Vierte Szene.

[80] Die Vorigen. Liese führt Franz herein.


VRONI. Jesus, er is's! Zustürzend und ihn von der andern Seite stützend, leidenschaftlich. Franz, Franz – da dran bin ich schuld! – Sei nit bös, ich bitt dich, daß ich den Alten auf dich g'hetzt hab, hätt ich mir's denken können, daß's so ausgeht ...


Liese steht jetzt zur Seite, sie hat voll Erstaunen den Arm des Franz verlassen, den Vroni nun allein stützt.[80]


FRANZ bleich, wirres Haar, etwas unsicher gehend, die Kleider derangiert, den linken Arm in der Binde, beißt manchmal die Zähne übereinander. Was sprichst du denn? – Ich – ich selbst – habe ja –

VRONI. Ja – du hast dich leicht ang'schossen mit der Büchs', die der andere g'habt hat.

FRANZ sinkt in den Großvaterstuhl. Wenn du mir einen Dienst erweisen willst, so rede nichts davon! Schließt die Augen.

LIESE. Ah Spektakel, ös kennt's enk, ös seid's so vertraut – da kennt sich kein Teixel aus! – Wer is denn dös?

VRONI halblaut. Der Ferner Franz!

LIESE höchst verwundert. Der jung' Meineidbauer?!

VRONI. Der is kein Meineidbauer, Ahnl, der nit!

LIESE. Ja, bist leicht g'schossen in ihn a noch?

VRONI. Was du nur gleich denkst! – Aber wann d' mir willst Lieb' erweisen, Ahnl, laß mich bei ihm.

LIESE zögert. Dein verwundrig's Reden – und dö Zutunlichkeit – da sollt sich eins auskennen. Von draußen Rufen und Gläseraufstoßen. »He, Mutter Lies'!« Schreit durch die Türe. I kimm gleich, ös Sakra! Sieht auf Vroni und Franz und schüttelt den Kopf. No, meintweg'n, spiel d' barmherzig' Samariterin – der schad't dir nix. Im Abgehen. Hätt's nie denkt, was heut alles unter mein' Dach z'samm-käm! Ab.


Quelle:
Ludwig Anzengruber: Der Meineidbauer. Stuttgart 1959, S. 80-81.
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