|
[267] 1. Frölich wölln wir singen,
kein trawrigkeit nit pflegen,
die zeit thut rosen bringen,
die sonn scheint nach dem regen,
und nach der finster nacht
scheint sich der helle liechte tag, nach dem winter kalt,
kommt sich der sommer volgestalt,
Also hoff ich, bis sich
das glück auff mich,
in kurtzer zeit umbwendet,[267]
Darumb ich wil
sein still, bis ich erfüll,
darnach sich mein hertz thut lenden.
2. Ja wer es denn ein wunder,
das sie mir thet auffsagen,
das gleich mit einem donner,
mein hertz würde mir erschlagen,
sterben wolt ich ehe,
ehe ich vergieng gleich wie der schnee,
Ich steh darzu all tag mit klag
an solchem ort,
magst nehmen oder geben,
Darumb dein zier,
hilff rath (mir), eh ich verlier,
mein gemüt und fröliches wesen.
3. Fraw Venus durch dein güte,
steig herab und hilff zun sachen,
gott grüs mir das edle blute,
das mir thut frewden machen,
ich deucht mich selig sein,
ja solt ich werden jr bule fein,
Ich wünsch mir auch nicht mehr,
denn ich preis jr ehr fast sehr,
jr gemüt und gestalt,
mein frewd, mein auffenthalt,
von Gott ist sie begabet,
Schön jung und fromb,
kurtzumb in einer summ,
sie ist von mir gelobet.
4. Ich bin so gar jnbrünstig
in kurtzer zeit entzündet,
ja würde sie mir nit günstig,
mich hilfft nichts mehr geschwinders,
find ich denn kein gnad,
so fall ich gar zu boden, und bin todt,
Tröst sie mich nit baldt,
mein junges hertz mir damit entzwey spalt,[268]
wenn ich gedenk,
dein trew nicht von mir wenck,
erquick mich als wie ein todten
Und das ich mich
tröstlich zu dir versich,
du werdest mirs lassen geraten.
5. Ach Gott komb doch ein stündlein,
das ich beger auff erden,
das mich küst dein rotes mündelein,
bis es möcht besser werden,
indem sie mich erwüscht,
sie schmückt mich freundlich an jhr brust,
Mit lust, mit jrem ärmlein weis,
empfieng sie mich fein leis, mit gantzem fleis,
der wer mein freud,
sonst leider ist mir bescheid,
sey winter oder sommer,
Hab ich kein ruh,
hertziges megdlein gib rath darzu,
wendt mir mein grossen kummer.
Buchempfehlung
»Es giebet viel Leute/ welche die deutsche poesie so hoch erheben/ als ob sie nach allen stücken vollkommen wäre; Hingegen hat es auch andere/ welche sie gantz erniedrigen/ und nichts geschmacktes daran finden/ als die reimen. Beyde sind von ihren vorurtheilen sehr eingenommen. Denn wie sich die ersten um nichts bekümmern/ als was auff ihrem eignen miste gewachsen: Also verachten die andern alles/ was nicht seinen ursprung aus Franckreich hat. Summa: es gehet ihnen/ wie den kleidernarren/ deren etliche alles alte/die andern alles neue für zierlich halten; ungeachtet sie selbst nicht wissen/ was in einem oder dem andern gutes stecket.« B.N.
162 Seiten, 8.80 Euro
Buchempfehlung
1799 schreibt Novalis seinen Heinrich von Ofterdingen und schafft mit der blauen Blume, nach der der Jüngling sich sehnt, das Symbol einer der wirkungsmächtigsten Epochen unseres Kulturkreises. Ricarda Huch wird dazu viel später bemerken: »Die blaue Blume ist aber das, was jeder sucht, ohne es selbst zu wissen, nenne man es nun Gott, Ewigkeit oder Liebe.« Diese und fünf weitere große Erzählungen der Frühromantik hat Michael Holzinger für diese Leseausgabe ausgewählt.
396 Seiten, 19.80 Euro