Drittes Kapitel.

[133] Es war fast Mitternacht; die arme Auguste lag auf Nesseln. – Ach Gott! rief sie endlich: ich muß aufstehen, ich habe entsetzliches Bauchweh! – Der Alte erwachte, und schlich ihr nach. Sie hörte ihn kommen, und freute sich herzlich darüber. Die abscheuliche Kolik! Es ist erschrecklich, was sie leiden muß! – Wenigstens sah es so aus.

Eine Viertelstunde, und der Schmerz ließ ein wenig nach; sie legte sich wieder nieder. Aber kaum war sie im Bette, so mußte sie wieder heraus. Der Alte folgte ihr abermals, und die Farce wurde von neuem gespielt. Sie kam wieder zurück, und mußte zum drittenmal hin. Auf die Art foppte sie ihn ein halb Dutzendmal, denn sie wußte recht gut, was sie thun wollte.[133]

Man kann denken, ob der alte Herr der Promenade zuletzt überdrüssig wurde. Er glaubte endlich überzeugt zu sein, und fieng an einzuschlafen. Kaum hörte ihn das schlaue Weibchen schnarchen, so schlüpfte sie leis zum Bette hinaus, und schnell auf den Vorsaal. Ein kleines Räuspern rufte ihren Freund herbei. Er trug sie auf das Sopha, und vertrieb ihr die Kolik in einem Augenblick.

Eben war er beschäftigt, ihr eine vierte Dosis einzugeben, als er den Alten rufen hörte. – Ah je n'en puis plus! ächzte sie: bleiben Sie nur darin! Ich komme schon! Noch eine feurige Umarmung, und sie mußte ihren wackern Doktor verlassen. Ewald gab dem Bedienten einige Dukaten, und kam unbemerkt aus dem Hause.

Quelle:
Christian Althing: Dosenstücke, Rom; Paris; London [o.J.], S. 133-134.
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