Jasmin

[570] Jasmin.

Jasminum, frantzösisch, Jasmin, teutsch, Jasmin, Jesmin, ist ein Gewächse, davon man zwey Sorten hat.

Die erste heist

Jasminum, Dod.

Jasminum luteum, Ger. Park.

Gelseminum vulgare, Ad. Lob. Cæf.

Jasminum vulgatius, flore albo, C.B. Pit. Tournef.

Jasminum, seu Gelseminum flore albo, J.B. Raji Hist.

Gesminum, Anguill.

frantzösisch, petit Jasmin, oder Jasmin commun.

teutsch, gemeines Jasmin.

Ist ein Strauch, der einen Hauffen Zweige treibet, welche sehr lang und dünne sind, knotig, gar biegsam, grün, und breiten sich weit aus, legen sich auch nieder, wann sie nicht gestäbelt werden oder aber an einer Mauer stehen, und sind mit weissen, schwammigen Marck erfüllt. Seine Blätter sind lang und spitzig, vergleichen sich dem Wickenkraut und stehen gleichsam Paarweise, langs an den Stengeln, daran zu Ende nur ein einig Blatt zu sitzen pflegt. An iedem Stengel stehen insgemeine sieben Blätter, bisweilen auch nur fünffe, die sind glatt, und gar schön grün. Die Blumen wachsen in Gestalt kleiner Umbellen auf den Spitzen der Zweige, sind zwar klein, iedoch gar angenehm, weiß, und von süssen, sehr lieblichen Geruch. Eine iedwede ist ein Röhrlein, das oben ausgeschweifft, und wie ein Sternlein fünffmahl zerkerbet ist. Wann die Blüte vergangen, so folgt bisweilen eine runde, weiche und grünlichte Beere, die beschliesset einige runde und breite Samen. Allein in denen Nordwärts liegenden Ländern vergehet sie und hinterlässet keine Frucht. Die Wurtzel ist zaserig.

Die andere Sorte heist

Jasminum Hispanicum flore externè rubente, J.B. Pit. Tournefort.

Chamægelseminum grandiflorum, Lob.

Jasminum humilius magnoflore, C.B. Raji Hist.

Jasminum Catalonicum, Park.

Gelseminum humilius primum, Clus.

frantzösisch, Jasmin d'Espagne.

teutsch, spanischer oder catalonischer Jasmin.

Der ist von jenem darinn unterschieden, daß seine Stengel um ein gut Theil kürtzer oder niedriger, doch aber gar viel stärcker sind: daß seine Blätter um ein gutes breiter, hingegen nicht so spitzig, sondern vorn am Ende rundlicht sind: und daß auch seine Blumen um ein gar grosses breiter, grösser und wolriechender, inwendig weiß, auswendig röthlicht sehen.

Beyde Arten werden in den Gärten gezogen. Ihre Blüten, insonderheit die von dem spanischen[570] Jasmin, dienen für die Parfumirer. In warmen Landen geben sie einen weit stärckern Geruch, als die in temperirten Orten gebauet werden. Bisweilen werden sie auch zur Artzney angewendet. Ihr Geruch läst sich durchs destilliren nicht absondern, noch erhalten, dann ihre flüchtige Substantz vermischt sich mit dem Schleim, der dabey zu befinden, wann nur auch die geringste Hitze gegeben wird. Will man demnach diesen Geruch gern haben, so muß solches ohne Feuer geschehen, entweder vermittelst des Beenöls, oder aber mit recht rein gewaschenen Schweineschmaltze, auf Art und Weise, wie die Parfumirer es zu machen pflegen.

Die Jasminblüte führet viel ziemlich kräftig Oel und Sal essentiale.

Sie eröffnet, erweichet, macht zeitig: sie wird zu Erweichung der scirrhösen harten Geschwulsten gebrauchet, zu Beförderung der Geburt, den Schnupfen lauffend zu machen, den schweren Athem zu benehmen, und zu dem Seitenstechen. Sie wird innerlich und äusserlich gebraucht.

Jasminum soll von dem griechischen Worte Jasme kommen; und dieses soll soviel als odor medicinalis bedeuten, ein guter, heilsamer Geruch: dieweil die Jasminblüte einen starcken Geruch hat und zu der Artzney dienlich ist. Andere wollen es von dem hebräischen Samin, ein guter Geruch oder Räucherwerck, herleiten: weil diese Blume den Ort gleichsam durchräuchert, woselbst sie hingestellet wird.

Quelle:
Lemery, Nicholas: Vollständiges Materialien-Lexicon. Leipzig, 1721., Sp. 570-571.
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