Aurikel

[340] Aurikel (Primula Auricula) ist eine sog. »Blumistenblume«, d.h. eine solche, von welcher ganze Sortiments cultivirt werden, wie von der Nelke, Rose, Tulpe u.a.m. Der Blumist unterscheidet Luiker (holländische, mit ausgerandeten Abschnitten, einfärbig und nicht gepudert, aber schön sammtartig) und geschilderte (englische, mit gepuderten, nicht ausgerandeten, sondern zugespitzten Abschnitten und mit 2–3 Farben getuscht); eine gute Blume muß ferner ein großes, rundes Auge haben, rein weiß oder gelb und sein gepudert sein, die Oeffnung in der Mitte geschlossen durch die Staubbeutel, aber die Griffelnarbe nicht sichtbar, die Randfarbe abstechend vom Auge, keine Blume unter 1/2 Zoll Durchmesser, die einzelnen Blumenstielchen kurz und stark, der Hauptschaft aber dick und steif und vielblumig. – Das Wesentliche der Anzucht aus Samen besteht in einer etwas sandigen, sonst aber nicht gedüngten Rasenerde, nur ganz leichter Bedeckung des Samens und mäßigem Feuchthalten des im ersten Frühjahr auf gesäeten Samentopfes, der nicht zu warm stehen darf. Nach 5–6 Wochen kann man so junge A.-Pflänzchen genug haben, welche fast nicht frühe genug versetzt werden können, etwa auf 1 Zoll Entfernung in Kistchen oder Töpfe, die schon nach wenigen Tagen ganz wohl an einen geschützten Ort im Freien gebracht werden dürfen, wo sie bleiben bis gegen den August hin, wo sie gegen Regen geschützt werden müssen, bis sie in ihr frostfreies Winterquartier kommen. Im Frühling nimmt man die obere alte Erde, gelbe Blätter etc. weg, gibt frische, kräftige Erde aus 2 Theilen Rasen-, 2 Theilen Laub-, 1 Theil Moorerde und 1 Theil Sand, begießt allmählig häufiger, und wenn nun diese Sämlinge blühen, werden die schlechten Blumen ausgemerzt und nur gute behalten, Nach der Blüthe sind alle A, [340] sehr zur Fäulniß geneigt, weßhalb Vorsicht im Begießen und fleißiges Ablesen der gelben Blätter und abgestorbener Blumenstiele nicht genug empfohlen werden kann. – Aeltere A.-Pflanzen werden am besten im August verpflanzt, wobei mittelst Abnahme bewurzelter Seitentriebe die Vermehrung der besten Sorten stattfinden muß, und der alte Wurzelstock von unten herauf weggeschnitten werden darf bis an die Stelle, woraus neue Wurzeln sich entwickeln. Nach dem Versetzen mäßiges Angießen am Rande des Topfes herum, im Uebrigen aber wenig Wasser und nach und nach immer trockenere Haltung. Ganz das Gleiche gilt von der Behandlung der Primelnsorten (Primula acaulis und vulgaris) und im Allgemeinen auch der Primula sinensis oder praenitens und ihrer Spielarten (rosenroth, weiß, diese beiden gefranzt, und dieselben mit doppelten Blumen), nur daß diese immer im Glashaus bei viel Helle und Sonnenschein überwintert werden muß. (Vergl. auch Primulaceae.)

Quelle:
Herders Conversations-Lexikon. Freiburg im Breisgau 1854, Band 1, S. 340-341.
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