Trinklied

Trinklied

[440] Gestern ging ich wieder mal

In die Schenke schnelle,

Wie der durst'ge Pilgersmann

Eilt aus der Kapelle.


Trinklied

Alldieweil der Durst so groß,

Trink ich etwas eil'ger

Und erglänze alsobald

Wie ein neuer Heilger.
[440]

Trinklied

Wie der Pater Gabriel

Werd ich allnachgrade;

Zwicke schon der Kellnerin

Listig in die Wade. –


Trinklied

Beim Getränke lieb ich mir

So ein Spiel ein kleines;

Ach, mein Geld ist hin wie einst

Kozmianen seines.
[441]

Da der Wirt auf Zahlung dringt,

Fang ich an zu tosen.

Drauf ergeht's mir wie dem Erz-

Bischof hint in Posen.


Trinklied

Meinen Rock verwahrt der Wirt

Und die Schelle zieht er:

»Heda, Hausel! Schiebe fort

Diesen Jesuiter!«
[442]

Trinklied

Als ich auf der Gasse lag,

Schlägt die Glocke zwölfe,

Und ich grolle tiefempört

Wie ein alter Welfe.


Trinklied

Gleich so fragt mich ein Gendarm,

Was ich hier bezweckte.

Keine Auskunft geben wir

Seminarpräfekte!
[443]

Trinklied

Darum sitz ich heut im Loch. –

Ach! und dieser Kater!

Fluchend geh ich auf und ab,

Wie ein heil'ger Vater.
[444]

Quelle:
Wilhelm Busch: Werke. Historisch-kritische Gesamtausgabe, Bde. I-IV, Band 2, Hamburg 1959, S. 440-445.
Lizenz:

Buchempfehlung

Hoffmann, E. T. A.

Nachtstücke

Nachtstücke

E.T.A. Hoffmanns zweiter Erzählzyklus versucht 1817 durch den Hinweis auf den »Verfasser der Fantasiestücke in Callots Manier« an den großen Erfolg des ersten anzuknüpfen. Die Nachtstücke thematisieren vor allem die dunkle Seite der Seele, das Unheimliche und das Grauenvolle. Diese acht Erzählungen sind enthalten: Der Sandmann, Ignaz Denner, Die Jesuiterkirche in G., Das Sanctus, Das öde Haus, Das Majorat, Das Gelübde, Das steinerne Herz

244 Seiten, 8.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Geschichten aus dem Biedermeier III. Neun weitere Erzählungen

Geschichten aus dem Biedermeier III. Neun weitere Erzählungen

Biedermeier - das klingt in heutigen Ohren nach langweiligem Spießertum, nach geschmacklosen rosa Teetässchen in Wohnzimmern, die aussehen wie Puppenstuben und in denen es irgendwie nach »Omma« riecht. Zu Recht. Aber nicht nur. Biedermeier ist auch die Zeit einer zarten Literatur der Flucht ins Idyll, des Rückzuges ins private Glück und der Tugenden. Die Menschen im Europa nach Napoleon hatten die Nase voll von großen neuen Ideen, das aufstrebende Bürgertum forderte und entwickelte eine eigene Kunst und Kultur für sich, die unabhängig von feudaler Großmannssucht bestehen sollte. Für den dritten Band hat Michael Holzinger neun weitere Meistererzählungen aus dem Biedermeier zusammengefasst.

444 Seiten, 19.80 Euro

Ansehen bei Amazon