Theophylactus, S.

[495] S. Theophylactus (Theophilus), (8. März). Dieser hl. Bekenner und Metropolit von Nicomedia in Bithynien war ein muthiger und standhafter Vertheidiger der Bilderverehrung. Im Orient geboren, kam er in früher Jugend nach Constantinopel und wurde Hausfreund des großen Kirchenlichts Tarasius, als dieser noch erster Geheimschreiber war. Von ihm er hielt er seine Ausbildung. Als Tarasius auf den Patriarchenstuhl von Constantinopel erhoben wurde, ging Theophylactus ins Kloster, und weil er in Wissenschaft und Tugend immer größere Fortschritte machte, wurde er auf den bischöflichen Stuhl von Nicomedia erhoben. Dort leistete er Außerordentliches; er errichtete Zufluchtsstätten für Kranke, für Wittwen und Waisen und spendete reichliche Almosen; er wusch Blinde, Lahme und Verwundete mit eigener Hand. Da erneuerte der Kaiser Leo der Armenier (v. J. 813–820) die Verfolgung der Bilder und Bilderverehrer. Der heil. Patriarch Nicephorus (s. d.) rief mit andern Bischöfen auch den heil. Theophylactus nach Constantinopel und begab sich mit ihnen zum Kaiser, um ihn durch Beweise aus der hl. Schrift zu überführen. Als der hl. Theophylactus sah, daß der böse Wille den Verstand des Kaisers der Art verdunkelte, daßß auch die triftigsten Gründe ihren Eindruck verfehlten, sprach er zu ihm: »Ich sehe, daß du die Geduld und Langmuth Gottes verachtest. Aber es wird über dich plötzlich ein böser Ausgang kommen, ein Unfall ähnlich einem Sturme, aus dem dich Niemand erretten wird.« Darauf verurtheilte der Kaiser sämmtliche Bischöfe zur Verbannung: den heil. Nicephorus auf die Insel Tafus, den heil. Bischof Michael, von Synnada nach Eudocias, Andere nach andern Orten, den heil. Theophylactus aber nach Strobilum in Carien, wo er 30 Jahre bis zu seinem im J. 840 erfolgten Tode verweilte. Als unter der katholischen Kaiserin Theodora die Bilderstürmerei nachließ und unter dem heil. Patriarchen Methodius der katholische Glauben wieder zur Geltung kam, wnrde der Leib des hl. Theophylactus von dem Orte seiner Verbannung nach Nicomedia gebracht, und in einer von ihm erbauten Kirche beigesetzt. In den Menäen wird er oft auch Theophorus genannt und kommt im Mart. Rom. am 7. März unter dem Namen Theophilus vor. (I. 787–789.)


Quelle:
Vollständiges Heiligen-Lexikon, Band 5. Augsburg 1882, S. 495.
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