[Johann Heinrich Voß]
An Priap

[2] Leckt Votzen, Ihr neun Pindars-Luder,

Leckt mit Apoll, der schläfrig geigt;

Und dessen kleiner matter Bruder,

Nur durch das Fingern aufwärts steigt:

Priap! beseele meine Leier,

Und gönne ihr das rege Feuer,

Das sich durch deine Klöt ergeußt;

Und durch die aufgeschwollenen Röhren,

Um deine Wollust zu vermehren,

Dickschäumend in die Votze fleußt.


Kommt Hurenbuben, kommt zusammen,

Zeigt euren Mut und fuchst euch satt,

Ein Schauspiel setzt mich jetzt in Flammen,

Das nie der Himmel schöner hat:

Ich sehe Brüste, Zitzen strotzen,

Nebst tausend auserlesenen Votzen,

Von kaltem Bauer überschwemmt;

Ich sehe tausend Klöte glänzen,

Bei tausend auserlesenen Schwänzen,

In feiste Lenden eingestemmt.


O, reiz mich oft mit solchen Bildern,

Du meiner Sehnsucht Gegenstand;

Die Wollust ist nie genug zu schildern,

Die nur zu sehn mein Herz empfand.

Priap! Dir bau ich einen Tempel,

Und vögle andern zum Exempel

Zwölfmal, den Altar einzuweihn;

Statt Gold soll kalter Bauer glänzen,

Und Votzenhaar die Tür umkränzen,

Mein Schwanz soll Hoherpriester sein.
[2]

Hirsch, Adler, Wolf und Walfisch lehren,

Wie man beständig vögeln soll;

Der Sperling ist nie genug zu ehren,

Denn der ist immer samenvoll.

Kurz, alles muß gevögelt werden,

Die Votz enthält, was man auf Erden

Erhabenes nur denken kann;

Sie zeigt sich, – tausend Schwänze starren,

Der Weise vögelt mit dem Narren,

Der Bürger mit dem Edelmann.


Sind meine Klöt nur voll von Feuer,

Und macht mein Schwanz sein Meisterstück,

Dann bin ich reich bei einem Dreier,

Und scheiße fast auf alles Glück.

Zufrieden und entfernt vom Neide,

Seh ich in meinem schlechten Kleide

Die Pracht der großen Herren an,

Weil der, der auf dem Throne sitzet,

Wenn er den Samen von sich sprützet,

Nicht mehr als ich, empfinden kann.


Seht auf Athens erhab'nen Plätzen,

Melkt sich ein Schwanz der Zyniker;

Die Menge sieht ihn mit Ergötzen

Und steht mit Ehrfurcht um ihn her.

Es läßt sich Sturm und Donner hören,

Doch nichts kann unsern Weisen stören,

Obgleich der Himmel kracht und blitzt;

Er fähret fort mit langen Zügen,

Bis daß er taumelnd für Vergnügen,

Den edlen Samen von sich sprützt.

Quelle:
Phantasien in drei Priapischen Oden. [o.O.] 1800, S. 2-3.
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