Herbstflammen

[55] Hell brennen die Wälder.

Braun versengt sprühen die Eichen.

Weiche Buchenkronen glühen,

Jagen auf in sonnengelbem Schaum.


Rot Pilze,

Gifttrunken.

Grün zucken Moose.[55]

Weisfeuchte Funken sprengen Granit.

In grelle Breschen gespalten die Tannennacht

Rotglut verschüttet um Ulme und Eschen.

Gelbschrill in Feuerfahnen lohen Platanen.


Schwefelscharf Augen,

Glimmen, sengen,

Schneidendweiß klafft Gebiß.

Goldbraune Panther schleichen stier,

Dunkelheiß mit singendem Atem,

Die weißen Kehlen pochen in Gier.


Rollend gewölbt,

Flammen wildgelb,

Stürzen vom Laub,

Schlagen in Purpurgruben zusammen.


Schwarz aus roter Brunst

Schreie ...

Ein Weib ...

Brüllender Dunst von brechendem Blut,

Scharlachen in goldbrandigem Laub

Wälzt sich ein rauchender Leib.


Dunkelgeduckt,

Gelbe Augen,

Blankes Gebiß.

Panther umgleißen den flammenden Strauch.

Rot kocht der Rauch,

Die weißen Kehlen pochen in Gier ...


Gelber Regen vom Birkenreise.

Gelbe Blätter zitternd geflogen

Von den silbernen Birkenbogen.

Leise Fäden in wallenden Zweigen,

Frauenhaar.

Und die Sonnenstrahlen spreiten

Singendes Licht in die lallenden Saiten.
[56]

Mondklar ein Jüngling,

In sehnenden Linien

Einer schlanken Kallaraute.

Weiß des Knaben Finger,

Und pflücken

Von der blanken Birkenharfe

Blaue schwanke sehnende Laute.


Lautlos fällt der Wald in Asche.


Quelle:
Max Dauthendey: Gesammelte Werke in 6 Bänden, Band 4: Lyrik und kleinere Versdichtungen, München 1925, S. 55-57.
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