburg 1875, S. 753.
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