Jacaranda

[564] Jacaranda.

Jacaranda, G. Pison. ist ein indianischer Baum, dessen es zwey Sorten giebet: eine mit weissen, und eine mit schwartzen Holtze: beydes ist hart, schön und gescheckt.

Die weisse ist ohne Geruch, den Pflaumenbäumen in Europa ähnlich. Das Laub ist klein, und vorne zugespitzt, obenher gleissend und unten weiß, stehet gegen einander über an den Aesten, so lang sie sind. Ein jeder Zweig treibt gar viel kleine Sprossen, welche viel Tage hindurch einen Hauffen Knöpfe tragen, oder Knospen, die so dicke sind, als wie die Kirschenkerne, stehen beysammen gleichwie Träublein, und sehen olivenfarben aus: wann dieselbigen sich öffnen, zertheilet sich ein jeder in fünff Blätterlein, welche sich herunter beugen, und inwendig dem Gesicht und dem Gefühle als wie einen seidenen, olivenfarbigen und gläntzenden Rock darstellen. Zwischen den Blättern des Baums wächst eine Blume, aus einem einigen Stücke bestehend, die ist schier gäntzlich rund und gelb, von lieblichem Geruch, öffnet sich auf der Seite, und stösset aus der Mitten einen gantzen Hauffen weisse Fäslein hervor, mit gelben, ziemlich grossen Zünglein oder Spitzlein obenher besetzet, die als wie seidene Kehrbesen anzusehen. Nach diesen Blumen folget eine Frucht, so groß, als wie die hole Faust, deren Gestalt aber durch das auf ihr befindliche Spiel der Natur recht unvergleichlich rar und seltsam sieht; dann sie ist ungleich, höckrigt und gar sehr gekrümmt, hänget wegen ihrer Schwere beständig unter sich, sieht grün und weiß unter einander, und ist mit einer grün und weissen Substantz angefüllet, dessen sich die Leute in dem Lande an statt der Seiffe zu bedienen pflegen. Die Frucht kochen und essen sie; nennen dieselbige Manipoy.

Die schwartze Jacaranda ist von der vorigen blos darinne unterschieden, daß ihr Holtz schwartz, so hart und veste ist, wie das Guaiacumholtz, jedoch wolriechend.

Das Holtz wird gut erachtet den Schweiß zu treiben und zu trocknen: die Frucht aber soll dem Magen dienlich seyn.

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Lemery, Nicholas: Vollständiges Materialien-Lexicon. Leipzig, 1721., Sp. 564.
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