[193] Ein Bauer treibt in guter Ruh'
Sein fettes Schwein der Heimat zu.
[193]
Bei einem Wirte kehrt er ein
Und kauft sich einen Branntewein.
[194]
Da zieht das Schwein, der Bauer fällt,
Weil er sich auf das Seil gestellt.
[195]
Des Wirtes Nachbar und sein Sohn,
Die warten auf die Knödel schon.
[196]
Auf einmal kommt herein die Sau
Und stößt die gute Nachbarsfrau.
[197]
Sie stößt, mit schrecklichem Gebrumm',
Das Kind, den Tisch und Nachbarn um.
[198]
Heraußen steht das Bäuerlein
Und wartet auf sein fettes Schwein.
Das Schwein läuft aus der Tür' heraus,
Der Bauer reitet fort im Saus.
[199]
Dem Schweine kommt das lästig vor,
Drum wälzt es sich im feuchten Moor.
Ans Ufer springt das böse Schwein,
Der Bauer mühsam hinterdrein.
[200]
Ins Schilderhaus verkriecht es sich,
Der Bauer spricht: »Jetzt hab' ich dich!«
Er setzt sich auf das Schilderhaus,
Da schaut des Schweines Schwanz heraus.
[201]
Der Wirt, Soldat und Nachbarsmann,
Die greifen jetzt den Bauern an.
[202]
Doch endlich schlachtet man das Schwein,
Da freute sich das Bäuerlein.
[203]
Buchempfehlung
Im Alter von 13 Jahren begann Annette von Droste-Hülshoff die Arbeit an dieser zarten, sinnlichen Novelle. Mit 28 legt sie sie zur Seite und lässt die Geschichte um Krankheit, Versehrung und Sterblichkeit unvollendet.
48 Seiten, 4.80 Euro
Buchempfehlung
Zwischen 1765 und 1785 geht ein Ruck durch die deutsche Literatur. Sehr junge Autoren lehnen sich auf gegen den belehrenden Charakter der - die damalige Geisteskultur beherrschenden - Aufklärung. Mit Fantasie und Gemütskraft stürmen und drängen sie gegen die Moralvorstellungen des Feudalsystems, setzen Gefühl vor Verstand und fordern die Selbstständigkeit des Originalgenies. Michael Holzinger hat sechs eindrucksvolle Erzählungen von wütenden, jungen Männern des 18. Jahrhunderts ausgewählt.
468 Seiten, 19.80 Euro