Christoff Pohl und Rosine Woyke

[160] 17. Sept. 1646.


Was der vnd jener sagt,

Es ist auff Gott gewagt,

Wir haben vns genommen,

Versichre dich, mein Kind,

Ohn Himmels-Stifftung sind

Wir nicht zusammen kommen.


Kein' Eh hat doch gekunt

Der bösten Leute Mund

Vnd jhren Fürwitz meiden,

Nur fest auff Gott getrawt!

Wer an dem Wege bawt,

Muß aller Vrtheil leiden.


Indem die arge Welt

Nur viel auff Falschheit hält,

Was bessers ist zu finden,

Als daß zwey Hertzen sich

Gewünscht vnd jnniglich

Auff Glück vnd Fall verbinden?


Giebt Gott den dritten Mann,

Wie wol sind sie daran!

Ihr Thun muß nur gelingen:

Kein Abgunst vnd kein Leid,

Ja keiner Höllen Neid

Wird solches Band durchdringen.


Wenn Trübsal mich verletzt

Vnd Kranckheit an mich setzt,

Ohn Creutz wird niemand leben,

Wo kehr' ich dann mich hin?

Vnd wer wird meinen Sinn

Der Trawrigheit entheben?


Ob jemand mich ersucht,

Es ist wie auff der Flucht,

Man gehet seiner Wege;

Ein jeder liebt sein Hauß,

Der Ehgenoß hält aus

Mit wahrer Pflicht vnd Pflege.
[161]

Wir wollen vns in Trew

Vnd Gottesfurcht dabey,

Mein Kind, zusammen halten,

Was gilt es, Gnüg' vnd Rhue

Vnd Fruchtbarkeit dazu

Wird über vns noch walten!


Kömpt aber Müh vnd Pein,

Wird vnser Sonnen Schein

Ein Wetter vieler Plagen;

Wie Gott es schickt, wol her!

Das Creutz ist nicht so schwer,

Wenn jhrer zween es tragen.


Mit diesem Vorsatz auff!

Weil noch der Jugend Lauff

Vns Frewd' vnd Freyheit gönnet,

Weg Vnmuth, Gram vnd Wust!

Ihr Gäst', empfindet Lust,

Vbt Kurtzweil, wie jhr könnet!


Wir wollen dieses mahl

Den, der von Angst vnd Qual

Verdrießlich schwätzt, nicht hören.

Tantz, Lieb' vnd Spiel heran,

Vnd was ergetzen kan!

Geschieht es doch in Ehren.

Quelle:
Simon Dach: Gedichte, Band 1, Halle a.d.S. 1936, S. 160-162.
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